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Singlebörsen Bunga-Bunga-Business

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Friedhof der Profile

Ohnehin hat die Branche mit ihrem Image zu kämpfen, was weniger an ihren verruchten Diensten als am teils windigen Geschäftsgebaren in früheren Zeiten liegt. Vor allem die Versprechungen vieler kleinerer Anbieter gelten noch immer als ähnlich valide wie die Selbstbeschreibungen mancher Nutzer. Die nach eigenem Befinden

„dralle Rubens-Prinzessin“ erweist sich im bürgerlichen Leben als schlichte Pummelfee, der angeblich pulsierende Kontaktbasar als Friedhof der Profile. Zudem ist nicht auszuschließen, dass professionelle Sexarbeiterinnen auf den Portalen auf Kundenfang gehen oder die Betreiber selbst ihre Nutzer über Lockvögel schröpfen.

Letzteres dürfte bei den namhaften Anbietern aber tabu sein, schon aus Angst, dass sich Abzockvorwürfe im Web verbreiten. „Durch den Einstieg großer Unternehmen wird das Segment insgesamt seriöser“, sagt Marktbeobachter Henning Wiechers, der die Internet-Seite Single-Börsenvergleich betreibt.

Partner findern per GPS

Der Experte erwartet, dass das zügellose Treiben demnächst auch die Smartphones erobert. „Der Gay-Bereich gilt als Datingavantgarde“, sagt Wiechers. Und in der Szene sorgt etwa das Angebot Grindr für Furore.

Dahinter verbirgt sich eine Smartphone-App, die dem Nutzer via GPS-Ortung anzeigt, welche anderen Grindr-Mitglieder sich in der Nähe aufhalten – bereit für ein spontanes Treffen. „Dog-lover looking for doggy-style“, lauten nun die Grußbotschaften aus der Nachbarschaft. Seit Kurzem gibt es das Angebot unter dem Namen Blendr auch für Heterosexuelle.

An einem Segment des Liebesmarktes scheinen derlei Entwicklungen jedoch abzuperlen: der Deluxe-Partnervermittlung, wie sie etwa die Berliner Unternehmerin Christa Appelt für Erben, Manager oder andere zu Wohlstand gekommene Klienten oft per Zeitungsannonce organisiert. Selbst die Tonlage hat sich seit Lord Dimleys Zeit offenbar nur unwesentlich geändert.

Da sehnt sich ein „Einkommens-Millionär“ und nebenher „Ferrari-Fahrer“ nach einer anspruchsvollen Partnerin. Eine Münchner Unternehmertochter („Zweitwohnsitz Côte d’Azur“) sucht Geborgenheit bei einem „lebensgereiften, erfolgreichen Mann“. Das Internet? „Das ist für meine Klienten nichts“, sagt Appelt. „Nicht in dieser Liga.“

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