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Roboter Menn oder Maschine

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Das Roboter-Auto kennt keine Angst

Die Audi-Ingenieure machen Bobby startklar – so nennen sie ihr Roboter-Auto hier, vielleicht weil das so menschlich klingt. Dann drückt einer den roten Knopf der Fernbedienung. Das Sportcoupé schießt los. Schon die erste Doppelkurve nimmt es mit aggressivem Tempo, steuert hart rechts, hart links. Rast auf die nächste Biegung zu, erst im letzten Moment leuchten die Bremslichter auf. Bobby kennt keine Angst, keinen flauen Magen. „Das Auto fährt ganz nah am Limit“, erklärt mir am Streckenrand Thomas Müller, der bei Audi die Abteilung Fahrerassistenzsysteme leitet.

Als das Auto auf die Zielgeraden rast, ahne ich, dass ich nicht gewinnen kann. 2:20 Minuten zeigt die Stoppuhr. Ich war eineinhalb Sekunden langsamer. Auf der Rennstrecke siegt die Maschine, es steht 1:0.

Selbstfahrende Autos sind nie betrunken

Für Autoguru Templeton ist es längst ausgemacht, dass die Technik bald Abertausende Autofahrer ersetzen wird. Googles Gefährte sind unfallfrei knapp 1,9 Millionen Kilometer gefahren, in fünf Jahren sollen sie in Massen auf die Straßen ausschwärmen. Das Eno Center for Transportation in den USA hofft gar auf eine halbe Million weniger Verkehrstote, weil computergesteuerte Autos kaum Unfälle bauen. Sie sind nie alkoholisiert, verschlafen oder abgelenkt.

Welche Assistenzsysteme es schon gibt und wann Roboter das Steuer komplett übernehmen

Ist es also sogar gut, wenn ich gegen die Roboter verliere? Das geht mir durch den Kopf, als ich zu meinem nächsten Duell aufbreche. Es findet auf einem ganz anderen Feld statt: in der Gastronomie. Auch in der Küche steht die Automatisierung an. Maschinen können Essen schneller, preiswerter, steriler zubereiten als Menschen, behaupten Start-ups wie Momentum Machines aus den USA. Deren Roboter richten vollautomatisch 360 Hamburger pro Stunde an. Schon prophezeien Forscher der Universität Oxford, dass viele Fast-Food-Jobs in den nächsten 20 Jahren an Roboter gehen. Aber beherrschen Roboter auch die Feinheiten? Das Abstimmen von Zutaten, das Timing von Garzeiten, das kreative Verfeinern simpler Grundzutaten – alles, was den guten Geschmack bestimmt?

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    Auf dem Kreuzfahrtschiff mixt ein Stahlarm Drinks

    Makr Shakr heißt mein Gegner in der Gastronomie, er ist Barkeeper auf der Anthem of the Seas, dem drittgrößten Kreuzfahrtschiff der Welt. Ein Roboter, der Cocktails mixt wie am Fließband. Makr Shakr besteht aus zwei Roboter-Armen, gebaut vom deutschen Hersteller Kuka. Per Tablet-Computer bestellen die Gäste ihren Wunschdrink, und schon legt der Roboter los: Holt sich Eis und Säfte aus Spendern an der Rückwand der Bar, tankt Rum, Wodka, Gin aus 170 Flaschen, die von der Decke herabhängen.

    Redakteur Andreas Menn mixt Cocktails Quelle: Patrick Schuch für WirtschaftsWoche

    Heute stehen Caipiroshka, Cosmopolitan und Sex on the Beach auf dem Plan. Ich ziehe mir Fliege und Weste an – gute Cocktails erfordern guten Stil – und gehe an einer Bar auf dem Sonnendeck ans Werk.

    Matthias Althoff, Professor und Roboter-Experte an der TU München, ist sich sicher: „Der Roboter gewinnt!“ Denn er mischt die Getränke so, wie sie statistisch die meisten Menschen mögen. Fabio Rizzuto, Chefbarkeeper im Londoner Trend-Restaurant The Jones Family Project, widerspricht: Ein Mensch werde immer ein besserer Barkeeper sein als eine Maschine. Schließlich könne ich, anders als der Roboter, meine Cocktails abschmecken und Fehler korrigieren.

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