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Silvester-Talk Der Mann hinter dem ganz großen Knall

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Immer wieder neu, für jeden Kunden

Flashart inszeniert das Feuerwerk zum Festtag des 20 jährigen Mauerfalls Quelle: Presse

Inzwischen sind sie zu Deutschlands erfolgreichstem Pyrotechniker geworden. Für wen arbeiten Sie heute?

Die größten Auftraggeber sind immer noch Staaten, Kommunen, Großveranstaltungen, Sportvereine, die Fifa und die UEFA. Häufig werden wir auch über eine Agentur vermittelt. 2011 haben wir unter anderem die Youth Olympic Games in der Türkei gemacht. Auch die Eröffnung des Berliner Hauptbahnhofs haben wir entwickelt. Neben Baden-Baden ist der Barockgarten in Ludwigsburg einer unserer Stammkunden für das Event „Blühender Barock“. Da haben wir vor knapp zwanzig Jahren angefangen mit 3 D-Mark Eintritt und etwa 3000 bis 4000 Zuschauern. Jetzt sind wir bei zehn Euro Eintritt und 15.000 Zuschauern. Diese Veranstaltung haben wir schön gemeinsam mit dem Kunden entwickelt.

Entwickeln sie die Feuerwerke und Veranstaltungen für jeden Kunden neu?

Ja, denn Feuerwerk ist nicht gleich Feuerwerk. Massenware verkaufen wir nicht. Es ist wichtig auf die Bedürfnisse eines konservativen Unternehmens anders einzugehen als auf die eines Sportvereins. Gerade in den Anfängen mussten wir auch viel erklären, weil es in Deutschland keine Feuerwerkstradition gibt, wie man sie aus Spanien oder Italien kennt. Vor der Wirtschaftskrise haben kleine Gemeinden in Südeuropa zwei Mal im Jahr Großfeuerwerke für 100.000 Euro abgebrannt. Der deutsche Markt ist ganz anders. Hier wird schnell über Brot statt Böller geredet und nicht darüber, wie viele Touristen einem das Event bringt.

Wie begegnen Sie dieser Kritik?

Wir setzen uns mit den Kunden vor allem inhaltlich auseinander und stellen die Frage, was man mit dem Feuerwerk eigentlich kommunizieren kann und will. Vor diesem Hintergrund haben wir übrigens auch Multimediashows entwickelt, also andere Medien wie Wasser, Laser oder Projektionen mit eingebunden. So sind wir eben auch in der Lage eine ganze Geschichte zu erzählen.

Sie glauben also, ein Feuerwerk kann kommunizieren?

Oh ja. Wir bauen eine richtige Dramaturgie auf. Das ist es, was die Menschen an einem Feuerwerk fasziniert, der Wechsel von Farben und Tempo und Musik, die unter die Haut geht. Wir wollen die Zuschauer überraschen und ihnen gleichzeitig ein wenig Raum zum Träumen lassen. Bedenkt man, wie viele Menschen wir mit unseren Feuerwerken erreichen, fällt es manchmal schwer gewisse Entscheidungen nachzuvollziehen.

Was meinen Sie?

Naja, bei der Veranstaltung 20-Jahre-Mauerfall am Brandenburger Tor zum Beispiel waren Staatschefs aller Länder anwesend. Das Feuerwerk wurde im Fernsehen übertragen. Zehntausende Menschen waren vor Ort. Das ganze war eine wunderbare PR-Veranstaltung für Berlin und Deutschland. Doch Berlin musste das Feuerwerk aus eigener Tasche zahlen. Erst zehn Tage vorher konnte der Bund sich durchringen, sich an der Finanzierung zu beteiligen. In Frankreich wäre so etwas undenkbar. Hierzulande gibt es kein Gefühl dafür, welche Kraft in dieser Art der Kommunikation steckt - auch aus wirtschaftlicher Sicht als geschickte Marketing-Maßnahme.

Wie teuer ist denn so ein Großfeuerwerk?

Das hängt natürlich von dem jeweiligen Feuerwerk ab. Wir fangen bei einer musiksynchronen Inszenierung bei ungefähr 5000 Euro an. Ein normales Großfeuerwerk bekommen sie schon ab etwa 3500 Euro. Die größeren Veranstaltungen liegen dann so bei zwischen 15.000 und 50.000 Euro. Richtig große Events sind natürlich sechsstellig und manchmal auch siebenstellig.

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