Precision Farming Der "smarte Landwirt" ist weltweit im Kommen

Technologien aus dem Bereich "Precision Farming" ermöglichen eine effizientere Bewirtschaftung von Feldern und halten deshalb immer stärker Einzug auf den Höfen. Eine Studie zeigt, der Markt dafür ist weltweit groß.

Autonome Erntehelfer
Eine landwirtschaftliche Maschine auf einem Feld Quelle: Claas
Traktoren mit Lenksystem Quelle: Claas
Agrobot, mechanischer Erntehelfer Quelle: Agrobot
Feldroboter Quelle: David Dorhout
Ein Flugroboter wird über einem Feld fliegen gelassen Quelle: dpa
Satellitenbild Quelle: NASA astronauts
Ein Landwirt ruft Daten in einem Traktor ab Quelle: Claas

Wenn der Mähdrescher sich alleine in parallelen Bahnen über das Feld lenkt, dann spricht man von Hightech auf dem Bauernhof. Wenn dann noch die genaue Ausmessung des Felds und die systematische Überprüfung der Bodenbeschaffenheit und die Informationen zum richtigen Zeitpunkt zur Aussaat hinzukommen, dann ist die Rede von "Precision Farming".

Experten sprechen von "Precision Farming", wenn es um Effizienz in der Landwirtschaft geht: Ob beim Benzin, beim Düngen oder Säen – dank moderner Technik können sämtliche Ressourcen genau berechnet werden. Die Verschwendung wird auf ein Minimum reduziert. „Wir müssen in der Landwirtschaft den wissenschaftlichen und technischen Fortschritt nutzen“, erklärt Kreislandwirt Matthias Mehl. „Die Technik hilft dabei, effizienter zu arbeiten. Am Ende geht es viel um Kosten und Produktivität.“

Vorteile der Lenksysteme für Landmaschinen

GPS-Überwachung, Satelliten-Bilderauswertungen und Vorjahresergebnisse geben dem Landwirt genau die Infos an die Hand, die er braucht, um die perfekten Abläufe zu berechnen. Jene, die am meisten Ertrag bringen und am wenigsten kosten.

Noch ist das vielerorts Zukunftsmusik, aber den meisten Landwirten sind die modernen Optionen für die eigene Feldarbeit nicht mehr unbekannt. In einer neuen Studie "Business opportunities in Precision Farming" analysierten Experten der Beratungsagentur Roland Berger den weltweiten Markt für den Präzisionsackerbau, die Entwicklung zugehöriger Technologien bis 2030 und ihre Auswirkungen auf traditionelle und neue Marktteilnehmer.

Die schlaueste Technik erntet die dicksten Kartoffeln
Mit der Feldarbeit von früher hat die moderne Landwirtschaft nur noch wenig zu tun, wie dieses Werbeplakat von Claas zeigt. Dank High Tech werden die Bauern immer produktiver – auch wenn Wetterglück für eine gute Ernte immer noch dazu gehört. Quelle: dpa
Vorreiter aus Ostwestfalen: Die Firma Claas aus Harsewinkel baut seit 100 Jahren Landmaschinen. Auf der Agritechnica dürften die Produkte so manches Agrarökonomen-Herz höher schlagen lassen – im Bild der Mähdrescher Tucano 420, dessen Tank 7500 Liter Korn fasst. Quelle: dpa
Wer selten fährt, kommt aus der Übung. Deswegen hat Claas einen Online-Simulator für Mähdrescher entwickelt. Das Programm hilft bei der Ausbildung wie auch bei Schulungen zwischendurch. Quelle: Claas
Der Online-Simulator bildet die Bedienelemente detailgetreu nach – gesteuert wird mit der Maus. Programmversionen für weitere Geräte will Claas später veröffentlichen. Quelle: Claas
Seltener Anblick: Der italienische Hersteller Merlo hat ein Fahrzeug mit Plug-in-Hybrid entwickelt – in der Landwirtschaft eine Ausnahme. Der Teleskoplader kann in Innenräumen leise und abgasfrei arbeiten, hat aber auch einen Dieselmotor für Außeneinsätze. Quelle: Merlo
Wenn der Boden steinig ist, soll dieses Gerät vom niedersächsischen Hersteller Grimme helfen: Das AirSep trennt Steine und Erdbrocken von den Kartoffeln. Die Feldfrüchte werden mit einem Luftstrom in der Schwebe gehalten, das schwere Erdreich fällt herunter. Das Beimengentrenngerät – so der technische Begriff – bewältigt 60 Tonne pro Stunde. Quelle: Grimme
Wie viel Dünger muss auf den Acker? Schlaue Technologie der badischen Firma Rauch ermittelt das mit Hilfe von Sensoren. Der Düngerstreuer wirft dann automatisch die richtige Menge Nährstoffe ab. Damit verschwendet der Bauer keinen Dünger, wovon sein Konto wie auch die Umwelt profitieren. Quelle: Rauch

Das Ergebnis: "Der Präzisionsackerbau verbindet zahlreiche Technologieanwendungen in verschiedenen Stadien der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette: von der Automationstechnologie über Sensoren für das Geo-Mapping bis hin zur Big Data-Analyse, um Klima- und Bodendaten besser zu bewerten und die Landwirtschaft effizienter zu gestalten", erklärt Norbert Dressler, Partner von Roland Berger Strategy Consultants. "All diese Applikationsfelder werden in den kommenden Jahren ein starkes Wachstum erleben und damit auch neue, bisher in der Landwirtschaft unbekannte Marktteilnehmer etwa aus dem IT- und Investorensektor, anlocken. Unternehmen sollten deshalb ihre Geschäftsmodelle den Marktentwicklungen anpassen, um in Zukunft von den erheblichen Chancen dieser Industrie zu profitieren."

Der globale Markt für die präzise, hochtechnologische Farmarbeit erreichte Ende 2014 ein Volumen von 2,3 Milliarden Euro - Tendenz weiterhin steigend. Deshalb erwarten die Studienmacher, dass der Markt für intelligente Applikationen für die Landwirtschaft bis 2020 jährlich um durchschnittlich 12 Prozent zunehmen wird. Damit käme der "Precision Farming"-Markt auf ein in deutlich stärkeres Wachstum als der für die klassischen, landwirtschaftlichen Geräten, deren Marktwachstum auf nur rund vier Prozent jährlich geschätzt wird.

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Die primären Zielmärkte sind dabei Nordamerika und Europa - die technologisch hochentwickelten Länder bieten die Vorbedingungen für die Nutzung der Systeme und dort dürfte die Nachfrage schnell größer werden - denn schneller, besser und günstiger ist reizvoll. Trotzdem sehen die Studienmacher das stärkere Wachstum woanders: "Besonders stark wachsen werden aber Länder wie Asien oder Südamerika", prognostiziert Roland Berger-Partner Sebastian Gundermann. Dorte fehle es zwar bislang an technischer Ausstattung und geschultem Personal, trotzdem erwarte man in Zukunft Wachstumsraten von mehr als 20 Prozent.

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