WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Social Media Berufswunsch YouTube-Star

YouTube ist für viele Jugendliche wichtiger als Fernsehen. Viele der YouTube-Stars können inzwischen sogar von ihren Videos im Internet leben. Vier (un)gewöhnliche YouTube-Karrieren.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Das Comedy Trio Y-Titty trifft auf dem VideoDay der Gamescom seine Fans. Quelle: PR

Ein Meer von Teenies kreischt, als die drei YouTube-Comedians Y-Titty die Bühne betreten und ihren Blödelsong „Ständertime“ anstimmen. Endlich sehen die Fans ihre Stars in echt und zum Greifen nah, die sie sonst auf dem Videoportal YouTube im Internet verfolgen. Hunderte von Armen sind nach oben gereckt, Handy- und Kamerabildschirme leuchten in der Dunkelheit: Die Fans bannen ihre Stars sogleich wieder auf digitales Filmmaterial. So wird Y-Tittys Auftritt auf der Gamescom am nächsten Tag wieder vielfach auf YouTube zu bewundern sein. 

Auf der Gamescom, der weltweit größten Computer- und Videospielmesse in Köln, fand am Sonntag der VideoDay statt, Europas größtes Treffen von YouTubern – wie sie sich selbst nennen. Die erfolgreichsten deutschen YouTube-Stars traten live auf, verteilten Autogramme und waren für Schnappschüsse und ein Schwätzchen mit den Fans zu haben. Die Tickets für das Event, das dieses Jahr zum dritten Mal stattfindet, waren seit Monaten ausverkauft. 4.000 deutsche Fans konnten ihre Internet-Stars persönlich treffen, zeitgleich fand in London das englische YouTuber-Treffen mit 2.000 Teilnehmern statt.

Video killed the TV-Star

Die YouTube-Stars JuBaFilms tanzen live auf der Bühne des VideoDay. Quelle: PR

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die Beliebtheit der Video Plattform YouTube wächst rasant. 2005 gegründet, übernahm Google ein Jahr später das Internet-Portal, auf dem die Benutzer kostenlos Videos ansehen oder selbstgedrehte Videos hochladen können. Die Auswahl ist breit: professionelle Musikclips, Film- und Fernsehausschnitte, Kinotrailer, selbstgemachte Parodien, Video-Ratgeber, nachgesungene oder eigene Songs – ein Sammelsurium aus allem, was auf Video gebannt werden kann.

    Schon jetzt bräuchte man vier Milliarden Stunden, um alle Videos anzuschauen und minütlich wird es mehr: Im vergangenen Jahr luden YouTuber 24 Stunden Videomaterial pro Minute auf das Internetportal hoch, dieses Jahr sind es schon 72 Stunden pro Minute.

    Der Erfolg liegt wohl darin, dass jeder mit einfachen Mitteln und minimalem technischen Know-how die eigene Kreativität ausleben und als Videos veröffentlichen kann. Die gegenseitige Inspiration und der Austausch unter den Nutzern beflügelt die Beliebtheit des Videoportals. Noch dazu sind die Filmchen jederzeit und überall abrufbar, ob auf PC, Tablet oder Smartphone. Das durchgetaktete Fernsehprogramm kommt dagegen beim jungen Publikum immer weniger an.

    Ein zusätzlicher Anreiz für kreative YouTuber ist das Partner-Programm, das YouTube seit 2007 betreibt. Die Mitgliedschaft ist kostenlos. Bewerber müssen keine bestimmten Fähigkeiten aufweisen, sondern sich lediglich an die Richtlinien halten: Sex, Drogen und Gewalt, sowie Urheberrechtsverletzungen sind tabu. Sind die YouTuber einmal Partner, bekommen sie Tipps für bessere Videos und Ratschläge, wie sie mehr Fans anlocken können. Was nach einem selbstlosen Nachwuchsförderprogramm klingt, basiert jedoch auf einem klaren Geschäftsmodell. Denn während oder vor den Videos der YouTuber können Werbepartner ihre Spots einblenden. Je mehr YouTube-Nutzer sich die Spots anschauen, desto mehr Werbeeinnahmen fließen. Diese teilt sich YouTube mit den YouTubern, die die Videos hochgeladen haben. Genaue Zahlen gibt das Unternehmen nicht bekannt. Matt Glotzbach, der Geschäftsführer für Europa, belässt es bei einer groben Schätzung: mehr als 50 Prozent der Werbeeinnahmen fließen an die Video-Produzenten. Je mehr Klicks die Videos also erzielen, desto mehr Cash fließt an YouTube und seine Video-Stars.

    Dieses Geschäftsmodell ermöglichte es den drei Jungs von Y-Titty seit ungefähr zwei Jahren hauptsächlich von den Werbeeinnahmen ihrer YouTube-Blödelvideos zu leben. Wie viel das genau ist, wollen sie allerdings nicht verraten. TC meint: „Wir verdienen deutlich mehr als Hartz IV, aber einen Ferrari haben wir nicht vor der Tür stehen.“ Y-Titty begann 2006 aus Langeweile, wie sie selbst sagen, gelegentlich Videos zu drehen und sie auf YouTube hochzuladen. Mit den Parodien des Musikvideos „Love the way you lie“ von Eminem und Rihanna, sowie Sketchen zur Twilight-Kinoreihe hatte das Trio seinen großen Durchbruch. Inzwischen haben 589.000 Fans den YouTube-Kanal von Y-Titty abonniert. Ein YouTube-Kanal bündelt die Videos eines YouTubers und benachrichtigt die Abonnenten, sobald ein neues Video des Kanals online ist. Wenn die Fans so kein Video mehr verpassen, hilft das auch den Klickzahlen der Stars – die Kasse klingelt.

    Die Präsenz auf YouTube beschert Y-Titty aber nicht nur dicke Werbeeinnahmen. Sie veröffentlichten bereits zwei selbstgeschriebene Songs, die sie als Download verkauften: „Ständertime“ aus dem vergangenen Jahr, schaffte es bis auf Platz 48 der deutschen Charts, der diesjährige Hit „Der letzte Sommer“ stürmte gerade von Null auf Platz 15. Auch Fernsehsender zeigen Interesse. Demnächst startet Y-Titty eine eigene Comedy-Show auf RTL2. Der Erfolg auf YouTube eröffnet also auch andere Einnahmequellen.

    Y-Tittys Erfolg liegt nicht nur an ihren witzigen Videos, sondern auch am Austausch mit den Fans. Unter jedes YouTube-Video können die Nutzer Kommentare schreiben, die sich das Comedy-Trio zu Herzen nimmt. Auch über Facebook und Twitter nimmt Y-Titty Ideen und Kritik ihrer Fans auf. Phil sagt ganz klar: „Wir haben schon Sachen ausprobiert, die unseren Fans nicht gefallen haben. Dann haben wir es eben wieder gelassen, ganz klar.“ Auch Anregungen ihrer Fans für neue Parodien und Sketche nehmen die jungen Comedy-Stars, alle um die zwanzig, gerne auf.

    Momentan ist Bastian in Vollzeit als Wohnprinz beschäftigt. Die Einnahmen aus seinen YouTube Videos, in denen er seit 2010 Einrichtungs- und Wohntipps gibt, von der Do-it-yourself-Deko bis zu teuren Shopping-Empfehlungen, bezahlen ihm locker alle Rechnungen. Die Entwicklung erstaunt Bastian selbst am meisten: „Ich habe als Laie angefangen, mit einfachen Videos von meiner Laptop-Kamera, und mich langsam zum Profi gesteigert, mit besserem Equipment und einem genauen Sendeplan.“ Das Geheimnis seines Erfolgs war wohl das richtige Timing: Während es in England und den USA schon sehr viel früher Deko-Vlogs gab, war der Wohnprinz einer der ersten YouTube-Einrichtungsberater Deutschlands. Er selbst schätzt, dass die Authentizität der Videos viele Nutzer erst zu Fans gemacht hat. Denn er ist ein normaler Typ wie du und ich, bastelt eigenhändig die Deko und dreht fast alle seine Videos bei sich daheim: „Meine Wohnung ist inzwischen zum größten Dekolager Lübecks angewachsen.“  

    Auch Einrichtungshäuser und Dekorationshersteller schicken ihm schon mal Produkte nach Hause, in der Hoffnung von Bastian auf YouTube empfohlen zu werden. Doch der Wohnprinz ist da skeptisch. Spätestens als einmal ein Lastwagen vor seinem Haus hielt und ihm ein Sofa vor die Tür stellte. Seitdem ist seine Privatadresse aus dem Netz verschwunden und interessierte Firmen können ihn mit den Angeboten nur noch übers Netz erreichen. Der Wohnprinz ist wählerisch, sucht sich nur die Vasen und Kerzenständer aus, die er wirklich empfehlenswert findet. Er ist auf Gratisprodukte auch nicht angewiesen, die Einnahmen sprudeln aus den Videos. Bastian, der Wohnprinz, plant sich mit Hilfe seiner Netzbekanntheit auch bald in der Realität als Einrichtungsberater zu verwirklichen.

    Inhalt
    Artikel auf einer Seite lesen
    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%