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Post-Messenger im Test SIMSme – gut gemeint, schlecht gemacht

Einen Tag nach dem Start von SIMSme, dem WhatsApp-Konkurrenten der Deutschen Post, häufen sich die Klagen der Nutzer über technische Probleme des neuen Dienstes. Wir haben uns die App genau angesehen.

Beim neuen Post-Messenger SIMSme gibt es noch einige Probleme. Quelle: dpa

Einen Tag nach dem Start von SIMSme, dem neuen Messaging-Dienst, mit dem die Deutsche Post Anbietern wie WhatsApp, Snapchat oder Threema Konkurrenz machen will, zeigt sich, dass das Angebot aus Bonn noch einige Tücken hat und – mindestens – mit Kinderkrankheiten laboriert.

Bei Tests in der Redaktion traten wiederholt Probleme in verschiedenen Nutzungsszenarien auf – von der Anmeldung zum Dienst über die Suche nach Kontakten bis zum Versand der eigentlichen Nachrichten. Dass das offenbar keine Einzelfälle sind, belegt ein Blick in die Kommentarseite von Online-Diensten wie Heise.de, Golem.de oder Google. Auch dort klagen Nutzer über zahlreiche Tücken der Technik, wie App-Abstürze, Zustellprobleme oder sonderbare Fehlermeldungen.

Snapchat bietet nun auch Chat-Funktion
Facebook-MessengerZwar kaufte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg den Messenger-Giganten WhatsApp, der mittlerweile eine Milliarde Nutzer hat. Trotzdem schafft es auch der Facebook-Messenger unter die beliebtesten Nachrichtendienste. Er hat mittlerweile 800.000 User und soll bald auch die Grenze von einer Milliarde knacken. Quelle: AP
SkypeSkype ist für fast alle Plattformen verfügbar und funktioniert sogar plattformübergreifend. Dabei kann der Anwender mit anderen nicht nur die Videochat-Option nutzen, sondern auch einfache Textnachrichten verschicken. Seit Mai 2011 gehört der Dienst zu Microsoft. Skype hat nach Schätzungen von Trefis.com weltweit etwa eine Milliarde Nutzer. Quelle: dpa
SnapchatDie App, die mit automatisch verschwindenden Fotos einen Trend auslöste, bietet künftig auch Textnachrichten und Videochats an. Getreu dem Snapchat-Grundprinzip verschwinden die ausgetauschten Nachrichten nach dem Ende der Konversation, wie die Entwickler im Blogeintrag " Putting the Chat into Snapchat" erläuterten. Über Snapchat wurden nach Angaben der Firma im Jahr 2014 mehr als 700 Millionen Bilder pro Tag geteilt. Die Fotos verschwinden wenige Sekunden, nachdem der Adressat sie geöffnet hat. Die Popularität des Dienstes lockte bereits Facebook an: Laut Medienberichten schlug Snapchat-Mitgründer und Chef Evan Spiegel ein drei Milliarden Dollar schweres Kaufangebot des weltgrößten Online-Netzwerks aus. Quelle: dpa
Threema Quelle: dpa
HoccerDer deutsche Messenger Hoccer ist Testsieger der Stiftung Warentest. Der Dienst verschlüsselt die Nachrichten, der Server des Start-ups steht in Deutschland. Die Nutzer müssen bei der Nutzung keine Daten über sich preisgeben. Im Herbst 2015 hatte Hoccer eine halbe Million aktive Nutzer. Quelle: Presse
Line Quelle: AP
TinderTinder zeigt an, wer sich gerade in der Nähe befindet und nutzt dabei alle Daten, die bei Facebook hinterlegt sind – auch auf die Freunde. So soll auch erreicht werden, dass vor allem Menschen gefunden werden, die gut zum Suchenden passen. 2015 nutzten zwei Millionen Deutsche die App. Quelle: Screenshot

Offenbar kam das System mit der hohen Anzahl von Zugriffen nicht zurecht. Beim Bonner Konzern freue man sich zwar über den Ansturm der Nutzer, erfuhr die WirtschaftsWoche aus gut informierten Kreisen. Gleichzeitig mussten die Techniker deswegen aber auch des Öfteren in das System eingreifen, um die technischen Fehler zu beheben.

Tatsächlich scheint das System alles andere als rund zu laufen. In Kommentaren berichten Nutzer, dass die Post schon am Abend nach dem Launch ein erstes Update für die App nachgeschoben habe. Auf eine Anfrage der WiWo erklärte die Post inzwischen unter anderem, es tue ihr "leid, dass Kunden Probleme mit der Installation/Anmeldung hatten. Wir haben unsere Server-Kapazitäten bereits kurzfristig verzehnfacht, um dem großen Nutzerinteresse gerecht zu werden.“ Im Google Play Store kündigt das Unternehmen zudem ein Update der App an: „Zusätzlich werden wir noch heute eine neue Version veröffentlichen, die allen Nutzern die Selbstzerstörungsfunktion dauerhaft kostenlos für die erste Million Kunden zur Verfügung stellt.“ Das scheint dringend erforderlich, denn auch im WirtschaftsWoche-Test klemmte es bei SIMSme gleich an mehreren Stellen:

Im Test sorgte die Kontakteübersicht und der Scan des Adressbuchs zuverlässig für Probleme und Abstürze der App. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Anmeldung: Vorausgesetzt, man schafft es im Anmeldeprozess überhaupt soweit, schickt die Post Nutzern einen sechsstelligen Bestätigungscode per SMS zu, um die Registrierung abschließen zu können. Tut man es nicht, scheint es aber auch egal zu sein. Die Anmeldung ist möglich, wenn man einfach nur den per SMS verschickten Link anklickt. Warum dann also ein Code? Viele Nutzer melden aber auch, dass es ihnen nicht einmal gelingt, soweit zu kommen. Schon die Eingabe des von der Post verlangten Passwortes für die App scheiterte bei ihnen.

Netzwerk: SIMSme will kurz nach der Anmeldung auf die Kontakte zugreifen, um weitere Nutzer zu finden, die SIMSme bereits installiert haben. Das, verspricht die Post, geschehe ausschließlich auf dem Gerät des Kunden. Kontaktdaten würden – anders als bei anderen Diensten wie etwa WhatsApp – nicht auf die Server der Post übertragen. So weit so sehr gut – wenn es denn stimmt, was der Nutzer aber nicht überprüfen kann. Doch der Scan des Adressbuchs, der angeblich nur ein paar Sekunden dauern sollte, dauerte im Test mehrere Minuten. So lange, dass das Handys schon fragte, ob es die angeblich nicht mehr reagierende App vielleicht schließen sollte.

Auch der Versand der Mitteilungen selbst funktioniert alles andere als reibungslos. Statt einer Sendebestätigung erscheint im Chatfenster der Hinweis

Kontakte: Auch im späteren Betrieb setzen sich die Probleme mit der Kontaktübersicht fort. So führt etwa der Versuch, bereits in der Kontaktliste aufgeführte andere SIMSme-Nutzer über die Suchfunktion zu finden, regelmäßig dazu, dass die App abstürzt. Nur bei der direkten Auswahl des Kontaktes aus der Liste bleibt die App stabil, und das Verfassen von Chatnachrichten bleibt zumindest möglich.

Nachrichten: Der Versand der Mitteilungen selbst aber funktioniert offenbar ebenfalls alles andere als reibungslos. Sowohl im WiWo-internen Test als auch bei vielen externen Nutzern erscheint statt einer Sendebestätigung im Chatfenster der Hinweis „Senden fehlgeschlagen“. Gleichwohl scheinen die Nachrichten recht zufällig trotzdem beim Adressaten anzukommen. Während nämlich noch beim Test Sendefehler beim Absender angezeigt wurden, trudelten die Nachrichten doch beim Empfänger im SIMSme-Postfach ein.

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