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Neue Geschäftsmodelle im Netz "Der Hype um das iPad ist absurd"

Peter F. Schmid, Chef von Parship über Zweifel an der Kostenlosmentalität, neue Geschäftsmodelle im Internet und die virtuelle Partnersuche der Zukunft.

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Parship-Chef Peter Schmid

WirtschaftsWoche: Herr Schmid, Sie haben als Geschäftsführer von AutoScout24, mobile.de und nun mit Parship gutes Geld im Internet verdient. Geht das nur mit Autos oder dem Traum von der großen Liebe?

Schmid: Nein, Geld verdienen lässt sich im Internet auch mit Kühlschränken. Es kommt nicht auf das Produkt  an, sondern darauf, einen Nutzen zu bieten, den man so woanders nicht bekommt.

Entscheidend für ein erfolgreiches Geschäftsmodell im Internet ist eine Kombination aus Nutzen, Qualität und Einzigartigkeit. Wenn der Nutzen eines Internet-Angebotes klar erkennbar und einzigartig ist, wird immer jemand bereit sein, dafür zu zahlen.

Das bedeutet, die derzeitigen Internet-Angebote sind einfach zu schlecht – und deshalb wollen die Leute nichts zahlen?

Nein, aberdie Diskussion um die Kostenloskultur im Web ist auch überzeichnet. Ein gutes Beispiel ist Immobilienscout. Da gibt es keine kostenlosen Anzeigen und es funktioniert, obwohl es unzählige andere Internet-Seiten gibt, wo man das vermeintlich gleiche Produkt umsonst bekommt. Wenn es eine echte Kostenlosmentalität gäbe, würden doch alle inserieren, wo es nichts kostet.

Klar haben die Menschen gelernt, dass sie vieles im Internet kostenlos finden. Dass schürt auch eine Erwartungshaltung. Aber wenn man Inhalte und ihre Darbietung auf ein neues Level bringt, sind Leute auch wieder bereit dafür zu zahlen.

Gilt das auch für die junge Generation, die mit dem Internet groß geworden ist?

Ja, man sieht es zum Beispiel bei Computerspielen. Natürlich gibt es kostenlose Spiele, aber wenn ich sehe, wie viel Geld immer noch mit Computerspielen umgesetzt wird, passt das nicht zur Kostenlosmentalität. Ich glaube nicht, dass sich das schon so in den Köpfen festgesetzt hat.

Es werden weiter Spiele verkauft und es gibt kostenlose Angebote. Junge Leute sind aber bereit, auch bei kostenlosen Spielen für zusätzliche Angebote zu zahlen. Die Faszination muss nur groß genug sein, dann bezahlen die Leute auch.

Spiele oder Musik sind auch ein typisches Beispiel für Raubkopien. Und ein Kopierschutz schränkt oft die Nutzungsmöglichkeiten ein, so dass der ehrliche Kunde bestraft wird. Wie soll man damit umgehen?

Die Fragen zum Kopierschutz und den Rechten für Daten und Inhalte sind eine der größten Herausforderungen. Einfache Lösungen sehe ich da aber nicht.

Doch es gibt noch ein größeres Problem, als illegale Kopien durch die Nutzer. Nämlich Unternehmen, die einfach Ideen und Produkte eins zu eins kopieren. Das ist Wirtschaftskriminalität und Existenz gefährdend für die Internetindustrie.

Parship hat beispielsweise Wettbewerber, die nicht nur die Website, sondern sogar Kundenservice E-Mails wörtlich kopieren. Kürzlich habe ich ein copy cat von Parship aus der Türkei gesehen. Die haben sich nicht einmal die Mühe gemacht, die Werbefotos zu ändern. Dabei sind das echte Kunden von uns.

Gegen solch offensichtliche Kopien können Sie doch klagen.

Schon, aber die rechtlichen Hebel sind sehr gering. Produktverletzungen im elektronischen Bereich sind schwer zu verfolgen. In meiner Zeit bei Internet-Fahrzeugmärkten habe ich diese Erfahrung leider schon machen müssen.

Wenn wir solide Geschäftsmodelle im Internet haben wollen, muss dafür auch ein besserer Rechtsrahmen geschaffen und Verstöße müssen verfolgt werden. Und das ist nicht nur ein Problem von Russland und China, diese Verstöße finden auch in Deutschland statt.

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