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Silvester-Talk Der Mann hinter dem ganz großen Knall

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Die Geburtsstunde des Musikfeuerwerks

Feuerwerk beim Dubai Shopping Festival 2012 Quelle: Presse

Seitdem haben Sie eine unglaubliche Karriere hingelegt. Wie ist es dazu gekommen?

Naja, da bekamen Menschen mit Theaterblut in den Adern ein neues Spielzeug an die Hand. Wir haben immer mehr ausprobiert. Zu einer Zeit, in der es auf der ganzen Welt eigentlich noch gar keine zur Musik synchronen Feuerwerke gab, haben wir zu einer Hochzeit ein kleines Garten-Feuerwerk abgebrannt. Einer von den Kollegen hat dazu einfach eine Kassette in einen Rekorder geschmissen und ein bisschen Musik angemacht. Das passte natürlich alles noch gar nicht. Aber es war der Anfang.

Daraufhin haben Sie Ihre Firma gegründet?

Genau. Zur gleichen Zeit bekam ich im Alter von etwa 27 Jahren eine Anfrage für eine Pyrotechnik in einem geschlossenen Raum, der mein Requisitenkollege Andreas Korth und ich großmäulig zustimmten. Das war eigentlich Wahnsinn. So eine Idee hatte damals Mitte/Ende der 80er Jahre noch niemand zuvor gehabt. Die Veranstaltung wurde ein Erfolg und wir gründeten Flashart.

Können Sie sich noch an Ihr erstes erfolgreiches Outdoor-Feuerwerk erinnern?

Das war ein Geburtstagsgeschenk für eine der größten Anwaltskanzleien hier in der Region Bielefeld. Die kleineren Bodenfeuerwerkseffekte haben wir damals in den Garten gepackt. Die konnten wir mit Hilfe mehrerer hundert Meter Kabel auch schon elektrisch zünden. Das Großfeuerwerk hingegen war viel zu weit weg. Am Ende haben wir es mit zig verschiedenen Positionen aufgebaut und jeden Feuerwerkskörper mit einer Nummer versehen. Für die Planung mit der Musik wurde ein Ablaufplan geschrieben. Die Steigzeit der Flugkörper mit einberechnet, wussten wir dann genau in welcher Sekunde welche Nummer gezündet werden muss. Per Walkie-Talkie hat mir dann ein Assistent nach der Stoppuhr die Nummern durchgesagt und ich bin zwischen den Dingern hin und her gerannt, um sie möglichst synchron anzustecken.

Das sah bestimmt super aus.

Allerdings, am Ende lag ich auch schweißüberströmt und völlig außer Atem auf dem Rasen.

Und was war die Konsequenz daraus?

Es war schnell klar, dass eine neue Erfindung her musste. Weil das Konzept des Musikfeuerwerks damals noch so neu war, bekamen wir schnell mehrere, große Kunden. Unter anderem die Rennwoche in Baden-Baden. Bei diesen Kunden haben wir mit der elektromechanischen Zündung per Funk und Mischpult angefangen. Dafür wurde wieder ein Ablaufplan geschrieben und die Körper danach gezündet. Dafür standen wir mit bis zu drei Leuten am Pult.

Gab es noch andere technische Herausforderungen?

Jede Menge. Ein weiteres Problem machten uns die Bandmaschinen, über die Musik abgespielt wurde. Je nach Gerät konnte ein zwanzig Minuten langes Stück schon mal 30 Sekunden länger oder kürzer werden. Für ein aufwendig berechnetes Großfeuerwerk ist das wahnsinnig viel. Entsprechend musste vor Ort noch einmal nachjustiert werden. Das alles war so viel Arbeit, dass wir mit der Hilfe eines Freundes angefangen haben Computerprogramme zu schreiben, über die sich die Feuerwerke abwickeln ließen. Damit konnten wir dann gegen 1994 auch eine digitale Zündtechnik nutzen.

Wie funktioniert die genau?

Letztlich stellen wir einfach Computereinheiten zwischen die einzelnen Brennkörper. Von hier aus müssen noch Kabel zur Zündung verlegt werden. Die Einheiten steuern wir dann aber zentral und elektronisch über ein sogenanntes Show Control System. Dadurch sparen wir hunderte Kilometer Kabel.

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