Sieben Trends vor dem MWC Das wird die Zukunft des Smartphones ändern

Handys sind zu Ende entwickelt? Von Wegen! Wir zeigen sieben Innovationen, die Smartphones spannende neue Fähigkeiten verleihen.

Handys sind ausgereift? Von wegen! Noch immer arbeiten Smartphone-Konzerne, Start-ups und Forscher an Innovationen. Quelle: Ilona Burgarth

Das große Schaulaufen beginnt: Auf dem Mobile World Congress in Barcelona werden Smartphone-Hersteller wie Samsung, LG und Huawei für ihre Neuheiten und Updates werben. Was die Zukunft der Geräte wirklich verändern wird, zeigt unsere Übersicht.

Design: Telefone zum Falten

Das tat schon beim Hinschauen weh. In einem Nebenraum seines Messestandes zeigte der koreanische Elektronikriese LG auf der Elektronikmesse IFA ein – jedenfalls für durchschnittliche Handynutzer – „unmögliches“ Telefondisplay. Zu einer kleinen Rolle gedreht, kaum größer als eine Zigarette, hielt der Techniker den aus mehreren Lagen Kunststoff und Elektronik bestehenden Bildschirm, um ihn dann, voll funktionsfähig, auf die Fläche eines regulären Handybildschirms zu entrollen. Dabei zeigte das flexible Display, gespeist aus der externen Elektronik eines regulären Mobiltelefons, mal den Android-Ruhebildschirm, mal ein Video an.

Möglich machen das sogenannte OLED-Bildschirme, die sich – anders als herkömmliche LCD-Displays, die aus mehreren Lagen Glas bestehen – auch auf der Basis biegsamer Kunststoffschichten herstellen lassen. Seit mehreren Jahren investiert das Unternehmen hunderte Millionen Dollar in die Entwicklung und Fertigung der Plastik-Bildschirme.

Was uns beim Mobile World Congress erwartet
SmartphonesVom 27. Februar bis zum 2. März 2017 findet der Mobile World Congress, kurz MWC, in Barcelona statt. Bei einer der wichtigsten und größten Mobilfunkmessen der Welt dürfen die Smartphone-Neuheiten natürlich nicht fehlen. LG (Präsentation: 26. Februar, 12 Uhr) hat bereits bestätigt, im Vorfeld des MWC sein neues Spitzen-Smartphone G6 (Teaser-Bild) vorstellen zu wollen. Zeichnete sich der Vorgänger G5 durch Experimentierfreude und modulares Zubehör aus, folgt nun die Kehrtwende: Das neue Premiummodell wird wohl minimalistischer ausfallen, das Modulkonzept ist vom Tisch. Leistungsstark wird das Gerät aber mit Sicherheit. Auch aus China wird ein High-End-Smartphone erwartet: Huawei (26. Februar, 14:30 Uhr) wird seinen P9-Nachfolger P10 zeigen. Erwartet wird, dass das Gerät in mehreren Varianten zu unterschiedlichen Preisen auf den Markt kommt. So wollen die Chinesen in unterschiedlichen Zielgruppen Marktanteile gewinnen. Zuletzt ging der Plan auf: Huawei hat in den vergangenen Jahr deutlich zugelegt – auch in Europa. Quelle: Presse
SmartphonesAndere Smartphone-Hersteller haben ebenfalls neue Modelle im Gepäck, zielen aber wohl eher auf das mittlere Preissegment. Sony (27. Februar, 8:30 Uhr) soll angeblich mehrere Geräte vorstellen, mindestens eines aus der Xperia-Reihe. An welche Zielgruppe sich das Gerät richtet, ob es sich um ein Mittelklasse- oder High-End-Smartphone handelt, ist unklar. Lenovos (26. Februar, 16:30 Uhr) Moto-G-Serie ist für ihr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bekannt. Fans hoffen, dass sich daran nichts ändert, wenn der Konzern in Barcelona das Moto G5 und Moto G5 Plus erstmals offiziell vorstellt. Freude bei den Tastatur-Fans: Mit Blackberry (25. Februar) präsentiert ein Urgestein der Branche sein neuestes Modell, das Mercury. Nokia (26. Februar, 16:30 Uhr), einst unangefochtene Handy-Größe, ist zurück: Das finnische Unternehmen HMD Global, mittlerweile Inhaber der Marken- und Lizenzrechte, will angeblich mehrere Smartphones vorstellen: Nokia 3, 5 und 6 (Bild). Letzteres ist zwar schon auf dem Markt, aber bislang nur in China zu erhalten. Sie sind im unteren bis mittleren Preis- und Leistungssegment angesiedelt. Wermutstropfen für viele Android-Jünger: Anders als in den Vorjahren wird Samsung (26. Februar, 19 Uhr) die neuste Version seinen Flaggschiffs, das Galaxy S8, wohl nicht in Barcelona präsentieren. Gerüchte besagen aber, dass Samsung einen Blick auf ein faltbares Smartphone gewähren könnt. Das wäre sicher spannend. Zeigen werden die Südkoreaner … Quelle: PR
Tablets… ein neues Tablet, vermutlich das Tab S3 (Screenshot der Einladung). Der Vorgänger zählt zu den leistungsstärksten und beliebtesten Android-Tablets, kann die Branche aber auch nicht über die Tatsache hinwegtrösten, dass der Markt für die Geräte insgesamt seit geraumer Zeit schwächelt. Bahnbrechende Neuheiten erwartet deshalb auch bei den anderen Herstellern eigentlich niemand. Modellpflege und Leistungsverbesserungen sind angesagt. Quelle: PR
Mobile WearAnfang Februar hat Google mit Android Wear 2.0 das neueste Betriebssystem für Smartwatches vorgestellt – nun folgt die Einführung neuer Modelle: Den Auftakt machten die LG Watch Sport und Watch Style – auf dem MWC werden unter anderem Vorstellungen von Huawei (Watch 2 (im Bild der Voränger)), ZTE (Quartz), Sony (Xperia Z6) und LG erwartet. Auch Fitnesstracker werden weiter ein Rolle spielen. Quelle: dpa
Virtual Reality und Augmented Reality2016 sorgte Samsung noch mit dem Zusammenspiel von Smartphone, Virtual-Reality-Brille und 360-Grad-Kamera für Aufsehen. In diesem Jahr folgt der nächste Schritt. Die Brille Monitorless erhält Daten vom Computer blendet so digitale Informationen über die Realität. Bislang gibt es ein Konzeptvideo. Weitere Details werden in Barcelona erwartet. Dort zählen VR und AR ohnehin zu den zentralen Themen: Auch kleinere Unternehmen und Hardwarehersteller werden versuchen, mit ihren Geräten auf den Massenmarkt vorzustoßen, Apps auf die Smartphones und Anwendungen in die Social-Media-Streams der Nutzer zu bringen. Quelle: Screenshot
Internet of Things und Smart HomeVon der Vernetzung aller Geräte im Alltag ist seit Jahren die Rede. Immer häufiger wird aus Buzzword nun Realität. Anbieter wie Bosch und AVM werden neue Technik vorstellen, die Autos, Heizungen und Kühlschränke klüger machen sollen. Die Chancen in naher Zukunft immer mehr Menschen mit Smart Devices zu überzeugen, stehen gut. Zuletzt haben  Amazon Echo und Google Home gezeigt, dass sich smarte Assistenten durchaus auch für die Wohnung von Otto-Normalverbraucher eignen. Quelle: dpa
Netz-Standard 5GNeue Geräte, neue Funktionen, mehr Vernetzung: Ohne den Ausbau des Netzes, droht bei all dem Fortschritt irgendwann der Kollaps. Kein Wunder, dass die Diskussion über den Aufbau des schnelleren und leistungsfähigeren Mobilfunknetzes der fünften Generation, 5G, zu den zentralen Themen des MWC gehörte. Bis 2020, so das Versprechen der führenden Netzausrüster Nokia, Ericsson und Huawei, sollen Forschung und Standardisierung dieser neuen Mobilfunktechnologie abgeschlossen und ein marktreifes Produkt fertig sein. Branchenbeobachter warten gespannt, wie weit die Unternehmen auf ihrem Weg sind. Quelle: dpa

An derart flexiblen Displays arbeitet nicht nur LG, sondern auch der koreanische Erzkonkurrent Samsung. Beide haben verschiedene Technologien zum Patent angemeldet, beide sind mit der Entwicklung inzwischen weit fortgeschritten. So weit, dass sich in der Branche hartnäckig das Gerücht hält, Samsung könnte mit dem als „Galaxy X“ bezeichneten Modell noch in diesem Jahr das erste faltbare Telefon mit biegsamem Bildschirm vorstellen. Dass das schon auf dem Mobile World Congress passiert, ist eher unwahrscheinlich. Möglicherweise halten sich die Koreaner dort nach dem Akku-Debakel beim Note 7 sogar mit Meganeuheiten ganz zurück.

Doch der Trend ist klar, die kommenden, knickbaren Bildschirme werden den Handydesignern in absehbarer Zeit wieder eine Flexibilität bei der Gerätegestaltung geben, wie es sie seit dem Ende der Klapp- und Schiebe-Telefone aus der Vor-Smartphone-Ära nicht mehr gab.

Wer 2016 die meisten Smartphones verkaufte

Darstellung: Star Trek fürs Telefon

Dass die Darstellung räumlicher Bilder am Smartphone technisch kein Problem ist, haben Hersteller wie LG oder HTC bewiesen. Mit Modellen wie dem Optimus 3D oder dem Evo 3D faszinierten sie Handyproduzenten bereits vor fünf und sechs Jahren die Betrachter – aber nicht die Kunden im Massenmarkt. Weil der optische Effekt nur bei relativ kontantem Betrachtungswinkel auftrat und sich auch mit den 3D-Handys geschossene räumliche Bilder nur wieder am Telefon betrachten ließen, eigneten sich die ersten Modelle mehr als Technologieträger denn als Modelle fürs Massengeschäft.

Was nicht heißt, dass Gerätehersteller, Displayentwickler und Forschungseinrichtungen weltweit nicht weiterhin intensiv daran arbeiten, Bildschirmtechniken zur Marktreife zu bringen, die (möglichst ohne technische Limitationen) in der Lage sind, am Telefon einen räumlichen Bildeindruck oder gar so etwas zu erzeugen, wie ein holografisches Bild, das über dem Display schwebt. Sozusagen Star-Trek-artige Holografien fürs Handy.

Der „Holoflex“-Prototyp Quelle: PR

Im Labor gibt es das schon fast. So haben etwa Forscher des Human Media Lab an der Universität von Kingston in Kanada den Prototypen eines Smartphones entwickelt, dessen „Holoflex“ genannter Bildschirm nicht nur biegsam ist (siehe Punkt Design), sondern auch ein 3D-Bild erzeigt, dass aus jeder beliebigen Betrachtungsrichtung erkennbar ist. Wegen des dafür erforderlichen zusätzlichen Rasters aus Mikrolinsen über dem Display ist die Pixelauflösung noch begrenzt, aber der Effekt funktioniert schon.

Und die Kanadier sind nicht die Einzigen, die in dieser Richtung aktiv sind. Auch das von zwei Franzosen gegründete kalifornische Unternehmen Leia 3D hat ein entsprechendes Handy-Display entwickelt. Das ermöglicht es mithilfe von Nanotechnoloie, räumliche Bilder – ohne zusätzlich erforderliche Brille – aus 64 Blickwinkeln zu betrachten. Noch in diesem Jahr wollen sie die Displays zur Marktreife bringen.

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