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Singlebörsen Bunga-Bunga-Business

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Breites Sortiment

Mit mehr Erotik und weniger Pornobildern will Secret besonders seitensprungwillige Frauen ansprechen Quelle: Presse

Neue Freizügigkeit: Die Wahrnehmung von Sex in der Gesellschaft hat sich verändert. Sex werde zunehmend als „eine Art Freizeitbeschäftigung“ mit Wellness-Charakter
gesehen, konstatiert der Soziologe Jean-Claude Kaufmann von der Pariser Sorbonne-Universität.

Jenseits aller Tugendtümelei wirft die Entwicklung grundsätzliche Fragen zu Moralvorstellungen und dem Wesen von Beziehungen auf. Für einen Teil der Bevölkerung war und ist die Suche nach losen Kontakten oder Affären schon immer Normalität.

Neu ist: Die offene Akzeptanz dafür hat zugenommen – und das nicht mehr nur bei Männern. Das Selbstbewusstsein von Frauen in Sachen Sex wächst

Wirtschaftlicher Druck: Die Goldgräberzeiten sind für das Gros der traditionellen Online-Kuppler vorbei, die Suche nach Alternativen und Ergänzungen zum lahmenden Kerngeschäft beginnt. Denn während die Umsätze vieler Datingdienste in der Vergangenheit allein schon deshalb zulegten, weil die Zahl der Internet-Nutzer stieg und die Partnersuche via Netz gesellschaftsfähig wurde, ist das Marktwachstum in Deutschland inzwischen deutlich abgeflaut.

Der Werbedruck steigt, zugleich sind Einstiegsbarrieren für neue Anbieter gering. Web-Spezialisten bieten Seitenbetreibern bereits Fertigbausätze für den Start eigener Nischenplattformen an – inklusive einer Grundausstattung an Mitgliederprofilen. Und so tummeln sich neben den Schwergewichten Parship, eDarling und Elitepartner zig Singlefundgruben im Netz.

Laut dem Branchendienst Single-Börsenvergleich widmen sich allein in Deutschland mittlerweile mehr als 2500 Online-Anbieter dem Partnerglück – vom bildungsnahen Schichtvermittler AcademicPartner bis zu Zuckerjungs.de, wo reife Frauen nach jungen Lovern fahnden.

Es gibt eigene Singlebörsen für liebestolle Bauern und Trucker, einsame Golfer und Doktoren. Heiratswillige Christen bandeln bei Himmlisch-Plaudern.de an, alleinstehende Satanisten bei Schwarzesglueck.de.

Es gibt nicht nur efolgreiche Partnerbörsen

Angesichts der Masse an Portalen startete eine Parship-Tochter Ende August bereits eine eigene Meta-Suchmaschine für die Rasterfahndung nach dem Glück. Über solista.com sollen Bindungswillige nun parallel bei verschiedenen Anbietern suchen – wobei sich die Auswahl regelmäßig ändert.

So erlag die blutgruppenbasierte Partnersuche mit dem klangvollen Namen Rosso Di Amore jüngst der Mitglieder-Anämie. Auch Reiterflirt, eine Plattform für Pferdefreunde, wurde vom Betreiber wieder abgehalftert. Zu überschaubar scheinen die Nutzerzahlen, als dass sich mit dem Gros der Nischenplattformen auf Dauer Geld verdienen ließe. In der Summe machen sie den Branchengrößen aber dennoch zu schaffen.

Dabei schien der Markt keine Grenzen zu kennen, als am Valentinstag 2001 mit Parship eine der ersten Online-Partnerbörsen Europas startete und ein jahrhundertealtes Gewerbe umkrempelte.

Am 29. September 1650 erschien in London die vermutlich erste Kontaktanzeige. Sir John Dimly, Lord of Manor of Charleton and Henry Castle, wünschte „einen Vertrag der Ehe mit einer jungen Frau zu schließen“, egal, „ob sie Jungfrau oder Witwe ist“. Sein Interesse galt vielmehr den pekuniären Aspekten der Liaison: „Die Frau muss ein eigenes Vermögen von 300 Guineas besitzen“, ließ Dimly wissen. Ob der Lord erfolgreich war, ist nicht überliefert. Die Kontaktanzeige als Instrument der Partnersuche begann jedoch ihren Siegeszug.

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