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Smart Farming Wie die Digitalisierung die Landwirtschaft revolutioniert

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Ersparnis von Zehntausenden Euro

Einer, der inzwischen auf die Vorzüge der digitalen Landwirtschaft schwört, ist Martin Schulze Rötering. Eigentlich sei er kein großer Technikfan, sagt der stämmige 52-Jährige mit der Halbglatze, der im Münsterland vor den Toren Ahlens auf 1000 Hektar Weizen, Raps und Mais anbaut. „Meine Leidenschaft gehört den Pflanzen.“ Daher stapft er auch jetzt trotz Kälte und Regen täglich hinaus auf die lehmigen Felder, um zu sehen, wie sich die Wintergerste entwickelt.

So gut er seine Feldfrüchte kennt, so wenig wusste er lange über die Böden, in denen sie heranreifen. Erst seit seine Mähdrescher im Zwei-Sekunden-Takt erfassen, welche Mengen Korn sie auf jedem Quadratmeter ernten, ist die Beschaffenheit des Ackers kein Geheimnis mehr: Eine bunt gefleckte Ertragskarte aus Grün- und Gelbtönen auf seinem Tablet zeigt genau, was die Krume jeweils hergibt. „Das schwankt enorm“, staunt Schulze Rötering noch heute. „Teils von einem Meter auf den anderen.“

Wie Roboter den Alltag erleichtern
Krankenpfleger Ein Roboter CARE-O-bot, der vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung entwickelt wurde, versorgt eine Bewohnerin eines Pflegeheims mit einem Getränk (undatiert). Auch dieser Roboter unterstützt ältere Menschen im häuslichen Umfeld und das Pflegepersonal in Pflegeeinrichtungen. Quelle: dpa
Der KochBremer Forscher präsentierten 2013 den Roboter „PR2“, der Popcorn machen und Pfannkuchen wenden kann. Das nötige Vorwissen habe sich dieser unter anderem aus dem Internet geholt, sagte Professor Michael Beetz von der Universität Bremen. Sein Team arbeitet zusammen mit sieben europäischen Partnern in einem auf vier Jahre angelegten Projekt an lernfähigen Robotern. Ziel sei es, diese neue Form der Programmierung zunächst bei Robotern anzuwenden, die alte und pflegebedürftige Menschen bei einfachen Aufgaben unterstützen. Diese könnten in den nächsten zehn Jahren einsatzbereit sein. Quelle: dpa
Der BarkeeperDer Roboter "James" des Münchener Fortiss-Institutes für Hightech-Forschung in München (Bayern) ist als Barkeeper programmiert und soll bei einer Interaktion mit Menschen seine Aufgaben nicht nur richtig erledigen, sondern dabei auch auf die sozialen Bedürfnisse seines Gegenübers eingehen. Wer sich bei James bedankt bekommt die Antwort: "Always a pleasure". Quelle: dpa
KuschelrobbeDer weiße Sozialroboter namens Paro soll Demenzkranken Zuwendung schenken. Das mit Sensoren vollgestopfte Kuscheltier reagiert auf Berührung, Licht und Bewegung. Es soll für Demenzkranke Zuwendung simulieren - und ist deswegen vor allem nach einer Messepräsentation 2011 heftig umstritten gewesen. Tritt an die Stelle des Zivildienstleistenden oder der Pflegekraft nun der Sozialroboter? 5000 Euro kostet die schnurrende Pelzattrappe. Quelle: dpa
Putzhilfe mit gutem OrientierungssinnInzwischen schon fast ein Klassiker unter den Haushaltsrobotern ist der autonome Staubsauger. Dieses Modell, ein Samsung Navibot SR 8855, sticht vor allem durch seine Navigationsfähigkeiten heraus. Aus Aufnahmen von einer eingebauten Kamera setzt er ein digitales Abbild des Raums zusammen, den er reinigen soll. Das verhindert laut Hersteller sinnloses Kreuz- und Querfahren wie bei anderen Saugrobotern. Hindernissen weicht der Navibot aus, die eingebauten Sensoren erkennen auch Treppenabsätze. Im Handel gibt es den Navibot ab etwa 320 Euro. Quelle: Presse
Freundlicher KrankenpflegerDieses freundlich dreinschauende Gesicht gehört einem Roboter aus dem Hause Panasonic. Das Modell Hospi-Rimo soll als Kommunikationsplattform für bettlägerige Patienten dienen, die mit dem Roboter von zu Hause aus mit Arzt, Freunden oder Verwandten per Videokonferenz kommunizieren wollen. Der Roboter kann dabei laut Hersteller mit fragilen Ampullen und Medikamenten so vorsichtig umgehen wie eine Krankenschwester. Quelle: Presse
HaarpflegerDieser von Panasonic hergestellte Haarwaschroboter widmet sich der Pflege des Haupthaars von bettlägerigen Patienten. Vollautomatisch kann das Gerät eine komplette Haarwäsche durchführen und dabei eine Spülung einmassieren sowie die Haare nach dem Waschen wieder trocknen. Dabei kommen insgesamt 24 robotische Finger zum Einsatz. Quelle: Presse

Das Wissen verändert die Arbeit drastisch: Der Bauer verteilt Saatgut und Dünger nicht mehr nach dem Gießkannenprinzip, sondern dosiert nach Nährstoffgehalt und Ergiebigkeit jedes Flecken. Auch das übernehmen die rechnergesteuerten Landmaschinen – per Auge wäre es unmöglich.

Diese Präzisionslandwirtschaft hat so gleich zwei Vorteile: Einerseits sinkt die Belastung von Böden, Grundwasser und Luft wegen Überdüngung, andererseits müssen die Bauern weniger Saatgut und Dünger einkaufen. Schulze Rötering spart immerhin rund zwölf Prozent Stickstoff, Kalk, Phosphor und Magnesium ein – umgerechnet einige Zehntausend Euro jährlich.

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    Ebenso kann die Digitalisierung den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln begrenzen. Satellitenbilder vom Zustand des Getreides warnen die Bauern in Kombination mit Wetterdaten auf seinem PC oder per Smartphone früh vor möglichem Schädlingsbefall. So spritzt Schulze Rötering etwa gegen den Mehltau, bevor dieser das Getreide massiv überziehen kann – mit fünf Prozent der Menge, die er vorher brauchte. Und tut das weit vor der Ernte, sodass sich mögliche Reste der Pestizide wieder abgebaut haben.

    Wegen solcher Vorzüge rät auch der Brandenburger Biolandwirt Stefan Palme seinen Gesinnungskollegen, sich nicht dem technischen Fortschritt zu verschließen. Da die Ökobauern auf Kunstdünger ganz und Pflanzenschutzmittel größtenteils verzichten, geht es ihm vor allem um höhere Erträge. In dieser Hinsicht schneiden die Biobetriebe schlecht ab. Laut einer Studie der Berliner Humboldt-Universität erzeugen deutsche Ökobauern auf der gleichen Fläche nicht einmal halb so viel Weizen wie die konventionell arbeitenden Kollegen. „Da müssen wir besser werden“, fordert Palme. Er selbst hat seine Ernte dank Ertragskartierung und computergesteuerter Erntemaschinen um fast zehn Prozent gesteigert. Roboter könnten den Ökolandbau ebenfalls optimieren. „Biobauern könnten vor allem von kleinen Pflanz- und Ernterobotern profitieren, die teure Handarbeit ersetzen“, glaubt Johannes Simons, Agrarwissenschaftler an der Universität Bonn. Gibt der Bauer die niedrigeren Produktionskosten an die Kunden weiter, könnten sogar die immer noch hohen Verbraucherpreise für Ökomöhren oder Biomilch sinken.

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