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Serie: Künstliche Intelligenz Wie können wir Maschinen Moral beibringen?

Roboter lenken Autos, behandeln Patienten, ziehen in den Krieg – und entscheiden über Leben und Tod. Können wir Künstlicher Intelligenz beibringen, nach ethischen Prinzipien zu handeln - und nach welchen?

Ethik im Straßenverkehr: Wie man Maschinen Moral beibringt. Quelle: PR

Eine künstliche Intelligenz steuert eine Fabrik, in der Büroklammern hergestellt werden. Programmierer haben ihr das Ziel vorgegeben, so viele Büroklammern wie möglich zu produzieren. Und damit ist der Teufel aus der Flasche: Die Software schreibt sich selbst um, wird immer cleverer, um immer bessere Produktionsmethoden zu ersinnen. Bald baut sie neue Maschinen, verarbeitet jede greifbare Materie, tötet Menschen – und verwandelt den Planeten in eine Büroklammerwüste.

Noch ist die Apokalypse aus Algorithmen nur ein Gedankenspiel, ersonnen vom Philosophen Nick Bostrom an der Universität Oxford. Aber die Geschichte macht auf ein Problem aufmerksam, das zunehmend auch Manager, Programmierer und Produktentwickler beschäftigt: Künstliche Intelligenz hat sich technisch enorm entwickelt, sie steuert Autos, therapiert Patienten, verkauft Produkte, nur einen ethischen Kompass haben die schlauen Maschinen bisher nicht.

Was das anrichten kann, zeigten erste Skandale aus dem vergangenen Jahr: Microsofts Chatbot Tay schwärmte auf Twitter plötzlich von Hitler und der Judenverfolgung. K5, ein Sicherheitsroboter vom US-Start-up Knightscope, bretterte in einem kalifornischen Einkaufszentrum ein Kind um. Die Ausrichter des Schönheitswettbewerbs Beauty AI wiederum mussten sich Rassismus vorwerfen lassen, weil ihre Maschinen-Jury nur Weiße zu Gewinnern kürte.

So lernen Maschinen das Denken

Derlei programmierte Patzer vergiften langfristig das Klima einer Gesellschaft – und entscheiden auch direkt über Leben und Tod, etwa wenn Roboter in den Krieg ziehen. Ähnlich wie Philosoph Bostrom warnen inzwischen auch der Physiker Stephen Hawking und Tesla-Chef Elon Musk vor superintelligenten Maschinen, die die Menschheit ausradieren. Zusammen mit mehr als 8000 Experten unterzeichneten sie schon vor zwei Jahren einen offenen Brief, den US-Forscher verfasst hatten, um vor den Gefahren der schlauen Software zu warnen. Tenor: Die Forschung müsse sicherstellen, dass künstliche Intelligenz der Gesellschaft nütze.

Killer-Kodex für Drohnen

„Wenn Programmierer künstliche Intelligenz entwickeln, kann das Hunderte Millionen Menschen betreffen“, sagt die britische Ethik-Beraterin Susan Liautaud, die an der kalifornischen Stanford-Universität Unternehmensethik lehrt. „IT-Unternehmen müssen sich darum heute über die langfristigen Folgen ihrer intelligenten Maschinen Gedanken machen“, sagt die Wissenschaftlerin. Dabei sollten sie NGOs und Politiker, Wissenschaftler und Nutzer an einen Tisch bringen.

Genau zu diesem Zweck haben Amazon, Google, Microsoft, Facebook und IBM eine Initiative namens Partnership on AI gegründet. Tesla-Chef Musk wiederum will mit seinem Projekt Open AI die Entwicklung von menschenfreundlicher KI voranbringen. Und Google hat ein eigenes Ethik-Board eingerichtet, um die Folgen von KI für die Gesellschaft zu bestimmen.

Aber lässt sich Ethik in die Sprache von Maschinen übersetzen? Kann man Moral programmieren, oder müssen Roboter sie lernen wie Menschenkinder? Und welchen Werten sollen Chatbots, selbstfahrende Autos und Haushaltsroboter überhaupt folgen?

Die Entwicklungsstufen Künstlicher Intelligenz

Ronald Arkin ist einer, der ans programmierte Gute glaubt. Der Wissenschaftler am Georgia Institute of Technology in Atlanta arbeitet an einer Software, die Kriegsmaschinen Ethik eintrichtern soll. Damit etwa militärische Drohnen sich künftig an internationale Gesetze halten, wenn sie in den Kampf ausschwärmen. Terroristen abschießen: ja. Krankenhäuser und Wohnhäuser bombardieren: nein.

Moral als Code, das bedeutet, dass die Maschinen, einmal programmiert, klaren Regeln folgen. Etwa den Robotergesetzen des Schriftstellers Isaac Asimov, die unter anderem vorschreiben, dass Maschinen Menschen nicht schaden dürfen. Oder der Ethik des Utilitarismus, die das Wohlergehen aller Betroffenen maximieren will.

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