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Projekt Starlink SpaceX rollt riesige Satelliten-Flotte aus

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Technische Hürden

OneWeb hat dazu bereits eine Serienfertigung für Satelliten in Florida aufgezogen. Statt hunderte Millionen soll ein Satellit nur noch gut eine Millionen Dollar kosten – Massenfertigung und moderne Kommunikationstechnik sei Dank. Drei Milliarden Dollar hat OneWeb dazu eingesammelt, unter anderem vom japanischen Tech-Konzern Softbank.

In den Startlöchern steckt aber offenbar auch Amazon: Der Konzern plant, wie im April bekannt wurde, eine Konstellation aus 3236 Satelliten. Schon im vergangenen Herbst war bekannt geworden, dass Amazon mit seinen Cloud-Datenzentren auch in das Geschäft mit Bodenstationen für Satellitendaten einsteigt. Und Gründer Jeff Bezos schießt jährlich eine Milliarde Dollar in sein Raketen-Start-up Blue Origin – das also genug Kapital hätte, um die Amazon-Flotte ins All zu schießen.

Der Markt für das Internet aus dem All ist also schon umkämpft, bevor er überhaupt abhebt. Dabei ist noch längst nicht klar, wie viele Nutzer sich für das Angebot interessieren werden. Eine der wichtigsten Kundengruppe dürften Fluglinien sein: Bis 2027, schätzen die Marktforscher von Euroconsult, werden 23.000 kommerzielle Flugzeuge einen Internet-Anschluss haben. Jährliches Geschäft für SpaceX und Co.: 8,7 Milliarden Dollar.

Ein vielleicht noch größerer Kunde könnten Börsenhändler sein. Sie zahlen heute schon Millionensummen für besonders schnelle Internetverbindungen, um auf den blitzschnellen elektronischen Handelsmärkten wertvolle Millisekunden an Vorsprung zu gewinnen. Im All sind Lichtsignale rund 50 Prozent schneller unterwegs als in Glasfaserkabeln. Wenn SpaceX die Wall Street, Tokyo, Frankfurt und Co. schneller als jeder andere untereinander verbindet, könnte das ein Milliardengeschäft sein.

Aber auch vernetzte Maschinen, Sensoren in Industrieanlagen, selbstfahrende Autos oder Schiffe könnten künftig vom Draht ins All profitieren.
Um ganze Großstädte weltweit zu versorgen, reicht die Kapazität des Netzwerks zwar nicht aus. 1 Terabit pro Sekunde sollen 60 Satelliten zusammen bereitstellen - das entspricht dem Download von etwa 26 DVDs pro Sekunde. Viel, aber nicht genug, um Millionen Menschen mit Netflix-Streaming zu versorgen. Auf dem Land könnte das schnelle Netz aus dem Erdorbit aber für ausgewählte Kunden ein interessantes Angebot sein.

Eine technische Hürde muss Elon Musk dazu allerdings noch überwinden: Billige und zuverlässige Antennen sind nötig, um die Funksignale aus dem Himmel zu empfangen. Bisher setzte die Industrie auf große, teilweise bewegliche Satellitenschüsseln. Doch die sind teuer und wartungsintensiv.
Darum setzt SpaceX auf so genannte Phased-Array-Geräte: Flache Antennen von der Größe eines Schneidebretts in der Küche. Sie kommen ohne bewegliche Teile aus – und können trotzdem, wenn ein Satellit hinter dem Horizont verschwindet, zum nächsten umschalten. Start-ups wie Kymeta arbeiten an solchen Geräten. Noch sind die aber nicht marktreif und gelten ebenfalls als teuer. Anbieter wie OneWeb ließen zuletzt durchblicken, ihnen sei ein Durchbruch bei der Technik gelungen.

Nur fünf Jahre sollen die Space-X-Satelliten halten, dann sollen sie durch neue Technik ersetzt werden. Beobachter warnen schon davor, dass ausgediente oder defekte Satelliten zur Gefahr für die Raumfahrt werden könnten – schon Teile von wenigen Zentimetern Größe können bei einer Kollision Schäden anrichten wie Handgranaten.

Ob SpaceX diese Probleme lösen kann, muss sich zeigen. Und auch, ob die Mega-Konstellation wirklich Geld einspielen wird – oder ob die Satelliten bald schon nach und nach in der Erdatmosphäre verglühen und Geld verbrennen.

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