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Neue Kindle-Modelle Amazons Spiel mit dem Feuer

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Geschäftsmodell mit Tücken

Amazon-CEO Jeff Bezos präsentiert eines der neuen Geräte. Quelle: dpa

Es ist eins der vielen gut gehüteten Geheimnisse von Amazon.com, dass auch fünf Jahre nach Start seiner Kindle Linie nicht enthüllt, wie viele Geräte weltweit verkauft worden sind.  Und erst recht nicht, wie viel davon Fire Tablet sind. Vor allem hüllt man sich in Schweigen über die Rückgabequote des Tablets. „Der Kindle ist unser Bestseller“, sagt Bezos nur.

Der Name des Fire ist Programm. Damit zündelt Bezos nicht nur im Markt. Sein Preis  ist auch ein gewagtes Spiel mit dem Feuer. Zwar ist das Subventionieren des Gerätepreises  und  das spätere Einspielen der Auslagen mittels Dienstleistungen nichts Neues. Mobiltelefongesellschaften machen das seit Jahrzehnten. Doch sie begrenzen ihre Risiken durch den Abschluss von langfristigen Nutzungsverträgen. Auch wenn der Kunde sein Handy nicht oder kaum benutzt, muss er eine monatliche Gebühr berappen.

Bezos Geschäftsmodell ist wesentlich riskanter. Wenn seine Kunden ihre subventionierten Kindles kaufen und sie dann in die Schublade  legen, nur ab und an mit ihnen spielen und deshalb kaum Inhalte konsumieren, hat der Amazon.com-Chef ein gewaltiges  Problem.

Mehr noch: Das Geschäftsmodell könnte wegen dem in Hardware gegossenen Kapital sogar sein Unternehmen ruinieren.  Zum Beispiel wenn Wettbewerber den Kindle Fire HD aufkaufen oder aber raffiniert für ihre Modelle werben, indem sie beim Wechsel das Gerät von Amazon.com in Zahlung nehmen und seine Teile ausschlachten. Das ist zwar ein pessimistisches Szenario.  Aber in der schönen neuen Tablet-Welt, wo sich die Marktteilnehmer heftig gegenseitig bekriegen und vor den Kadi zerren, wird mit allen Mitteln gefochten.

Doch Bezos ist erklärter Optimist. Der Internet-Milliardär mag schwierig sein und mit seinem Sturkopf und Mikromanagement Mitarbeiter in die Verzweiflung treiben. Das hat er mit dem verblichenen Steve Jobs gemein. Doch Bezos hat auch die Nervenstärke, Risiken auf sich zu nehmen und Kritik auszusitzen.

Vor zehn Jahren schrammte Amazon.com knapp an der Pleite vorbei. Heute hat der Online-Händler einen sagenhaften Börsenwert von 113 Milliarden, obwohl der Gewinn im vergangenen Geschäftsjahr mit 377 Millionen Dollar bei einem Umsatz von 54 Milliarden Dollar bescheiden ausfiel. Bezos investiert lieber, als  Gewinne zu horten. Sie würden ohnehin nur niedrige Zinsen abwerfen. Eine Dividende, wie Apple sie seit neuestem zahlt, wertet der Amazon.com Gründer als Zeichen von Einfallslosigkeit – schließlich steckt man mitten in einem Wachstumsmarkt.

Für Konsumenten ist der angriffslustige Internet-Pionier ein Segen. Auch wenn man sich keine Illusionen machen muss, dass Bezos seine Kunden ähnlich wie Apple gern mit Haut und Haaren vereinnahmen würde.

Aber fehlende Dynamik, schließlich ist Amazon.com auch schon 18 Jahre alt, kann  ihm keiner vorwerfen. Da muss man ab und zu eben mit dem Feuer spielen.

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