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Serie Wirtschaftswelten 2025 Deutschland fehlt die Vision einer digitalen Gesellschaft

Viele Menschen fürchten, im Zuge der Digitalisierung von Maschinen ersetzt zu werden. Doch diese Angst trübt den Blick für die Vorteile neuer Technologien.

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Eine Frau trägt die Datenbrille Google Glass Quelle: dpa

Es gab Zeiten, da konnte man „Mensch“ und „Technologie“ noch voneinander trennen – ja, sie schienen sogar Antipoden zu sein, die die „natürliche“ von der „künstlichen“ Welt trennten. Das ist heute nicht mehr der Fall.

Nicht erst ein unter die Haut implantierter RFID-Chip lässt uns Menschen zum Cyborg werden. Die US-Naturwissenschaftlerin Donna Haraway beschrieb in ihrem „Cyborg-Manifest“ bereits in den Achtzigerjahren die Aufhebung dieser Grenzen.

Natürlich haben auch nicht erst die „Google Glasses“ die Trennung zwischen der „realen“ und der „virtuellen“ Welt aufgehoben - die Ansichten beider Welten werden ineinander geschoben und ergeben einen neuen Begriff von Realität. Der vermeintlich natürliche Blick wird durch digitale Informationen überblendet und erhält eine neue Rahmung.

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Nun stellen wir uns reichlich spät die Frage, wer denn eigentlich die Kontrolle in solchen fusionierten Welten hat. Ist die Technologie autonom geworden und droht sie, uns zu ersetzen?

Datenanalysen sind uns oft überlegen

Diese Frage stellt sich umso mehr, wenn das Internet der Dinge potenziell alles in unserer Umgebung im Netz miteinander verbindet. Es braucht keine direkte menschliche Kontrolle mehr, um die Logistik des Hamburger Hafens zu optimieren – das übernehmen intelligente Algorithmen und ein Netzwerk von Sensoren.

Serie "Wirtschaftswelten 2025"

Es braucht auch keine direkte menschliche Kontrolle mehr, um die Mobilität einer Stadt zu optimieren – intelligente Verkehrsführung, ressourcenschonende Fahrzeugauslastung oder flexible Stauwarnung können effizienter durch Big-Data-Analysen gesteuert werden.

Wir haben diese Prozesse an Technologien delegiert – dahinter stehen jedoch nach wie vor menschliche Entscheidungen, wie diese gestaltet werden sollen. Wir müssen diese Entscheidungen jedoch bewusst treffen und die Auswirkungen der Entwicklungen auf unsere Gesellschaft reflektieren – und das scheint zu selten der Fall zu sein.

Die Entwicklungsstufen Künstlicher Intelligenz

Die Angst des Menschen, sich selbst ersetzbar zu machen, ist eine Urangst, die sich durch die Kulturgeschichte zieht. Diese diffuse Angst droht derzeit auch die Debatte um die Digitalisierung in Deutschland zu beherrschen.

Sicher - wir brauchen eine Debatte um die ethischen Grenzen der Nutzung von Big Data. Wir brauchen eine Debatte um den Schutz unserer Privatsphäre und um die Schranken für eine geheimdienstliche Überwachung des Netzes. Gleichzeitig fehlt jedoch in Deutschland eine Vision einer digitalen Gesellschaft, die die Vorteile neuer Technologien nutzt, um Teilhabe zu eröffnen, Wirtschaftswachstum zu fördern und vernetzte Bildung für alle zu ermöglichen.

In Zukunft benötigen wir digitale Selbständigkeit

So können Bürger durch offene Datenschnittstellen (Open Data) das Gemeinwesen mitgestalten und Verwaltungen transparenter werden. Die Analyse von anonymisierten Patientendaten (Big Data) bringt große Fortschritte in der medizinischen Forschung, zum Beispiel gegen Krebs.

Vernetzte Bildungsportale und Online-Universitäten (sogenannte Open Education) bieten Menschen weltweit die Möglichkeit, sich aus- und weiterzubilden, unabhängig von ihrem sozialen Umfeld. Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir die Vision der Neunzigerjahre umsetzen und ein Netz der Teilhabe schaffen könnten.

Daran hindert uns momentan die Angst vor Kontrollverlust in der digitalen Welt. Sie liegt häufig in den fehlenden Kenntnissen über Technologien wie auch in fehlenden Grenzziehungen bei der Nutzung von Daten begründet.

Datenschutz und verschlüsselte Kommunikation werden zukünftig eine immer wichtigere Rolle spielen. Ein mündiger Umgang mit Daten gehört heute zur digitalen Selbständigkeit. Die Fähigkeit, die digitale Welt selbst mitzugestalten und Grenzen des Privaten zu ziehen, muss bereits in der Schule vermittelt werden.

Schutz der Bürgerrechte im Internet

Von politischer Seite müssen Rahmenbedingungen für eine zukunftsorientierte Datenpolitik entwickelt werden, die die Bürgerrechte im Netz schützt und gleichzeitig neuen Entwicklungen Raum lässt.

Derzeit bilden sich noch Strukturen der Ungleichheit unserer Gesellschaft im Netz ab. Es ist allzu häufig ein Ort der „digitalen Elite“, schließt Menschen mit wenig technologischen Kenntnissen, ohne Netzzugang oder mit fehlender Bildung aus. Es ist eine Aufgabe für die Zukunft, eine inklusive vernetzte Gesellschaft zu gestalten.

Bis ins hohe Alter hinein müssen Menschen immer wieder die Möglichkeit haben, an der Vernetzung zu partizipieren. Neue Technologien müssen die Vielfalt unserer Gesellschaft widerspiegeln und auf einem gemeinsamen Wertesystem fußen: auf der Nutzbarkeit und Nützlichkeit der Entwicklungen, auf dem Schutz privater Daten, auf dem Recht auf Transparenz über die Datennutzung.

In Arbeit
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Technologien an sich sind nie gut oder schlecht. Sondern es gilt, den Gestaltungsspielraum aktiv auszuloten und nicht in einer passiven Angstdebatte zu erstarren. Heute stellt sich nicht die Frage, ob wir Daten im Netz nutzen wollen, sondern wie.

Es ist wichtig, Grenzen zu ziehen und Menschen zu ermächtigen, mündige Entscheidungen über die Nutzung ihrer Daten zu treffen. Wir haben nicht die Kontrolle an neue Technologien übergeben, sondern selbst entschieden, viele Prozesse des täglichen Lebens zu delegieren. Die informationelle Selbstbestimmung des Individuums darf dem dabei nicht zum Opfer fallen.

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