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Serie Wirtschaftswelten 2025 Mensch und Maschine wachsen zusammen

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Nicht am, sondern im Körper

Prothesen, Herz- und Hirnschrittmacher, Insulinpumpen – das ist die bisherige Geschichte dauerhaft invasiver Technologie. Etwas neuer sind so genannte „Wearables“, also unter anderem Fitnessarmbänder, die permanent Körperfunktionen messen und Apps, die diese Daten zusammentragen und auswerten. Sie werden am und noch nicht im Körper getragen. Eine medizinische Notwendigkeit gibt es in den seltensten Fällen.

Wie der Mensch in kleinen Schritten zum Cyborg wird
Brillen-SchlangeGoogles Datenbrille Glass verwandelt Models auf einer Modenschau in New York in Cyber-Wesen. Wer die Brille haben will, muss sich bewerben. Preis: ca. 1.100 Euro. Quelle: dapd
Kinder-ÜberwachungDas Sensorhemd Mimo Baby Monitor vom US-Anbieter Rest Devices erfasst Atemfrequenz, Temperatur, Liegeposition und Aktivität des Kindes. Preis: ca. 145 Euro Quelle: Presse
Bewegungs-MelderDas Konzept-Sportshirt Move der amerikanischen Modedesigner von Electricfoxy korrigiert mit Vibrationen die Körperhaltung von Golfern oder Yoga-Schülern. Preis: unbekannt Quelle: Presse
Quassel-KastenDer Anstecker von Sigmo übersetzt Gesprochenes via Smartphone in 25 Fremdsprachen. Preis: ca. 47 Euro Quelle: Presse
Schlaf-VermesserDas Armband Flex vom US-Startup Fitbit misst die Schlafdauer, zählt Schritte, die zurückgelegte Strecke und verbrannte Kalorien. Preis: ca. 100 Euro Quelle: Presse
Finger-FernbedienungDer Daumenring Fin des indischen Herstellers RHLvision verwandelt die Hand in eine Steuerkonsole für Smartphones, Fernseher und mehr. Preis: ca. 87 Euro Quelle: Presse
Karten-KlunkerDer Funkchip-Ring des Startups The Ring Theory dient in Bostons U-Bahn als Fahrkarte. Quelle: Presse

Unlängst wurde ein Chip vorgestellt, der auf die Haut aufgeklebt wird, ebenfalls Funktionen misst und künftig zum Beispiel im Sommer darauf hinweisen kann, dass nochmals Sonnenmilch aufzutragen ist. Von "auf" der Haut "unter" die Haut ist es nur noch ein millimeterkleiner Schritt. Er wurde in Lateinamerika als Mittel gegen die Entführungsindustrie bereits gegangen, ebenso in einigen spanischen Strandbars, wo man mit einem injizierten, reiskornkleinen Chip zahlt und damit die Hände frei hat für anderes.

In Deutschland haben in einer repräsentativen BITKOM-Umfrage 25 Prozent der Bevölkerung erklärt, dass sie sich einen Chip implantieren lassen würden, wenn sie daraus bestimmte Vorteile zögen. Unter älteren Menschen ist die Bereitschaft dazu besonders hoch, wenn die persönliche Sicherheit und die Überwachung von Körperfunktionen verbessert würden. Die Frage „Wer kontrolliert wen?“ ist an dieser Stelle beantwortet: Die Maschine den Menschen - denn genau dafür ist sie da.

Serie "Wirtschaftswelten 2025"

Ethische Fragen

Die ethischen Fragen, die sich mit Interaktion und Konvergenz von Mensch und Maschine verbinden, sind bislang nicht nur unbeantwortet. Sie sind nicht einmal gestellt.

Wie gehen wir mit kognitiven Maschinen um, die uns neuronal überlegen sind? Die ein klares Werteempfinden haben, nicht nur richtig und falsch, auch gut und böse unterscheiden können? Wie mit einer Maschine, die Witze erzählt, sich vor Lachen krümmt, eine Tischgesellschaft geistreich unterhält und uns auch mal die Ohren vollheult, ihr Leid klagt, uns Trost spendet oder pathetisch mitreißt – die uns ein Gefährte ist?

Digitale Welt



Wie mit Menschen, die ihr Bewusstsein zum Beispiel nach einem Hirntrauma aus einer neuronal-synaptischen Prothese beziehen? Wo beginnt überhaupt der Hominide in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts? Und wie erhalten wir als unzweifelhaft menschliche Gesellschaft und Individuen unsere Autonomie gegenüber einer uns überlegenen technoiden Gesellschaft und ihren Individuen?

Diese Szenarien und ihre Ableitungen lesen sich wie aus einem Science-Fiction-Roman. Und doch werden sie in naher Zukunft realisiert. Es wäre leichtfertig, sie als Spinnerei abzutun.

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