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Schutz-App fürs Smartphone Lookout ist ein gigantisches Frühwarnsystem

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"PCs verlieren an Relevanz"

Große Töne. Immerhin bringt es Branchenprimus Symantec auf 6,6 Milliarden Dollar Jahresumsatz, bei 20.000 Mitarbeitern und einem Börsenwert von 18 Milliarden Dollar. Den Umsatz von Lookout schätzen Analysten auf 150 Millionen Dollar. Hering, der seine App als Basisversion gratis anbietet, erzielt ihn mit Endkunden, die für zusätzlichen Schutz extra bezahlen. Und mit Lizenzgebühren von Telefongesellschaften, die das Programm vorinstallieren; wie etwa die Deutsche Telekom, der französische Mobilfunker Orange und der US-Telefonriese Sprint.

Während Branchenriesen wie Symantec und McAfee – aus der PC-Welt stammend – sich noch immer auf das traditionelle Geschäft konzentrieren, geht Hering einen radikal anderen Weg. „PCs verlieren an Relevanz“, sagt er. „Wir fokussieren uns ausschließlich auf mobile Geräte.“ Auch Timotheus Höttges, Chef der Deutschen Telekom, sieht einen wachsenden Markt für mobile Sicherheit. „Daher haben wir uns an Lookout beteiligt“, sagt er. Sein Konzern ist seit Herbst 2013 strategischer Investor. „Unter den Telekom-Chefs versteht Tim die dynamische Start-up-Branche am besten“, lobt Hering Höttges. Sie trafen sich mehrmals in Deutschland und jüngst in Kalifornien.

Mobilfunker nahmen Hacker nicht ernst genug

Auf Augenhöhe mit Großkonzernen – danach sah es 2007 nicht aus, als Hering mit Kevin Mahaffey und James Burgess in Los Angeles das Start-up gründete. Die drei studierten an der Universität von Südkalifornien: Hering Städteplanung, Mahaffey Elektrotechnik und Burgess Sozialwissenschaften. Sie einte, glühende Hacker zu sein. „Oder besser: Computersicherheits-Forscher“, korrigiert Hering schmunzelnd.

So enttarnen Sie Schnüffler auf dem Handy
Vor dem Download: Kommentare lesen und Rechte hinterfragenWenn eine App mehr wissen will, als sie sollte, finden sich darüber recht schnell Kommentare im Appstore. Außerdem sollte sich jeder Nutzer vor dem Download fragen, ob ein einfaches Programm wie eine Taschenlampen-App wirklich auch die Positionsdaten per GPS erfassen muss – oder ob es ihr nicht nur darum geht, Daten zu sammeln und weiter zu reichen. Quelle: dpa
Auf die IMEI-Nummer achtenDank der International-Mobile-Equipment-Identity-Nummer (IMEI-Nummer) lässt sich der Handybesitzer über den Provider eindeutig zuordnen. Dann können die neugierige Apps zu den gesammelten Daten auch die Identität dahinter zuordnen. Bei Android heißt das Rech,t die IMEI-Nummer herauszufinden "Telefonstatuts lesen und identifizieren". Quelle: REUTERS
Clueful Privacy AdvisorDownload oder kein Download? Bei dieser Frage hilft die App Clueful Privacy Advisor. Dank einer Online-Datenbank, auf die sie zugreift, gibt sie darüber Auskunft, von welchen Apps ein niedriges, moderates oder hohes Risiko für die Privatsphäre ausgeht. Quelle: Screenshot
RedPhoneDie NSA überwacht außer dem Internet, auch Telefonate. Wer nicht will, dass jemand mithört kann mit der App RedPhone abhörsichere Internettelefonate zwischen Android-Handys führen. Quelle: Screenshot
SilentPhoneAußer Telefonaten verschlüsselt SilentPhone auch Textnachrichten und Mails. Quelle: Screenshot
Ad Network Scanner & DetectorViele App-Betreiber sind Mitglied in sogenannten Werbenetzwerken, die das Nutzungsverhalten erfassen. Der Ad Network Scanner & Detector untersucht Apps auf Komponenten von 35 Werbenetzwerken. Nach dem Scan listet die App die aktiven Werbenetze mit Informationen dazu auf, wie die Netze funktionieren und welche Daten sie sammeln. Der Vorteil: Das Programm entdeckt nicht nur Schnüffel-Apps, sondern bietet mit der Opt-Out-Funktion auch an, das Datensammeln einer App für Werbezwecke abzustellen. Quelle: Screenshot
tPacketCaptureDie App schneidet den Datenverkehr von Apps mit und wertet ihn aus. So testet sie, welche Programme auf dem Smartphone besonders neugierig sind. Quelle: Screenshot

Schon zwei Jahre zuvor hatten sie für Aufsehen gesorgt, als sie Nokia vorführten. Die Finnen dominierten noch die Handybranche. Hering & Co. wollten ihnen demonstrieren, wie leicht sich per Bluetooth-Funk auf deren Geräten Infos abschöpfen ließen. Doch die Manager des Branchenriesen nahmen sie nicht ernst. Das änderte sich schlagartig, als die drei am Rande der Oscar-Preisverleihung die Handys von Prominenten anzapften und die Sicherheitslücke publikumswirksam offenbarten.

Lookouts kometenhafter Aufstieg

„Im Rückblick sicherlich radikal, aber wirkungsvoll und nötig“, meint Hering. „Damals war den meisten nicht bewusst, wie sensibel die Informationen auf ihren Mobiltelefonen sind. Heute ist das anders.“

Ihr Gründer-Instinkt war geweckt – im nahezu perfekten Augenblick. Denn Apple brachte das iPhone auf den Markt, Google konterte mit Android. Beide schufen so den Markt für Smartphones. Parallel zu dem wächst Lookout. Wenn auch zunächst gemächlich. Der einzige Netzbetreiber, der bereits 2008 auf Lookout setzte, war T-Mobile mit ein paar Tausend Geräten.

Als die drei Gründer im Herbst 2009 ins Silicon Valley reisten, um Wagniskapital einzuwerben, war offen, ob sie überhaupt Geld zu vernünftigen Bedingungen bekommen würden. Geladen hatte der Milliardär Vinod Khosla, Gründer von Sun Microsystems und einer der am besten vernetzten Investoren des High-Tech-Tals. „Nach zehn Minuten Präsentation sagte er plötzlich: Stopp“, erinnert sich Hering. „Ich war überzeugt, wir hatten es vergeigt.“

Doch Khosla wollte nur zur Sache kommen. Ende 2009 investierte er mit anderen Investoren 5,5 Millionen Dollar und legte 2010 noch 30 Millionen Dollar nach. Im selben Jahr zog Lookout nach San Francisco. Da hatte das Unternehmen zehn Mitarbeiter und 210.000 Nutzer – und stand vor einem kometenhaften Aufstieg.

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