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Serie Wirtschaftswelten 2025 Die digitale Leichtigkeit des Seins

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Das Internet als dezentrale Plattform

Der Film „Minority Report“ endet mit der Erkenntnis, dass sich die Zukunft nicht sicher vorhersagen lässt, weil alles, was in der Gegenwart geschieht, ihren Verlauf beeinflusst. Von falschen Prognosesicherheiten auszugehen („false positives“) kann für unschuldige Menschen lebensgefährlich sein.

Das war 2002. Die Prinzipien der antizipierenden Datenanalyse durch Algorithmen weisen aber genau in diese Richtung: Die Wahrheit ist dann immer nur eine Frage der Korrelation. Das ist 2015. Was also ist das für eine Gesellschaft, die da am Horizont unserer Entwicklung in den kommenden Jahren aufscheint?

Hoher Wohlstand, wenig Kontrolle

Ein aktueller Bericht des Gottlieb Duttweiler Instituts in Zürich über „Die Zukunft der vernetzten Gesellschaft“ beschreibt sie in einem Szenario als „Holistic Service Community“, als ganzheitliche Servicegemeinschaft.

„Die Menschen vertrauen alle ihre Daten einer großen Institution an, die dann als ‚Big Mother‘ über sie wacht und für sie sorgt. Das Leben ist total transparent und sicher – solange man nicht versucht, das System zu verlassen.“

Eine solche Gesellschaft verbindet hohen Wohlstand mit sehr niedriger Kontrolle über die eigenen Daten. In ihr lässt sich komfortabel leben. Die Freiheit geben wir wie einen lästigen Mantel an der Eingangstür ab.

Das Problem ist: Da hängt er nun, scheinbar immer in Sichtweite. Und irgendwann vergessen wir ihn. Weil es so gemütlich und das Leben in der Servicegemeinschaft unter Gleichgesinnten so wärmend ist, vergessen wir, dass es Momente gibt, in denen man den Mantel braucht. In denen man sich in den Wind oder gegen den Wind stellen muss, der einem kalt entgegenbläst.

In Arbeit
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Es sind immer nur kleine Schritte, die den Menschen im Prozess der Digitalisierung auf den Prüfstand stellen. Die großen Veränderungen werden erst viel später sichtbar. Es wäre an der Zeit, dass der Mensch sich aufmacht, einen großen unternehmerischen Schritt zu tun, um das Internet als offene, dezentrale und freiheitliche Plattform zu gestalten.

Ganz im Sinne eines anderen Szenarios des Gottlieb Duttweiler Instituts. Dessen Experten halten ein dynamisches Freiheitsmodell („Dynamic Freedom“) noch immer für möglich:

„Das Internet wird neu erfunden, radikal dezentral ohne Server, offen, demokratisch, flexibel. Kreativität und Unternehmergeist blühen, Menschen und Maschinen kooperieren, die Technik reguliert sich selbst (ausgehend von hohem Wohlstand und hoher Selbstkontrolle der Daten).“

Bedrohte Freiheit

Etwas Ähnliches hatte Tim Berners-Lee im Sinn, als er 1989 das World Wide Web erfand. Inzwischen verteidigt er die Idee des freiheitlichen Netzes gegen die Bedrohung durch staatliche oder kommerzielle Kontrolle, wo immer sich eine Gelegenheit dazu ergibt.

Es wäre naiv, diese Ordnung der Freiheit in der digitalen Vernetzung den Maschinen zu überlassen. Dazu braucht es den Menschen. Vielleicht die 21 Gramm, die seine Seele ausmachen könnten. Ganz sicher aber die 1400 Gramm, die ein menschliches Gehirn durchschnittlich wiegt.

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