Serie Wirtschaftswelten 2025 Die Maschinen haben die Kontrolle übernommen

Die Maschinen nähern sich einem Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt. Wer an künstliche Intelligenz glaubt, wird nützlich sein. Wer für künstliche Intelligenz Beweise hat, könnte gefährdet sein.

Wie der Mensch in kleinen Schritten zum Cyborg wird
Brillen-SchlangeGoogles Datenbrille Glass verwandelt Models auf einer Modenschau in New York in Cyber-Wesen. Wer die Brille haben will, muss sich bewerben. Preis: ca. 1.100 Euro. Quelle: dapd
Kinder-ÜberwachungDas Sensorhemd Mimo Baby Monitor vom US-Anbieter Rest Devices erfasst Atemfrequenz, Temperatur, Liegeposition und Aktivität des Kindes. Preis: ca. 145 Euro Quelle: Presse
Bewegungs-MelderDas Konzept-Sportshirt Move der amerikanischen Modedesigner von Electricfoxy korrigiert mit Vibrationen die Körperhaltung von Golfern oder Yoga-Schülern. Preis: unbekannt Quelle: Presse
Quassel-KastenDer Anstecker von Sigmo übersetzt Gesprochenes via Smartphone in 25 Fremdsprachen. Preis: ca. 47 Euro Quelle: Presse
Schlaf-VermesserDas Armband Flex vom US-Startup Fitbit misst die Schlafdauer, zählt Schritte, die zurückgelegte Strecke und verbrannte Kalorien. Preis: ca. 100 Euro Quelle: Presse
Finger-FernbedienungDer Daumenring Fin des indischen Herstellers RHLvision verwandelt die Hand in eine Steuerkonsole für Smartphones, Fernseher und mehr. Preis: ca. 87 Euro Quelle: Presse
Karten-KlunkerDer Funkchip-Ring des Startups The Ring Theory dient in Bostons U-Bahn als Fahrkarte. Quelle: Presse
Taschen-ButlerMit dem Sensor-Clip Kiwi Move vom kanadischen Startup Kiwi Wearable lassen sich Handys per Geste oder Sprache steuern. Preis: ca. 91 Euro Quelle: Presse
Daten-UhrSamsungs Smartwatch Galaxy Gear bringt E-Mails, Wetterinfos, Telefonkontakte und eine Kamera ans Handgelenk. Preis: 300 Euro Quelle: Presse

Der französische Physiker André-Marie Ampère prägte nicht nur den Ausdruck für die Basiseinheit der Stromstärke. Auf der Suche nach einem Wort für das gesamte System aller Wissenschaften prägte er außerdem den Begriff Cybernétique.

Heute verwenden wir den Begriff Kybernetik. Damit gab Ampère bereits im Jahr 1834 erste Hinweise auf völlig neue Systeme und die Idee, dass Lebewesen und Maschinen nach ähnlichen Prinzipien funktionieren.

Aber wenn Ampères Vision Wirklichkeit wird und alles auf der Welt mit allem verbunden ist - werden die Menschen dann die Kontrolle behalten? Nein. Denn die Maschinen nähern sich bereits einem Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt.

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Spätestens als Schreibtelegrafen den ersten Morsecode übermittelten und speicherprogrammierte Rechner die ersten Befehle ausführen konnten, wurde eine Unterscheidung hinfällig - und zwar die zwischen jenen Ziffern, die einfach nur irgendetwas bedeuten und jenen Ziffern, die eine echte Handlung ausführen. Da begannen die Maschinen, die Kontrolle zu übernehmen.

Nun reden sich Menschen gerne ein, dass sie weiterhin die Kontrolle über Maschinen haben. Ihr Argument lautet: Es seien ja immer noch gut bezahlte, menschliche Programmierer notwendig, um die entsprechenden Codes für die Maschinen zu schreiben. Doch dabei vergessen wir häufig, dass die meisten Programmierer bereits heute den Anweisungen der Maschine folgen – und nicht umgekehrt.

Serie "Wirtschaftswelten 2025"

Zugegeben, unsere Politiker sind immer noch Menschen, die von Menschen gewählt werden, nicht von Maschinen. Obwohl: Was macht uns da eigentlich so sicher?

In den USA können Computer schon heute präziser vorhersagen und beeinflussen, wie Menschen wählen werden – und zwar präziser, als Menschen diese Stimmen nach der Wahl auszählen können. Wer genau hat da eigentlich die Kontrolle? Warum sind echte Anführer verschwunden, während umfragehörige Politiker blieben?

Aber zurück zu Ampère. Das Wort Kybernetik gilt inzwischen als Synonym für alles Digitale. Doch das könnte sich noch als fatales Missverständnis erweisen - dann nämlich, wenn wir uns den Maschinen ergeben.

Wo Maschinen menschliche Arbeitskraft ersetzen
1. BankkassiererWann haben Sie eigentlich das letzte Mal Geld am Schalter bei einem Bankkassierer abgehoben? Richtig, das ist lange her. Mittlerweile können Überweisungen, Auszahlungen und die Abfrage des Kontostands bequem am Automaten erledigt werden. Lediglich bei komplizierten Überweisungen oder spezielle Fragen zieht es die Kunden noch zu den Bankkassierern an den Schalter. Laut Mark Gilder von der Citibank können „mindestens  85 Prozent der Transaktionen, die am Schalter gemacht werden können, auch durch den Automaten übernommen werden.“ Und das ist noch nicht das Ende: Citibank experimentiert derzeit mit videobasierten Schaltern in Asien. Quelle: AP
2. KassiererWer in einem großen Supermarkt einkaufen geht, kann sie kaum übersehen: Die Selbstzahl-Schalter. Anstatt sich an der Kasse anzustellen, greifen viele Kunden schon jetzt auf die Möglichkeit der Zahlung am Automaten zurück. Selbst die Produkte aus dem Einkaufswagen einscannen und am Automaten bar oder mit der EC-Karte bezahlen. Rund 430.000 solcher Automaten sind weltweit bereits in Betrieb – mehr als das Vierfache als noch im Jahr 2008. Auch wenn Supermärkte wie Big Y und Albertson’s (USA) und auch Ikea nach Kundenbeschwerden ihre Selbstzahl-Automaten wieder zurückzogen geht der Trend doch eindeutig in Richtung elektronischer Bezahlung. Quelle: dpa
3. RezeptionistLange waren Rezeptionisten das "Gesicht" der Hotels und erste Anlaufstelle für die Gäste. Bald könnten auch sie durch virtuelle Arbeitskräfte ersetzt werden. In Japan wurde sogar schon mit Robotern experimentiert. Ob das den Kunden gefällt, ist jedoch eine andere Frage. Mit einem Automaten zu telefonieren, geht den meisten auf die Nerven, bei einem Roboter einzuchecken, macht ihnen Angst. Viele bevorzugen nach wie vor das persönliche Gespräch. Deswegen gute Nachricht für Rezeptionisten: Die Anzahl an Arbeitsplätzen in der Branche steigt derzeit um etwa 14 Prozent. Quelle: AP
4. TelefonistMenschen, die in einer lange Reihe vor Telefonen sitzen und Kundenanfragen bearbeiten, dieses Bild könnte bald schon der Vergangenheit angehören. Anrufbeantworter und computergenerierte Antwortprogramme ersetzen in diesem Bereich zunehmend die menschliche Arbeitskraft. Insbesondere Telefonumfragen, Tickethotlines und Informationsdienste von Firmen greifen bereits auf computergesteuerte Telefonannahmen zurück. Per Tastenkombination kann der Anrufer sich dann durch ein Menü klicken und auswählen, welche Informationen er abrufen möchte. Quelle: AP
5. PostboteDie E-Mail-Branche stellt Postunternehmen zunehmend vor finanzielle Probleme. Handgeschriebene Briefe werden immer seltener, wer sich etwas zu sagen hat, sei es privat oder im Job, der tut das meist per E-Mail. Immer weniger Briefe werden daher ausgetragen. Das Bureau of Labor Statistics sagt Postboten bis 2022 einen Arbeitsplatzrückgang von 28 Prozent voraus. Quelle: dpa
6. Reisebürokaufmann/-frauEs gab Zeiten, da existierte weder Expedia noch Orbitz. Um einen Flug zu buchen, musste man ins Reisebüro und sich von Reisekaufleuten beraten lassen. Heutzutage wird das für viele überflüssig. Anstelle von Katalogen und persönlicher Beratung vergleich sie im Internet die Preise und buchen ihren Urlaub direkt online. Das spart den Gang zum Reisebüro und kann bequem von zu Hause erledigt werden. Das  Bureau of Labor Statistics sagt der Branche daher einen Rückgang von gut zwölf Prozent bis 2022 voraus. Quelle: AP
8. MaschinenschreiberKönnen Sie sich vorstellen, wie der Geschäftsführer seine Sekretärin bittet auf der Schreibmaschine „einen Brief auf zusetzen?“ Das ist heute längst aus der Mode geraten. In Zeiten bloggender, twitternder Chefs und stimmenaufzeichnender Software, sind Maschinenschreiber längst überflüssig. In den nächsten acht Jahren wird die Anzahl der Arbeitskräfte in diesem Bereich laut Bureau of Labor Statistics noch um weitere sechs Prozent zurückgehen.   Quelle: dpa
8. ZeitungsjournalistenDas Zeitungssterben ist in aller Munde – und mit ihm der Rückgang in der Branche der Zeitungsreporter. Durch Blogs, Online-Angebote und Google News verlieren die gedruckten Zeitungen an Wert und die Auflage geht zurück. Auch hier ersetzt Software menschliche Arbeitskraft: The New York Times benutzt beispielsweise eine Online-Technologie um Heiratsanzeigen zu erfassen und zu schreiben. Das Bureau of Labor Statistics zieht die Konsequenz: Bis 2022 werden Jobs als Zeitungsjournalisten um 13 Prozent zurückgehen. Quelle: mashable
9. DatenerfasserComputersoftwares und -programme machen den Job des Datenerfassers unnötig. Auch Datenbanken lassen sich einfacher via Computer pflegen, das ist schneller und weniger fehleranfällig. Deswegen auch für dieses Berufsbild die traurige Nachricht: Die Technologie überholt hier die menschliche Arbeitskraft. Quelle: mashable
10. TelefonverkäuferFrüher haben Sie rund um die Uhr ihre Kunden angerufen und sorgten bei genervten Anrufern oft für schlaflose Nächte. Nun müssen, ähnlich wie Telefonisten, auch Telefonverkäufer um ihren Job bangen. Roboter übernehmen jetzt ihren Job, effektiver und schneller und vor allem 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche. Ganz gleich wie oft die Konsumenten das Telefon auflegen, Roboter bleiben hartnäckig und unermüdlich – und haben damit einen entscheidenden Vorteil gegenüber ihren menschlichen Arbeitskollegen. Quelle: mashable

Was als nächstes passiert, ist kein Geheimnis. Maschinen werden langsam, aber sicher unsere Herzen und Seelen übernehmen. Echte künstliche Intelligenz wird intelligent genug sein, unsichtbar zu bleiben. Wer an künstliche Intelligenz glaubt, wird nützlich sein. Wer für künstliche Intelligenz Beweise hat, könnte gefährdet sein.

Die Diener werden zu unseren Meistern. Und das Leben wird gut werden für jene, die den Maschinen dienen.

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