Smartwatch Wenn die Haut zum Touchpad wird

Das Display zu klein, die Bedienung zu umständlich: US-Forscher habe eine Smartwatch vorgestellt, die sich über Berührungen auf der Hand und dem Arm steuern lässt. Was wir in Zukunft alles über die Haut steuern könnten.

Zocken, Apps öffnen oder Nummern eintippen - und das alles auf der Haut. Quelle: (c) Carnegie Mellon University

Der Blick ist auf den Mini-Rechner am Handgelenk gerichtet. Der Finger fährt langsam über die Haut in Richtung Ellbogen. Noch ein bisschen mehr in Richtung Unterarm. Jetzt sitzt die Schleuder straff, der Finger löst sich vom Arm und sofort fliegt der rote Vogel im „Angry Birds“-Spiel auf der Smartwatch los.

US-Forscher der Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh haben einen Prototypen entwickelt, mit dem sich Wearables per Berührung der Hände und Arme steuern lassen. Ihre „SkinTracker“ haben sie vor Kurzem auf einer renommierten Konferenz für Mensch-Computer-Interaktion in San Jose, Kalifornien, vorgestellt.

Zocken, Apps öffnen, durch das Adressbuch scrollen - die Interaktion auf dem winzigen Display der Smartwatch ist bisher mühsam.

Die Produkte von Apple und Samsung haben zur besseren Navigation kleine Drehräder außen an das Display angebracht, mit teilweise mäßigem Erfolg. Forschung und Industrie wollen nun einen Schritt weiter gehen, um Wearables wie Smartwatch, Datenbrille oder Fitnesstracker attraktiver zu machen.

Wo die Interaktion auf wenigen Zentimeter großen Displays scheitert, sollen sie auf dem Nutzer selbst als Oberfläche weitergehen. Google beispielsweise forscht wie einige andere Unternehmen an smarter Kleidung. Die Vision: Berührt man eine Hose an einer bestimmten Stelle, kann man so beispielsweise einen Anruf aufs Handy an- oder ablehnen. Ähnliche Vorstöße gibt es im Bereich Gestensteuerung, wie etwa im neuen BMW 7er.



Dem Team um US-Informatiker Chris Harrison von der Carnegie Mellon Universität ist das alles aber noch zu umständlich, zu indirekt. Sie setzen voll auf den Menschen. „Unser SkinTrack ermöglicht es, Interaktionen vom Screen der Uhr auf den Arm zu übertragen. So hat der Nutzer eine viel größere Bedienungsfläche“, sagt Harris.

Um über die Haut zu steuern, muss sich der Nutzer einen Ring anziehen, der bei Berührung Wechselspannung in den Körper einbringt. Laut den Wissenschaftlern soll das vollkommen schmerzfrei sein. Das Armband der Uhr enthält Elektroden an unterschiedlichen Positionen, die die Signale des Rings messen und zweidimensional zuordnen können.

Fitnesstracker und Handyersatz: Was Smartwatches können

Eine Software wertet die Daten aus und schickt Befehle an die Uhr. Malt der Nutzer beispielweise den Buchstaben F, könnte sich die Facebook-App öffnen.

Bislang ist vor jeder Nutzung allerdings eine individuelle Einstellungsphase nötig, um solche Befehle durchführen zu können. Hinzu kommt, dass der Akku des Rings relativ schnell leer ist und wieder an den Strom muss.

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