Sieg für den Verbraucher Google knickt gegenüber EU-Kommission ein

Der amerikanische Internet-Riese will das Wettbewerbsverfahren in Europa durch Zugeständnisse bei der Internet-Suche beenden.

Der Suchmaschinen-Gigant hat sich bereit erklärt, Links zu konkurrierenden Internet-Angeboten künftig prominenter zu platzieren. Quelle: AP

Erfolg für die EU-Kommission: Nach Ermittlungen von mehr als zwei Jahren hat der amerikanische Internet-Riese Google erstmals Zugeständnisse gemacht und sich bereiterklärt, die Anzeige der Suchergebnisse zu verändern. Das hat die britische "Financial Times" am Wochenende mit Berufung auf Brüsseler Quellen berichtet.

Demnach will der US-Konzern künftig Links zu konkurrierenden Internet-Angeboten - dazu zählen etwa Suchmaschinen, Preisvergleichsseiten, Shopping-Angebote oder Kartendienste - prominenter anzeigen. Zudem will Google eigene Angebote sowie Werbung laut Agenturberichten deutlicher herausstellen. Die Vergleichsvorschläge finden sich laut "FT" auf einer Liste von Angeboten, mit der Google härtere Sanktionen der EU-Kommission vermeiden und ein Ende der Wettbewerbsermittlungen erzielen will.

Dinge, die Google lieber geheim halten will
Google hat den Tablet-Markt verschlafenGoogles erster eigener Tablet-PC, das Nexus 7 (Foto), kam erst diesen Juli auf dem Markt. Damit schiebt sich Google in ein Terrain, auf dem sich schon einige Platzhirsche drängeln: Apple, Samsung, Amazon. Google wird es schwer haben, sich als Neuling unter diesen etablierten Anbietern  zu behaupten. Quelle: dpa
Google verschleiert seine DatensammeleiGoogle besitzt zwar eine Datenschutzrichtlinie, diese wird jedoch von der Europäischen Union bemängelt. Danach fehlen wichtige Informationen und eindeutige Formulierungen. So steht in der Datenschutzrichtlinie nicht deutlich, was das Unternehmen mit den Infos der User macht. Außerdem informiert Google nicht darüber, wie lange es bestimmte Informationen, wie Aufenthaltsorte, speichert. Quelle: dapd
Bei der Android-Vielfalt verzichten Hersteller auf UpdatesDas Google-Betriebssystem Android für Smartphones und Tablet-PCs gibt es für hunderte verschiedene Modelle. Das wirkt sich negativ auf das Update-Verhalten der Hersteller von Endgeräten aus. Seit der Android-Einführung 2008 gab es zehn verschiedene Updates. Diese müssen die Hersteller auf jedes ihrer einzelnen Smartphone- und Tablet-Modelle anpassen. Das ist aufwendig, wodurch die neuen Versionen meist unter den Tisch fallen lassen werden. Derzeit ist Android 2.3 von Dezember 2010 immer noch die am meisten verbreitetste Version. Quelle: dapd
Der Aufwand ist zu groß, unerwünschte Suchergebnisse zu löschenEs kommt vor, dass Menschen bei Google etwas über sich persönlich finden, was sie dort nicht gerne sehen. Dagegen etwas zu unternehmen, ist schwierig. Die Suchergebnisse basieren auf berechneten Algorithmen. Je öfter etwas im Internet erwähnt wird, desto eher findet man es bei Google. Es ist sehr aufwendig, etwas aus den Google-Ergebnissen zu löschen und meist mit rechtlichen Schritten verbunden. Dabei muss vor allem erst der Text, das Bild oder das Video von dem Server gelöscht werden, auf den die Information gespielt wurde. Dann kann es noch bis zu neun Monate dauern, ehe die Info auch aus der Google-Suche verschwindet. Quelle: dpa
Apple-Maps könnte Google bald einholenApple hat sich entschieden beim neuen iPhone 5 (Foto) auf die vorinstallierte Google-Maps-App zu verzichten. Stattdessen findet sich auf dem Handy ein eigenes Kartenprogramm. Die weist im Vergleich zu Google Maps war einige Schwächen auf, doch Experten sind sich sicher, dass Apple bald nachlegen wird – und Google so einholen oder gar überholen könnte. Quelle: REUTERS
Die Arbeit der Google-AngestelltenVolleyballplatz, Bowlingbahn, Gemüsegarten – das Google-Hauptquartier bietet zahlreiche Annehmlichkeiten. Mit ähnlichen Dingen warten auch manche europäische Zweigstellen auf. Experten werfen dem Unternehmen vor, so Mitarbeiter länger an ihrem Arbeitsplatz halten zu wollen und zu Überstunden zu bewegen. Quelle: dapd
Google steht beim Online-Shopping hinten anGoogle ist bei Online-Shoppern nicht die erste Wahl. Laut einer Studie von Forrester Research hat fast ein Drittel der Konsumenten bei ihrem letzten Online-Einkauf als erste Adresse Amazon (Foto) angesteuert. Bei Google waren es gerade mal 13 Prozent. Quelle: dpa

Das Einknicken von Google bedeutet vor allem ein Sieg für den Verbraucher: Denn er bekommt künftig - so die Europäischen Wettbewerbshüter dem Vergleich zustimmmen - auch alternative Shopping- oder Reiseangebote einfacher und deutlicher dargestellt. Das bedeutet mehr Wahlmöglichkeiten und letztlich auch mehr Transparenz.

Doch auch Google gewinnt durch den Kompromiss letztlich. Zum einen wäre der Konzern im Falle eines Vergleichs nicht wegen des Missbrauchs der Marktmacht verurteilt – ein gewichtiger Pluspunkt bei anhängigen Zivilklagen. Zum anderen entgeht Google so dem Schicksal des Rivalen Microsoft: Die Redmonder rangeln seit Jahren wegen der Bündelung des Internet Explorers ins das Betriebssystem Windows.

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Die EU-Kommission hatte das Wettbewerbsverfahren gegen Google offiziell Ende November 2010 eingeleitet. Zuvor hatten mehrere Konkurrenten, darunter die deutsche Microsoft-Tochter Ciao und die französische Preisvergleichsseite Foundem, dem Suchmaschinenriesen in einer offiziellen Klage eine Benachteiligung gegenüber den Google-eigenen Alternativangeboten vorgeworfen.

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