Post Office Softwarefehler soll Menschen ins Gefängnis gebracht haben

Seit Jahren beklagen kleine Ladenbesitzer, die für das britische Post Office arbeiten, dass die Software Horizon Computer System ein Minus in die Kasse rechnet. Nun wurde tatsächlich ein Softwarefehler gefunden.

Ein Softwarefehler soll kleine Ladenbesitzer, die für das britische Post Office arbeiten, ins Gefängnis gebracht haben. Quelle: Creative Commons-Lizenz

Ein Softwarefehler bei der britischen Post soll kleine Subunternehmer ins Gefängnis gebracht haben. Wie die BBC berichtet, mussten hundert kleine Ladenbesitzer vermeintliche Fehlbeträge in der Kasse persönlich ausgleichen oder wurden sogar als Betrüger verurteilt. Schuld sollen Fehler in der Software Horizon Computer System sein.

Wenn der Computer Millionen verzockt
Wegen technischer Probleme hat die Derivate-Börse Eurex den Handel am Montagmorgen vorübergehend gestoppt. "Die Aussetzung wurde durch eine fehlerhafte Zeit-Synchronisierung im System verursacht", teilte die Tochter der Deutschen Börse mit. Aus diesem Grund sei der Handel zwischen 08:20 und 09:20 Uhr (MESZ) angehalten und sämtliche Produkte auf den Stand vor Börseneröffnung zurückgesetzt worden. Dies ist die erste Unterbrechung an der Eurex seit dem 11. Oktober 2011. Damals hatten Probleme mit einem Großrechner den Handel mit Dax-Future, Bund-Future & Co. für mehrere Stunden zum Erliegen gebracht. Vergangene Woche hatte eine Panne die US-Technologiebörse Nasdaq drei Stunden komplett lahmgelegt. ´ Im Vergleich zum Vorjahr sind bei diesen Pannen aber immerhin keine Vermögen vernichtet worden... Quelle: Fotolia
440 Millionen in 45 MinutenNeu ist nicht immer besser. Die Börsenfirma Knight Capital verlor schnell die Freude an ihrer frisch installierten Software. In nur 45 Minuten bescherte die Software dem Börsenhändler einen Schaden von 440 Millionen US-Dollar. Das Programm kaufte und verkaufte fleißig verschiedene Aktien. Dabei kaufte der Computer zum Marktwert und verkaufte mit Rabatt. Pro Trade gingen zwar nur einige Cents verloren, doch der Computer war so schnell, dass bis zum Beheben des Fehlers 440 Millionen Dollar weg waren. Nur eine 400 Millionen Dollar schwere Finanzspritze einer Gruppe von Investoren sicherte letztlich das Überleben der Börsenfirma. Zur Umfrage: Das Software-Beratungsunternehmen SQS fragte die eigenen Berater nach den größten Software-Pannen 2012 und veröffentlichte die Ergebnisse. Quelle: AP
Der RohrkrepiererDas Börsenunternehmen Bats blamierte sich 2012 selbst. Beim Börsengang floppte die handelseigene Software des Börsenbetreibers und konnte nicht einmal den Kurs der eigenen Aktie anzeigen. Nach einer Serie von technischen Pannen musste die drittgrößte US-Börse Bats Global Markets schließlich die Notbremse ziehen und sich am Tag ihres Marktdebüts wieder aus dem Handel verabschieden. Die Aktie stürzte vom Ausgabepreis von 16 Dollar auf weniger als einen Penny ab. Quelle: AP
Größter Börsengang des Jahres wird größter FloppDer Börsengang des sozialen Netzwerks Facebook war das Thema an der Börse 2012. Doch der Börsengang floppte. Nicht nur weil sich der Wert die Aktie innerhalb weniger Tage halbierte, sondern auch weil die Nasdaq Probleme beim ersten Kurs der Aktie hatte. Die Anzeige des ersten Kurses verzögerte sich um mehrere Minuten. Dabei gingen wohl viele Orders einfach im Nichts verloren. Die Panne betraf laut SQS nicht weniger als 30 Millionen Aktien. Quelle: dpa
Peinliche Panne bei MicrosoftDer Cloud-Computing-Dienst „Azure“ von Microsoft hatte den 29.Februar schlicht und einfach vergessen. Der Dienst, der alle Daten von überall erreichbar machen soll, war zwölf Stunden lang nicht erreichbar. Microsoft entschuldigte sich für den Fehler, bei dem laut Microsoft keine Daten verloren gingen. Wegen des zusätzlichen 29. Februar kam auch ein Bezahlsystem der australischen Krankenversicherungen zwei Tage lang zum Erliegen. 150.00 Patienten konnten die Bezahlfunktion ihrer Versichertenkarte nicht nutzen. Quelle: dpa
Kündigungsgebühren aus dem NichtsEin deutscher Energieversorger kassierte bei seinen Kunden zu Unrecht ab. Eine Software hatte nämlich bei 94.000 Kunden Kündigungsgebühren angerechnet, obwohl keine angefallen waren. Das Energieunternehmen musste insgesamt 1,7 Millionen Euro zurückzahlen. Quelle: dpa
US-Regierung mit teurem UpdateTeuer ist nicht gleich gut. Ein Update der Steuer-Software der USA, das 1,3 Milliarden Dollar gekostet hatte, brachte den Steuerbeamten jede Menge Sorgenfalten. Insbesondere bei der Steuererstattung machte die Software Ärger. 85 Prozent aller Erstattungen kamen zu spät an. Quelle: AP

Laut dem Bericht hat eine unabhängige Untersuchung den Fehler in der Post-Office-Software gefunden. Im vergangenen Jahr überprüfte Second Sight im Auftrag von Post Office die Vorwürfe der Lizenznehmer. Die Kernsoftware sei in Ordnung, so das Ergebnis des Zwischenberichtes. Aber jeweils im Jahr 2011 und 2012 wurden bei 76 Subunternehmen jeweils bis zu 9.000 Britische Pfund minus in der Kasse ausgewiesen. Doch die Beträge wurden den Post-Office-Partnern nicht angelastet. Dennoch wollten über hundert Betroffene das Post Office nun verklagen, so BBC. Second Sight will die Untersuchung fortsetzen.

Das Unternehmen hat 11.500 Subunternehmer. Jo Hamilton, die Postdienste in ihrem Dorfladen in South Warnborough, Hampshire, angeboten hatte, sagte BBC News, dass die Probleme für sie im Jahr 2005 begonnen hätten. "Ich hatte Ende der Woche 2.000 Britische Pfund zu wenig in der Kasse, und ich rief den Helpdesk an und die sagten mir verschiedene Dinge, die ich tun sollte, und dann sagte die Software, dass ich 4.000 Britische Pfund zu wenig hatte." Laut ihrem Vertrag sei sie gezwungen gewesen, dies persönlich auszugleichen. Während sie die Rückzahlung leistete, wuchs ihr Minus laut Software auf 9.000 Britische Pfund.

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Als ihr Minus bei 36.000 Britischen Pfund gelegen habe, habe sie begonnen, bei der Abrechnung mit dem Post Office zu lügen. Später musste sie auf schuldig wegen Buchhaltungsbetrug plädieren. Seitdem zahlt sie das Geld zurück.

Post-Office-Chefin Paula Vennells sagte der BBC, dass die Software zuverlässig arbeite. Sie gab einer mangelhaften Ausbildung der Betroffenen die Schuld.

Dieser Artikel ist zuerst auf golem.de erschienen.

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