Neue Facebook-Strategie Zuckerberg schadet der Ur-Idee des Internets

Facebook will mobile Anwendungen mithilfe sogenannter App-Links verknüpfen. Das klingt zunächst großartig und das ist es auch - allerdings nur für das Unternehmen selbst.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat auf der Entwicklerkonferenz seines Web-Unternehmens, der F8, „App-Links“ angekündigt. Quelle: AP

Wenn es so etwas gibt wie die Ur-Eigenschaft des Surfens im World Wide Web (WWW), dann ist es der Link: Die Abzweigung von einer Internetseite zur nächsten. Es war ein genialer Gedanke: Wissen sollte im wahrsten Wortsinne verknüpft werden.

Daraus entstand das WWW von heute - wenn auch mit einem mittlerweile gravierenden Manko. Ausgerechnet in der Welt der mobilen Apps funktioniert das Verlinken nicht. Denn für den direkten Sprung aus einer Smartphone-Anwendung in die nächste gibt es bisher keinen vergleichbaren Standard.

Das sind Deutschlands Internetriesen
Platz 10: YouTubeUmsatz 2013: 147 Millionen Euro*Der Video-Kanal schafft es mit zwei Millionen Euro Umsatz Vorsprung auf den elftplatzierten Mobile.de gerade noch in die Top Ten. Diese zehn größten Internetunternehmen generieren gemeinsam bereits 42 Prozent des gesamten Marktumsatzes der Top 1000. Dabei sind Film, Video & TV-Anbieter absoluter Vorreiter beim mobilen Traffic. Fast 56 Prozent der Visits kommen hier von mobilen Endgeräten. Zweitstärkstes Segment mit weitem Abstand sind Nachrichten mit 30,6 Prozent. Quelle: Statista 1000 Top-Internetunternehmen in Deutschland: Die Marktanalyse von Statista erfasst erstmals wesentliche Teile der Netto-B2C Wertschöpfung aus werbefinanzierten Angeboten, bezahlten digitalen Inhalten und Services auf Anbieterebene und bildet auf dieser Basis ein Umsatzranking der 1000 größten digitalen Anbieter ab. Im Vorfeld wurden hierzu mehrere tausend Websites auf ihre Relevanz untersucht. Quelle: dpa
Platz 9: Immoscout 24Umsatz 2013: 155 Millionen EuroSuchportale wie der Wohnungs- und Immobilienvermittler Immoscout, Reise-Vermittler, Kleinanzeigen und digitale Güter von Generalisten sowie Preisvergleiche, treiben den Markt und generieren 66 Prozent des erfassten Gesamtmarktvolumens. Quelle: Screenshot
Platz 8: Google PlayUmsatz 2013: 155,6 Millionen EuroMit iTunes, GooglePlay und YouTube bestimmen drei internationale Player das Spielfeld „Digitale Güter“. Das Segment Film, Video & TV (23 Prozent) wird von Senderablegern sowie internationalen Anbietern beherrscht, die verstärkt in den Markt drängen (z. B. Lovefilm, Watchever). Quelle: AP
Platz 7: Check24Umsatz 2013: 157 Millionen EuroVergleichsportale zählen zu den beliebtesten Inhalten im deutschen Internet. Mit 18,9 Prozent legt das Segment „Digitale Güter“ das stärkste jährliche Wachstum seit 2011 vor, gefolgt von digitalen Services mit 11,1 Prozent sowie den digitalen Content-Angeboten mit 8,9 Prozent. Quelle: Screenshot
Platz 6: bwinUmsatz 2013: 169,1 Millionen EuroBwin ist Deutschlands führender Anbieter von Sportwetten und Online-Gaming. Das Unternehmen wurde 1999 unter dem Firmennamen Simon Bold (Gibraltar) Ltd. gegründet und 2001 von der in Wien ansässigen, börsennotierten bwin Interactive Entertainment AG zu 100 Prozent erworben. Nach einer Fusion mit PartyGaming Plc im März 2011, ist dieses Unternehmen jetzt Teil der bwin.party Gruppe. Das Mutterunternehmen der Gruppe ist bwin.party digital entertainment plc, ein in Gibraltar registriertes und an der Londoner Börse notiertes Unternehmen. Quelle: dpa
Platz 5: Booking.comUmsatz 2013: 189,1 Millionen EuroBei Booking.com handelt es sich um ein ursprünglich niederländisches Reiseportal, das 1996 auf den Markt kam und seither wächst und wächst. Die deutschen Anbieter digitaler Dienstleitungen erwirtschaften nur 13 Prozent des Umsatzes der Top Ten des Segments Digitale Services. Quelle: Screenshot
Platz 4: FacebookUmsatz 2013: 228 Millionen EuroDas von Mark Zuckerberg erdachte soziale Netzwerk gehört zu den absoluten Riesen im Internet mit derzeit rund 1,2 Milliarden Mitgliedern. Quelle: dpa

Da fügt es sich gut, dass Facebook-Gründer Mark Zuckerberg soeben auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz F8 genau das angekündigt hat: „App-Links“. Damit sollen mobile Surfer künftig direkt zwischen einzelnen Apps auf dem Smartphone hin und her springen.

Zuckerbergs Versprechen: Das System soll über die Grenzen einzelner Betriebssysteme funktionieren. So könnte etwa der Besitzer eines iPhones aus seinem Safari-Browser einen App-Link auf das Android-Handy eines Bekannten verschicken.

Wo wir uns freiwillig ausspionieren lassen
"Facebook" würde gerne auf Ihre Kontakte zugreifen?!Heutzutage kennt jeder der ein Smartphone hat Datenzugriffsanfragen wie diese. Egal ob iOS oder Android, für beide Betriebssystemen ist das Sammeln von Informationen wichtig. Meistens werden wir gefragt, ab und zu sammeln Apps aber auch ohne Berechtigung Daten und nutzen sie. Rechtlich dagegen vorzugehen ist schwierig, da die Unternehmen meist nicht aus Deutschland kommen. Rechtlich greift immer das Datenschutzgesetz des Landes, aus dem das Unternehmen kommt. Ganz egal, wo zum Beispiel ein soziales Netzwerk wie Facebook genutzt wird. Aber nicht nur Smartphones erstellen Nutzerprofile: In einer immer weiter vernetzten Welt kann selbst der Kühlschrank eine Aussage über Sie machen. Ganz unterschiedliche Arten von Daten können dabei verwertet werden. Quelle: dpa
Das "smarte" HausWas sich noch immer ein wenig nach Zukunftsmusik anhört, ist mancherorts schon längst Realität: ein voll vernetztes Haus, das für Sie einkauft und die Heizung an macht bevor Sie nach Hause kommen. Der Kühlschrank füllt sich je nach Einstellung automatisch oder es werden Ihnen vorsortierte Rezepte zur Auswahl geschickt. Dabei merkt sich das System genau, was im Kühlschrank schlecht wurde oder wann Sie gerne ein bestimmtes Nahrungsmittel essen. Steht Freitagsabends Fußball mit zwei Freunden in Ihrem Kalender, finden Sie nach der Arbeit für jeden zwei kalte Bier vor. Hört sich erstmal gar nicht so schlecht an, aber das es irgendwo ein Ernährungsprofil von Ihnen gibt, lässt vielleicht doch zu Denken übrig. Quelle: dpa
Datenkrake AutoVW-Chef Martin Winterkorn machte dieses Jahr im Rahmen der CEBIT auf das Potential und Risiko von datensammelnden Automobilen aufmerksam. Neue Automobile, die die Rechenleistung von mehreren Heim-Computern haben, würden mittlerweile so viele Daten sammeln, das man Richtlinien brauche. Daten dieser Art könnten, falls sie zugelassen werden, das komplette Versicherungssystem revolutionieren: die Versicherungsprämie würde sich nach den vom Auto übermittelten Fahrerprofil richten. Schlechte Autofahrer würden dann mehr zahlen, gute weniger. Um Missbrauch und der langsamen Rechtsprechung vorzubeugen, schlug Winterkorn freiwillige Normen der Autobauer vor. Quelle: dpa
"Kostenlose" AppsKostenlos sind die meisten Apps ganz und gar nicht. Es wird nur in anderen Währungen bezahlt: entweder Zeit oder Daten. Ob man darauf einen Preis setzen will bleibt jedem selbstüberlassen, die App Betreiber kassieren auf jeden Fall für beides. Läuft beispielsweise zwischen zwei Spiellevels ein kleiner Werbeclip lassen sich die Betreiber das bezahlen. Sammelt die App Daten werden diese entweder zur Optimierung der App oder zur Verwertung von Dritten genutzt. Quelle: REUTERS
Die CloudHäufig kritisiert ist das Hochladen von Daten in die Wolke - riesigen Rechenzentren die meist in den USA stehen, wo andere Datenschutzrichtlinien gelten. Vorteil für den Nutzer ist die ständige Verfügbarkeit seiner Daten. Unternehmen haben dadurch häufig Zugriff auf Kontaktdaten, an die sie vorher nicht gekommen sind. So zum Beispiel Apple: hier werden seit einiger Zeit die Kontakte nicht mehr über den heimischen PC sondern über die Cloud synchronisiert. Schwierig hierbei ist unter anderem, dass die betroffenen Personen - Freunde, Geschäftspartner und alle anderen die in dem jeweiligen Telefonbuch stehen - meist gar nicht davon wissen. Quelle: dpa
OrtungsdienstImmer die besten Angebote aus der Umgebung geschickt zu bekommen kann hilfreich und angenehm sein, muss es aber nicht. Viele Apps sammeln Informationen über die Orte an denen sich eine Person befindet - häufig auch solche von denen man es nicht erwartet, wie die Taschenlampen-App. Zusammengesetzt werden können damit ganze Bewegungsprofile, die beispielsweise ein auf die Person abgestimmtes Werbeprofil erlauben. So könnte es in der Zukunft vorkommen, dass Sie beim Verlassen der Haustür eine Anzeige über ein kürzlich von Ihnen gesuchtes Produkt sehen. Quelle: dpa
Messenger-DiensteSeit der Übernahme von Whatsapp durch Facebook, wird viel über eine Änderung der Nutzungsbedingungen spekuliert. Es wird befürchtet, dass das soziale Netzwerk auch die Daten seiner Tochter zum Anbieten von personalisierter Werbung nutzen wird. Zusätzliche Zweifel an der Sicherheit bescherten Anfang dieses Jahres Threema, einem Anbieter der gezielt mit verschlüsselter Kommunikation für sich Werbung macht, große Kundenzuwächse. Quelle: dpa

Das klingt zunächst großartig und das ist es auch - aber nur für Facebook.

Die Technologie ist zwar als lizenzfreie, kostenlos nutzbare Open Source Software konzipiert. Doch sie hat einen gravierenden Nachteil: Sie funktioniert nur innerhalb der Facebook-Welt.

Tatsächlich nämlich verbinden Zuckerbergs App-Links nur mobile Anwendungen miteinander - solange sie technisch an die Facebook-Plattform angebunden sind. Etwa dann, wenn sie direkt in Facebook eingebunden sind oder weil sich der Anwender dort mit den Zugangsdaten seines Facebook-Kontos anmeldet.

Damit aber führt Zuckerbergs Konzept jene geniale Idee des im WWW beliebig verknüpfbaren Wissens komplett ad absurdum. Statt um Offenheit geht es bei Facebooks App-Links um das Gegenteil. Ziel ist es, die Nutzer in einem begrenzten Anwendungskreis zu halten - und zu verhindern, dass sie aus der von Facebook kontrollierten und werblich nutzbaren Online-Welt ausbrechen.

Denn welchem App-Link auch immer ein mobiler Surfer folgt: Am Ende landet er doch wieder im Zuckerbergschen Facebook-Versum - weil die Links nur dort funktionieren.

Für die Vermarkter des Netzes und der Daten ihrer Nutzer ist das ein höchst verlockender Gedanke. Im Grunde dient ja auch die Vielfalt von Googles Online-Diensten dem gleichen Ziel: Ob Suche, Textverarbeitung, Reiseplanung oder Video-Konsum: Für alles kann der Nutzer einen Google-Dienst nutzen.

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Deshalb ist zu befürchten, dass Facebooks App-Link-Idee Schule macht: Google wird in seiner Android-Welt Ähnliches anbieten, Apple womöglich schon mit der im Sommer zu erwartenden nächsten Version seines mobilen Betriebssystems iOS8 ebenfalls App-Links bringen.

Das Problem dabei ist: Alle werden nur in den geschlossenen Welten der jeweiligen Plattformen funktionieren. Solange es keinen gemeinsamen Standard gibt, der beispielsweise vom Worldwide Web Consortium (W3C) abgesegnet wird, bedeuten die kastrierten Links keinen Fortschritt fürs mobile Internet - sondern gleich mehrere Irrwege in ebenso viele Sackgassen.

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