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Neue Suchmaschinen Auf der Suche nach der Google-Alternative

Spätestens seit Bekanntwerden der PRISM-Affäre wenden sich User von den Großen im Netz ab. Sie vertrauen Google, Yahoo & Co. nicht mehr. Davon profitieren die kleinen Suchmaschinenanbieter.

"Sollte es das Programm geben, machen wir nicht mit"
Die „Washington Post“ und die britische Zeitung „Guardian“ berichten über ein bislang unbekanntes Abhörprogramm der US-Sicherheitsbehörden. Einige Folien einer Präsentation zum Programm „PRISM“ nennen Firmen, die demnach den Behörden weitreichenden Zugriff auf ihre Daten gestatten. Dazu gehört Apple, der Hersteller von Smartphones („iPhone“), Tablets und Computern. Das Unternehmen teilte mit: „Wir haben noch nie von PRISM gehört. Wir gewähren keiner Regierungsbehörde direkte Zugang zu unseren Servern und alle Behörden, die Kundendaten beantragen, müssen einen Gerichtsbeschluss erhalten haben.“ Quelle: dpa
Auch Google steht auf der Liste. Einer Präsentationsfolie zu PRISM zufolge, ist der Datenzugriff zwar abhängig vom jeweiligen Internetdienst, kann jedoch Daten wie E-Mail, Chat, Fotos und hochgeladene Dateien umfassen. Google sagt zu den Vorwürfen, dass es „keine Hintertür“ in die eigenen Systeme gebe. Quelle: AP
Auch die Google-Tochter YouTube steht auf der Liste. Video-Dateien sollen auch zum Umfang des Abhörprogramms gehören. Quelle: dpa
Auch das soziale Netzwerk Facebook hat die Anschuldigungen dementiert. „Wir gewähren keiner Regierungsorganisation direkten Zugriff auf Facebook-Server. Wenn von Facebook Daten zu spezifischen Individuen verlangt werden, prüfen wir gründlich, ob Anfragen dieser Art den anwendbaren Gesetzen entsprechen und geben Informationen nur in dem Umfang heraus, wie es das Gesetz verlangt.“ Quelle: dapd
Der veröffentlichen PRISM-Präsentation zufolge ist Microsoft bereits seit 2007 an dem Programm beteiligt. Auch der Windows-Hersteller und Anbieter von E-Mail-Diensten und Suchmaschinen weist die Vorwürfe zurück. Das Unternehmen gebe „niemals auf freiwilliger Basis“ Daten heraus, sondern nur auf Basis eines richterlichen Beschlusses. Außerdem dürften sich diese Beschlüsse nur direkt auf einzelne Accounts beziehen. Quelle: dpa
Auch der Internettelefonie-Dienst Skype steht auf der PRISM-Liste. „Sollte die Regierung ein größeres, freiwilliges Programm haben, um Kundendaten zu sammeln, nehmen wir daran nicht teil“, schreibt Microsoft in seinem Dementi. Quelle: dapd
Das Internet-Portal Yahoo steht angeblich seit Dezember 2008 für das Programm zur Verfügung. Das Unternehmen teilte dazu mit, den Datenschutz sehr ernst zu nehmen. „Wir gewähren der Regierung keinen direkten Zugriff auf unsere Server, Systeme oder Netzwerke.“ Quelle: AP

Nachdem die „Washington Post“ und der „Guardian“ berichtet haben, dass der US-Geheimdienst in großen Stil Informationen von Internet-Diensten abgegriffen hat, sind viele Internetnutzer skeptischer beim Umgang mit den großen Suchmaschinen. Zumindest verspüren die kleinen Anbieter seitdem einen starken Zulauf. Schließlich haben die Netzriesen nach geltender Rechtslage kaum eine juristische Handhabe gegen Aufforderungen der amerikanischen Geheimdienste zur Herausgabe von Kundendaten. Auch wenn Google, Facebook & Co. nach eigenen Angaben keine willfährigen Helfer des Geheimdienstes NSA gewesen sind. Die kleine Konkurrenz ist für die Geheimdienste im Vergleich zu den großen Anbietern uninteressant: Sie speichern keine IP-Adressen und legen keine Nutzer-Profile an. Heißt: Suchmaschinen wie DuckDuckGo oder Ixquick wissen zwar, wonach ihre Nutzer suchen, nicht aber, wer die Nutzer sind.

Werbung macht den Unterschied

Der größte Unterschied zwischen kleinen und großen Anbieter liegt in der Art sich zu finanzieren: Die kleinen Anbieter blenden in der Regel Werbung passend zum Suchbegriff ein. Wer beispielsweise nach "Hotel und Spanien" sucht, bekommt passende Werbung von Reiseanbietern, Autoverleihern, Bademodenherstellern etc. angezeigt. Google dagegen erstellt von jedem Suchenden, also passend zu jeder IP, ein Profil und speichert zuvor besuchte Homepages. Je nach besuchten Seiten fällt die individualisierte Werbung aus. Wer also erst bei Ikea und Obi im Onlineshop gestöbert hat und dann bei Google nach einem Begriff sucht, wird in der rechten Spalte unter Garantie Werbung von Ikea, Obi und anderen Baumärkten und Einrichtungshäusern sehen. Dieses Prinzip nennt sich Retargeting.

Zehn Tipps zum besseren Googeln
Die Verwendung von Anführungszeichen: Durch das Einklammern der Suchbegriffe mit Anführungszeichen sucht Google ausschließlich nach den Begriffen, exakt so wie sie in der Klammer stehen. Suchen Sie beispielsweise nach "Hans Sinn" werden Seiten, die sich auf den Ökonom Hans Werner Sinn beziehen, nicht berücksichtigt. Quelle: dapd
Begriffe ausschließen oder einfügen: Durch die Verwendung des Plus- oder Minuszeichens können Sie die Suchanfrage eingrenzen, indem Sie Google zum Einschließen oder Auslassen bestimmter Begriffe zwingen. Sie können auch mehrere Begriffe gleichzeitig bei der Suche ausgrenzen oder einfügen. Die Suche nach Berlin -Hotels zeigt beispielsweise ausschließlich Suchanfrage zur Hauptstadt, die sich nicht auf Hotels beziehen. Quelle: dpa
Die Verwendung von Sternchen: Wenn Sie nach einem bestimmten Zitat suchen, dieses jedoch nicht komplett kennen, können Sie die Sternchen ihrer Tastatur als Platzhalter für den nicht bekannten Teil des Textes verwenden. Angenommen Sie suchen nach dem Gedicht "Die Glocke" von Friedrich Schiller und kennen lediglich eine Zeile. Schreiben Sie: Fest gemauert in der Erden*, geben Sie Google zu erkennen, dass der Text hinter dem Sternchen weitergeht. Ein Sternchen vor dem Text steht dementsprechend für einen fehlenden Bereich vor dem Anfang der bekannten Passage. Quelle: REUTERS
Die Suche nach Dateiformaten: Suchen Sie bei Google nach Informationen in bestimmen Dateiformaten, schreiben Sie in das Suchfenster lediglich filetype: und das entsprechende Format und schon schlägt Ihnen die Suchmaschine lediglich Ergebnisse in dieser Form vor. Geben Sie beispielsweise: Daimler Jahresbericht filetype:pdf ein, erhalten sie den Jahresbericht des Automobilkonzerns im pdf-Format. Quelle: REUTERS
Den Browser aufräumen: Google verdient Geld, durch den Verkauf von Anzeigen, die auch im Suchfenster auftauchen. Damit ihre Suchanfrage aufgrund des Besuchs anderer Websites nicht verfälscht wird, sollten Sie ihren Browser aufräumen und die Cookies löschen. Diese kleinen Dienstprogramme merken sich, auf welchen Seiten Sie unterwegs waren und geben das an die Suchmaschine weiter. Die Suchmaschine ordnet dann Ergebnisse, die ihren Interessen entsprechen weiter nach oben. In den meisten Browsern löschen Sie ihre Cookies durch einen einfachen Klick in den Browsereinstellungen. Quelle: dpa
Die Suche nach Tabellen: Mittels Googles neuer Funktion Tables können Sie einfach nach Tabellen und Statistiken suchen. Wollen Sie beispielsweise den weltweiten Wirtschaftswachstum wissen, geben Sie bei Tables lediglich Worldwide Growth ein, und schon erhalten Sie zahlreiche Tabellen zum weltweiten Wachstum. Quelle: dpa
Die erweiterte Suche: Über Googles erweitere Suche können Sie ihre Anfrage nach zahlreichen Parametern definieren. So können Sie angeben, dass die Ergebnisse nur von bestimmten Seiten stammen dürfen, wo der Suchbegriff auf der Website erscheinen darf oder aus welchen Land die Ergebnisse kommen dürfen. Quelle: dapd

Wer bei irgendeinem Google-Dienst angemeldet ist, während er Google nutzt, macht es der Suchmaschine noch einfacher, passende Werbung zu schalten. Schließlich bieten die zuletzt geschauten Youtube-Videos oder Schlagworte in den E-Mails auch Hinweise auf das Käuferverhalten. Und sie vergrößern das Datenpaket, das Google von jedem einzelnen schnürt und welches dann von einem Geheimdienst eingesehen werden kann.

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Das Problem bei all den nutzerfreundlicheren Anbietern ist, dass sich so schnell nicht auf Google & Co. verzichten lässt. Nach einer Studie von Comscore hält Google mit 13,3 Milliarden Suchanfragen im Monat einen Anteil von 66,5 Prozent am US-Markt. Es folgen Microsoft mit 3,5 Milliarden sowie Yahoo mit 2,4 Milliarden Anfragen. Diese Stücke vom Kuchen müssen erst einmal erobert werden. Auch der IT-Dienstleister Sellapp.de, der Unternehmen ein eigenes Werbeportal bietet, gesteht, dass gerade Unternehmen nicht vollständig auf die Big Player im Anzeigenmarkt verzichten können, da eine breite Präsenz besonders wichtig sei.

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