Privatsphäre Facebook will Nutzerabstimmung kippen

Immer wieder ist Facebook wegen seiner Datenschutz-Regeln in die Kritik geraten. Dann führte das Online-Netzwerk eine Abstimmung ein, die es jetzt wieder abschaffen will. Zwei Änderungen stehen aber noch zur Wahl.

Facebooks schrägste Bestimmungen
Öffentliche DatenProfilbild, Titelbild, Geschlecht, Nutzername und Nutzerkennung sind immer öffentlich, dagegen können die Nutzer auch nicht widersprechen. „Im Allgemeinen solltest du annehmen, dass Informationen öffentlich sind, wenn du kein „Teilen“-Symbol siehst“, so die Datenschutzbestimmungen. Wer zum Beispiel in einem geschützten Kreis den Status eines Freundes kommentiert, hat keinen Einfluss darauf, ob der Freund die Kommentare nachträglich öffentlich macht oder nicht. Im scheinbar geschützten Kreis über den Arbeitgeber lästern kann im Nachhinein also doch noch öffentlich werden – und damit zu einer fristlosen Kündigung führen. Quelle: dapd
GPS-DatenDie Ortungs-Daten, die bei Smartphones gesammelt werden können, speichert Facebook so lange, wie es ihnen nützt. Facebook argumentiert damit, dem Nutzer Dienstleistungen auf Grundlage der GPS-Daten anbieten zu können. Wie lange es Facebook nützt, über die GPS-Daten zu verfügen, wird nicht geklärt. Das kann auch ewig sein. Quelle: dapd
a grounds keeper mowing the lawn in front of Facebook's new Corporate Headquarters in Menlo Park Quelle: dpa
a child looks at a laptop displaying Facebook logos Quelle: dapd
AppsFacebook weiß nicht, welche Daten Apps von Drittanbietern über die Nutzer sammeln. Diese Apps müssten eigene Allgemeine Geschäftsbedingungen veröffentlichen und darin klären, was mit den Daten passiert. Das ist aber oft nicht der Fall. Wer seine Daten dort löschen will, soll laut Facebook „die Anwendung kontaktieren“ und sie bitten, die Informationen zu löschen. „Installierte Anwendungen kannst du jederzeit entfernen, indem du deine Anwendungseinstellungen bei folgender Seite verwendest: https://www.facebook.com/settings/?tab=applications. Aber denke daran, dass die Anwendungen gegebenenfalls weiterhin Zugriff auf deine Daten haben können, wenn die Personen, mit denen du teilst, sie ebenfalls verwenden." Quelle: dapd
An unidentified 11-year-old girl points out the birth date she input to use Facebook at her home in Palo Alto Quelle: dapd
Facebook's headquarters behind flowers in Menlo Park Quelle: dapd

Facebook will nach geringer Beteiligung die Mitglieder-Abstimmungen über wichtige Regeländerungen abschaffen. Stattdessen solle es unter anderem mehr Gelegenheiten geben, direkt Fragen an die Verantwortlichen für Datenschutz zu stellen, kündigte das weltgrößte Online-Netzwerk am Mittwoch an.

Die vergangene Abstimmung über Änderungen der Regeln für Nutzung und Datenschutz war in diesem Jahr zur Farce geraten. Die Beteiligung lag mit 350 000 Nutzern bei nur 0,04 Prozent statt der erforderlichen 30 Prozent aller Mitglieder. Facebook schrieb am Mittwoch in seinem Firmenblog, das derzeitige System habe Quantität der Beiträge vor Qualität gestellt.

Mit inzwischen mehr als einer Milliarde aktiver Nutzer ist es praktisch unmöglich geworden, die Marke von 30 Prozent zu erreichen. Künftig soll es statt einer Abstimmung weitere Möglichkeiten für Kommentare geben.

Das US-Unternehmen teilte mit, weiterhin im Voraus über "signifikante Änderungen" bei den Einstellungen zur Privatsphäre und anderen Fragen des Datenschutzes zu informieren. Die Nutzer sollen dann sieben Tage Zeit zum kommentieren haben. Man werde die Reaktionen berücksichtigen, bevor die Änderungen in Kraft treten, schrieb Elliot Schrage, Facebooks für Öffentlichkeitsarbeit verantwortliche Vizepräsident.

Die Facebook-Nutzer bekommen jetzt Zeit bis zum 28. November, die Vorschläge zu kommentieren. Bisher lösen 7000 Kommentare zu Änderungsvorschlägen automatisch eine Abstimmung aus. Damit könnte es diesmal eine Abstimmung über die Abschaffung der Abstimmung geben.

Allerdings dürfte es an ihrem Ausgang angesichts der hohen Beteiligungs-Hürde kaum Zweifel geben. Nehmen an einer Abstimmung weniger als 30 Prozent der Mitglieder teil, setzt Facebook nach der bisherigen Regelung die Änderungen einfach in Kraft.

Unter anderem deutsche Datenschützer hatten das Verfahren angesichts der hohen Beteiligungshürde scharf kritisiert. Zudem warfen sie Facebook vor, die Mitglieder nicht ausreichend über die Abstimmung informiert zu haben. Das Online-Netzwerk, Facebook, das immer wieder von Datenschützern kritisiert wird, nannte die Abstimmungen oft als Beispiel für die Möglichkeiten der Nutzer, die Regeln mitzugestalten. Jetzt soll es unter anderem regelmäßige Live-Schaltungen mit der für Datenschutz zuständigen Managerin Erin Egan geben.

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