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Rivalität mit Google Apples Suchmaschine könnte ein Erfolg werden – unter dieser Bedingung

Eine eigene Suchmaschine könnte Apples Profil als Hüter der Privatsphäre weiter schärfen. Quelle: REUTERS

Apple arbeitet offenbar an einer eigenen Internetsuche. Anders als die mäßig erfolgreichen Versuche beim eigenen Kartendienst könnte das funktionieren – wenn Apple den Mut für einen entscheidenden Zukauf aufbringt. Ein Kommentar.

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Es mehren sich die Indizien, dass der kalifornische Computerbauer Apple an einer eigenen Suchmaschine arbeitet. Schon 2018 engagierte der Konzern den Google-Such-Guru John Giannandrea. Auch soll es laut „Financial Times" zuletzt immer wieder Stellenausschreibungen gegeben haben, mit denen Apple Such-Experten anzuheuern versucht. Und Internetnutzer registrieren eine gesteigerte Aktivität des sogenannten Apple-Bots, eines Algorithmus', der das Web nach Websitedaten durchstöbert. So kann der Konzern  auf dem iPhone bereits eigene Suchergebnisse und Links anzeigen, wenn der Nutzer die Suche auf dem Home-Screen benutzt.

Dass Apple schon in den nächsten Monaten mit einer vollwertigen Suchmaschine aufwartet, die es mit der Suchgenauigkeit von Google aufnehmen kann, ist zwar nicht zu erwarten. Dazu ist der Intelligenz-Vorsprung des Suchgiganten zu gewaltig. Langfristig aber hätte die Apple-Suchmaschine gute Chancen, viele Kunden zu gewinnen. Der Schlüssel dafür liegt im konsequenten Schutz der Privatsphäre, mit dem sich der Konzern in den letzten Jahren profiliert hat –  und dabei in den USA auch Konflikte mit dem FBI und anderen Sicherheitsbehörden nicht scheute.

Dass dieser Schutz den Kunden immer wichtiger wird, zeigt sich auch auf dem Feld der Suchmaschinen immer deutlicher, wie das seit Jahren starke Wachstum der kleinen Suchmaschine DuckDuckGo belegt. Die hat den absoluten Schutz der Privatsphäre zum zentralen Verkaufsargument gemacht. Seit August 2018 haben sich die täglichen Suchanfragen hier von 24,1 Millionen auf mehr als 63 Millionen fast verdreifacht.

DuckDuckGo wäre dabei auch eine Vorlage, wie eine zukünftige Apple-Suchmaschine aufgebaut sein könnte. Das Unternehmen aus dem US-Bundesstaat Pennsylvania nutzt nämlich nicht nur die Websitedaten, die der eigene Bot im Internet findet. Es bedient sich auch mehr als 400 anderer Suchmaschinen und Quellen, darunter Microsofts Suchangebot Bing, Yahoo und dem russischen Google-Konkurrenten Yandex.

Übernahme möglich. 

Eine naheliegende Frage lautet daher: Warum verleibt sich Apple nicht einfach DuckDuckGo ein? Die Suchmaschine, die zurzeit mit einem Wert von knapp unter einer Milliarde Dollar bewertet ist, wäre selbst bei einem saftigen Aufschlag noch ein Schnäppchen für den Großkonzern Apple mit seinen legendären Cash-Reserven. Zudem gibt es zwischen beiden Unternehmen bereits seit einer Weile Geschäftsbeziehungen. Apple bietet DuckDuckGo als alternative Suche im Safari-Browser an. DuckDuckGo seinerseits verabschiedete sich im eigenen Navigationsangebot von Google Maps, greift seit etwa einem Jahr statt dessen auf Apple Maps zurück.


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Zudem wäre ein solcher Kauf als Initialzündung für den Aufbau eines eigenen Dienstes auch für Apple nicht neu. Um den eigenen Musikstreaming-Dienst Apple Music aufzuziehen, kaufte sich Apple 2014 Beats Music. Inzwischen bringt es Apple hier auf 18 Prozent Marktanteil und nähert sich damit dem ursprünglichen Platzhirsch Spotify, der 32 Prozent Marktanteil hat, immer weiter an. Und auch hinter dem Sprachassistenten Siri steckte ursprünglich ein Start-up, das Apple gekauft hatte.

Ein weiteres Argument für die Apple-eigene Suchmaschine ist die wachsende Kritik an Google. Der Vorwurf: Die personalisierten Suchergebnisse würden zur politischen Polarisierung beitragen. Hier könnte Apple ein Angebot bewusst so aufbauen, dass es solche „Filter Bubbles“ verhindert. Ein solch tiefer Eingriff in die DNA der Suche wäre bei einem neuen Produkt deutlich einfacher umzusetzen als bei einem, das inzwischen mehr als zwei Jahrzehnte existiert. Erst recht, wenn die Basistechnologie wie im Falle von DuckDuckGo ganz ohne Personalisierung funktioniert. 

Mehr zum Thema: Gerät Facebook nach der US-Klage gegen Google ebenfalls ins Visier der Wettbewerbshüter?

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