Social Media Das leise Ende der VZ-Netzwerke

Jetzt ist es raus. SchülerVZ wird als erstes der VZ-Netzwerke eingestellt. Und das, obwohl die Verantwortlichen gerade auf das Netzwerk der Jugendlichen gesetzt hatten.

Das Logo der VZ-Netzwerke: Die VZ-Netzwerke betreiben die sozialen Netzwerke meinVZ, schuelerVZ und studiVZ. Quelle: dapd

Die Ära der VZ-Netzwerke nähert sich offenbar dem Ende. Den Anfang macht das Soziale Netzwerk SchülerVZ, das angekündigt hat am 30. April seine Plattform SchuelerVZ.net endgültig dicht zu machen. „Mit der Schließung werden alle deine Inhalte und Daten vollständig und unwiederbringlich gelöscht“, heißt es dort. Der Eigentümer der VZ-Netzwerke, die Investmentgesellschaft Vert Capital, bestätigte nach einem Bericht von "Spiegel Online" diesen Schritt. Etwa 200.000 Nutzer sollen betroffen sein. Vor anderthalb Jahren soll SchülerVZ noch fünf Millionen Nutzer gehabt haben.
Die Gesellschaft Vert Capital, die unter anderem hinter dem kalifornischen Online-Netzwerk Bebo steckt, hatte die VZ-Netzwerke im September 2012 von Holtzbrinck Digital übernommen. Neben SchülerVZ für Nutzer zwischen zehn und 21 Jahren gehören auch die Netzwerke StudiVZ und MeinVZ dazu. Holtzbrinck war ein Jahr nach der Gründung im Jahr 2006 mit zwei Millionen Euro zum größten Investor geworden. Schon damals waren die einst hohen Nutzerzahlen massiv in den Keller gerutscht. Entgegen vieler Skeptiker kündigte Vert Capital an, die Netzwerke weiter betreiben und ihre Funktionen erweitern zu wollen. Sieben Monate später folgt nun also die Schließung von SchülerVZ.

Die Geschichte von Facebook
April 2013Mark Zuckerberg stellt die neue Funktion Facebook Home vor. Die Software ist für Android verfügbar und legt sich wie ein Filter zwischen das Google-Betriebssystem und den Desktop. Mit der Installation wird der Facebook-Newsfeed zur ersten Benutzeroberfläche. Ein Angriff auf Google. Quelle: AP
Januar 2013Mark Zuckerberg stellt im Rahmen einer Pressekonferenz das neue Tool
30. Januar 2012Facebook wächst weiter und auch die mobile Werbung nimmt Fahrt auf. Doch die Margen schrumpfen, unter dem Strich bleibt weniger übrig. Die Kosten steigen und es wird massiv investiert. Die Börse reagiert mit Verunsicherung. Das Umsatzwachstum im Weihnachtsquartal von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 1,58 Milliarden Dollar übertraf sogar die Analystenschätzungen von im Schnitt 1,53 Milliarden Dollar. Doch dem weltgrößten Social Network laufen die Kosten davon. Der Nettogewinn des Unternehmens aus dem kalifornischen Menlo Park fiel im Jahresvergleich um dramatische 79 Prozent auf nur noch 64 Millionen Dollar. Nachbörslich verlor die Aktie in der Spitze bis zu zehn Prozent, erholte sich später aber wieder leicht. Weitere Informationen. Quelle: REUTERS
24. September 2012: Schwarzer Börsen-TagDie Facebook-Aktie hat einen ihrer schwärzesten Tage seit dem Börsengang im Mai erlebt. Sie verlor bis zum Börsenschluss in New York mehr als 9 Prozent auf 20,79 Dollar. Grund für den Einbruch waren erneut hochgekochte Zweifel daran, dass das Soziale Netzwerk seine überlebenswichtigen Werbeeinnahmen wie erhofft steigern kann. Quelle: dpa
18. Mai 2012Facebook geht erstmalig an die Börse und muss schon wenige Tage später eine Schlappe einstecken. Die Aktie fiel auf 13,1 Prozent. Quelle: dapd
Mann sitzt vor einem Skype-Bildschirm
Facebook-Fanpage der Queen Quelle: rtr

Ein Jahr vor der Gründung des ersten Netzwerks StudiVZ hatte Mark Zuckerberg Facebook ins Leben gerufen. Die Konkurrenz aus den USA sollte erst einige Jahre später auch in Deutschland ankommen. Anfangs wurde das Portal vor allem von Personen genutzt, die einige Zeit im Ausland gelebt hatten und den Kontakt zu Freunden aus der Zeit halten wollten. Seitdem es Facebook auch auf Deutsch gibt, sind massenhaft User von den VZ-Netzwerken zur amerikanischen Konkurrenz geströmt. Nicht zuletzt das größere Angebot durch Applikationen von Drittanbietern macht das Portal attraktiv. Als dann auch noch der Facebook-Like-Button auf anderen Homepages eingebunden werden konnte, verloren die VZ-Netzwerke in der öffentlichen Wahrnehmung zusehends an Bedeutung.

Am deutlichsten zeigt sich das an der Entwicklung der Nutzerzahlen. Von 2011 auf 2012 haben sich Nutzerzahlen laut Statistik-Portal Statista monatlich um 77 Prozent verringert. Als wolle man den Mitgliederschwund nicht sehen, kommentierte Jason Thonis, Unternehmenssprecher von Vert Capitol, zum Zeitpunkt der Übernahme: „Die Jugendlichkeit der VZ-Netzwerke in Kombination mit einer nach wie vor breiten Nutzerbasis und einer etablierten Marktposition in Deutschland sind ausschlaggebend für die heutige Akquisition, die ausgezeichnet zu unseren Investitionsschwerpunkten passt. Für die Neuausrichtung der VZ-Netzwerke haben wir erste gute Ideen und sind zuversichtlich, mit unserer breiten und fundierten Erfahrung erfolgreich zu sein.“

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