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Social Media Google bekommt ein Image-Problem

Noch nie sah sich Google mit derartig anhaltender öffentlicher Kritik aus dem Unternehmen sonst zugeneigten Kreisen konfrontiert. Durch die strategische Neuausrichtung rund um das neue soziale Netzwerk Google+ entsteht ein ernsthaftes Image-Problem.

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So löschen Sie die Google-Daten
Was ändert sich?Trotz massiver Proteste hat Google am Donnerstag seine umstrittene neue Datenschutzerklärung weltweit in Kraft gesetzt. Der Internet-Riese vereinheitlicht damit die Richtlinien für mehr als 60 einzelne Dienste und wertet gleichzeitig die Nutzerdaten aller Produkte gesammelt aus. Mit der Einführung der neuen Regeln setzte sich das Unternehmen über Bedenken von Datenschützern und Politikern in Europa und den USA hinweg, die Zweifel an der Rechtmäßigkeit geäußert hatten. Google hatte erklärt, mit der Zusammenführung der Daten die „Nutzung unserer Produkte noch unkomplizierter und intuitiver“ machen zu wollen, zum Beispiel über eine verbesserte personalisierte Suche. Zudem könne man so passendere Werbung anzeigen - das Kerngeschäft des Unternehmens. Der bekannteste Google-Dienst ist die Suchmaschine, doch das Unternehmen bietet Dutzende anderer Produkte an, etwa GMail/Google Mail, die Büro-Software Docs, den Kartendienst Google Maps, das Videoportal Youtube, das Soziale Netzwerk Google+ und das Smartphone-Betriebssystem Android. Seit dem 1. März werden alle Informationen, die Nutzer bei verschiedenen Diensten des Konzerns hinterlassen, gesammelt ausgewertet. Dies werde den Nutzern Vorteile in Form von relevanteren Suchergebnissen und Werbeanzeigen bringen, erklärte der Internet-Konzern. Dazu wurden die Datenschutzbestimmungen vereinfacht und zusammengeführt - statt rund 60 einzelner Dokumenten für verschiedene Dienste gibt es nun nur noch eins. Allerdings ist die neue Datenschutzerklärung ausgedruckt immer noch stattliche acht DIN-A4-Seiten lang. Die Daten würden nach wie vor nicht nach außen verkauft, betont Google. Datenschützer kritisieren allerdings, dass die Daten nun über alle Google-Dienste hinweg ausgewertet werden würden. Quelle: dapd
Was weiß Google über mich?Google geht sehr transparent mit den Daten um, die das Unternehmen über Sie sammelt – Sie müssen nur wissen, wo Sie diese einsehen können. Unter der Adresse https://www.google.com/history/ finden Sie alles, was Sie jemals bei Google gesucht haben – sofern Sie dabei mit einem Google-Account eingeloggt waren. Dort haben Sie auch volle Kontrolle über diese Daten und können die Webhistory komplett löschen („Remove all Web History“). Ein Klick auf das Kästchen links deaktiviert das Suchprotokoll von Google. Dann werden die Suchen bei Google nicht weiterhin mitprotokolliert. Ebenfalls lohnend ist ein Blick auf http://google.de/ads/preferences. Dort listet Google alles auf, was das Unternehmen über Sie persönlich zu wissen glaubt: Alter, Interessen und Geschlecht schätzt das Unternehmen anhand der von Ihnen bei Google eingegeben Daten. Diese Informationen nutzt Google, um bei Diensten wie Google Mail und im Web auf Sie zugeschnittene Werbeanzeigen anzuzeigen. Unter dem Punkt „Meine Kategorien“ können Sie Ihre Daten jederzeit komplett entfernen oder bearbeiten. Außerdem können Sie unter der oben angegeben Adresse die personalisierte Werbung von Google auch komplett deaktivieren. Eine Übersicht über alle Dienste, über die Google Daten von Ihnen sammelt bietet das Dashboard. Quelle: dpa
Was sagen Datenschützer zu den neuen Bestimmungen?Der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix (Foto) kommentiert die neuen Google-Bestimmungen wie folgt: „Es deutet alles darauf hin, dass hier geltendes europäisches Datenschutzrecht verletzt wird.“ Mit der Zusammenlegung der Richtlinien für 70 Google-Dienste werde es möglich, Nutzerprofile über die verschiedenen Dienste hinweg anzulegen. Die neuen Google-Richtlinien werden zurzeit von der französischen Datenschutzkommission überprüft, die bereits ebenfalls Zweifel an der Rechtmäßigkeit geäußert hat. In zwei bis drei Monaten wird mit einem Ergebnis gerechnet. Denkbar ist die Verhängung eines Bußgelds gegen Google. „Es geht nicht darum, wie hoch die Geldstrafen sind, sondern wie hoch der öffentliche Imageverlust ist. Der könnte beträchtlich sein“, so Datenschützer Dix. Die Datenschutzbeauftragten in Europa hatten Google Anfang Februar gebeten, die Umsetzung seiner neuen Richtlinien für den Umgang mit Nutzerdaten bis auf weiteres auszusetzen. In einem Brief an Google-Chef Larry Page rief der nach einer Richtlinie des Europaparlaments benannte Arbeitskreis Artikel 29 das Unternehmen zu einer Pause bis zum Abschluss der eigenen Überprüfung auf. Google lehnte daraufhin eine Verschiebung ab. Quelle: action press
Was sagen Verbraucherschützer zu den neuen Bestimmungen?Vorteilhaft für den Nutzer seien die vereinheitlichen Datenschutzbestimmungen nur auf den ersten Blick, urteilt auch die Stiftung Warentest. „Google bleibt in den Formulierungen auffällig vage und räumt sich auf diese Weise weitreichende Rechte ein, die nach deutschem Recht angreifbar sind“, urteilt die Stiftung auf ihrer  Website. Die etwa neunseitige Erklärung wimmele geradezu von äußerst dehnbaren Formulierungen wie „möglicherweise“ (15 Mal) und „gegebenenfalls“ (zehn Mal). „Unter Umständen verknüpfen wir personenbezogene Daten aus einem Dienst mit Informationen und personenbezogenen Daten aus anderen Google-Diensten“, heißt es dort zum Beispiel. Damit wisse ein Nutzer nicht, ob und wann es zu einer Verknüpfung kommt und ob er jemals etwas davon erfährt. Das sei nach deutschem Recht unzulässig. Die Stiftung Warentest empfiehlt, die eigenen Internet-Aktivitäten auf möglichst viele Anbieter zu verteilen. Googles Sicht der Dinge erläutert Alma Whitten, Director of Privacy, Product and Engineering, in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Quelle: Reuters
Warum führt Google die Daten verschiedener Dienste zusammen?Das Unternehmen führt zwei Gründe an. Zum einen verspricht es sich von der Verzahnung eine Verbesserung seiner Produkte. Dafür hat es in seinem Blog ein Beispiel genannt: Wenn ein Nutzer nach Restaurants in München sucht, bekommt er in Zukunft nicht nur die Ergebnisse des Such-Algorithmus präsentiert, sondern - wenn er bei Google angemeldet ist - möglicherweise auch Fotos, die seine Google+-Kontakte in der bayerischen Landeshauptstadt gemacht haben. Zum anderen will das Unternehmen seine Anzeigen besser auf den einzelnen zuschneiden. Personalisierte Werbung gilt als besonders lukrativ. Quelle: dpa
Auf Browser-History achtenNicht nur andere zeichnen ihren Weg durchs Web nach, auch auf Ihrem eigenen PC werden die Informationen, wo im Web Sie sich aufgehalten haben, gespeichert. Ihr Browser merkt sich in der Standardeinstellung, welche Seiten Sie bereits besucht haben über die sogenannte Browser-History. Diese lässt sich in den Einstellungen des Browsers löschen. Wenn Sie wollen, dass eine oder mehrere bestimmte Seiten in dieser History nicht auftauchen, gibt es dafür bei allen modernen Browsern einen Privatsphäre-Modus. Ein in diesem Modus geöffnetes Fenster speichert weder Webadressen in der History noch Cookies – diese werden zwar angenommen aber nach dem Ende der Browser-Session automatisch gelöscht. Der Internet Explorer besitzt diesen Modus seit Version 8 ( Extras -> InPrivate Browsen), auch Googles Chrome ( Werkzeug-Symbol -> Neues Inkognito-Fenster), Apples Safari ( Bearbeiten -> Privates Surfen) und der Mozilla Firefox ( Extras –> Privaten Modus starten) besitzen einen solchen Modus. Im Privatsphäre-Modus werden auch andere Datenspuren auf dem eigenen PC gelöscht, wie beispielsweise die Download-History. Quelle: dpa/picture alliance
Zombie-Cookies zu Leibe rückenWesentlich aggressiver als herkömmliche Cookies gehen sogenannte Zombie-Cookies. Dazu gehören beispielsweise Cookies, die über das Multimedia-Plugin Adobe Flash auf dem PC platziert werden. Sie bleiben wesentlich länger auf dem Computer, sammeln mehr Informationen und können mit vielen Standard-Programmen nicht gelöscht werden. Bei dem Versuch sie loszuwerden, löschen sie nur Teile der Datei, die sich später wieder regenerieren können. Für den Browser Firefox gibt es die kostenlose Erweiterung Better Privacy, die Zombie-Cookies zu Leibe rückt. Außerdem können die Cookies zum Teil auch blockiert werden: Dazu müssen Sie zunächst die Flash-Player Einstellungen über die Systemsteuerung im Startmenü öffnen. Klicken Sie auf Flash Player. Bestätigen Sie mit einem Häkchen die Option „Verhindert, dass Websites Informationen auf diesem Computer speichern“. Quelle: dapd

Im Web gelesene Artikel, auf die ich eventuell zu einem späteren Zeitpunkt in einem eigenen Beitrag Bezug nehmen möchte, speichere ich beim Social-Bookmarking-Dienst Diigo.

Ende des vergangenen Jahres beschlich mich der Eindruck, eine wachsende Zahl von Texten im Netz befasse sich kritisch mit dem aktuellen Treiben von Google. Und weil der Such- und Werbegigant nun einmal das tonangebendste Internetunternehmen der vergangenen Dekade war und damit auch bei uns einen wichtigen Gegenstand der redaktionellen Berichterstattung darstellt, entschloss ich mich, fortan Links zu Google-kritischen Beiträgen bei Diigo mit einem eigenen Tag zu versehen. Einfach, um rückwirkend schnell einige entsprechende Artikel zur Hand zu haben, falls dies erforderlich sein würde. Zumal es eine gewisse Bedeutung hat, wenn der einstige, nahezu uneingeschränkte Liebling von Web-Enthusiasten und Tech-Geeks plötzlich in den einschlägigen Branchenblogs mit Vorwürfen und Verrissen bedacht wird.

Ganze 23 Beiträge mit dem Schlagwort “Googlefail” befinden sich mittlerweile in meinem Diigo-Archiv (rückwirkend betrachtet hätte ich es besser “Googlekritik” nennen müssen, aber dazu ist es nun zu spät), darunter auch so legendäre Texte wie der jüngst bei Gizmodo erschienene “The Case Against Google” sowie der des ehemaligen Google-Mitarbeiters James Whittaker.

Wo Unternehmen zu Datenkraken werden
Apple iPhone 4 Quelle: rtr
Unzulässige Blankoschecks beim DatenschutzAuch Google hat nicht umsonst den Ruf ein „Datenkrake“ zu sein. Die von der „Chip“ beauftragten Rechtsexperten fanden bei Google folgenden Passus: „Wir stellen solche Informationen [personenbezogene Daten] unseren Tochtergesellschaften, Partnerunternehmen oder anderen vertrauenswürdigen Unternehmen oder Personen zur Verfügung, die personenbezogene Daten in unserem Auftrag verarbeiten.“ Derart weit gefasste Datenschutzbestimmungen sind mit dem deutschen Datenschutzrecht nicht einmal ansatzweise vereinbar, so die Rechtsexperten. Quelle: dapd
Google nutzt seine zahlreichen Dienste, um die Interessen der Nutzer zu speichern und so personalisierte Werbung ausliefern zu können. Der wichtigste Indikator für Google, um festzustellen, welche Werbung den Nutzer interessieren könnte, ist bei der Websuche natürlich der eingegebene Suchbegriff - das funktioniert auch ganz ohne Personalisierung. Daneben wird aber beispielsweise auch Werbung in anderen Dienst wie Google Mail personalisiert angezeigt, je nachdem, welche Stichworte ein automatisierter Algorithmus in den E-Mails entdeckt. Insgesamt sammelt Google Daten über alle angebotenen Dienste hinweg - sei es Youtube, Google Mail, Picasa oder die Websuche. Für die personalisierte Werbung werden alle die auf verschiedenen Plattformen gesammelten Daten verknüpft. Welche Informationen Google über Sie gesammelt hat, können Sie als eingeloggter Benutzer unter http://google.de/ads/preferences einsehen - und dort die Cookies auch löschen lassen. Quelle: dapd
Ebenso vernichtend ist das Urteil der Experten zu den Datenschutzbestimmungen von Facebook: „Komplett wirkungslos“, urteilt der Datenschutz-Anwalt Martin Bachmann von der Kanzlei Hild & Kollegen laut „Chip“. Allein schon die Länge der Bestimmungen widerspreche dem im deutschen Datenschutzrecht vorgeschriebenen Transparenzprinzip. Quelle: dapd
Facebook sammelt auch auf externen SeitenFacebook ist dabei auch besonders wissbegierig. So sammelt Facebook nicht nur auf der eigenen Website Daten, sondern auch auf allen, die den „Gefällt mir“-Knopf eingebaut haben. Welche Daten das soziale Netzwerk damit mit auf externen Webseiten sammelt, kommt darauf an, ob der Nutzer Mitglied bei Facebook ist oder nicht. Von Nicht-Mitgliedern wird die IP-Adresse an das Unternehmen übertragen. Diese eindeutige Zahlenkombination bekommt ein Internetnutzer zugewiesen, wenn er sich ins Internet einwählt - sie funktioniert wie das Nummernschild am Auto. Bei deutschen Nutzern werden die letzten Stellen der Ziffernfolge allerdings gestrichen, sodass die Daten anonym sind. Von Mitgliedern wird mehr übertragen: Unter anderem die Seite, auf welcher der Facebook-Knopf geladen wurde, die Uhrzeit und der Browsertyp, den der Surfer nutzt. Ob jemand Mitglied ist, erkennt Facebook an einem Cookie, einer kleinen Textdatei, die beim Einloggen auf seinem Computer gespeichert wird. Abhilfe: Selbst wenn Sie Facebook-Mitglied sind, können Sie sich ausloggen und die Cookies löschen. Dann werden Sie von Facebook wie ein Nicht-Mitglied behandelt und bleiben anonym. Quelle: dpa
Was passiert mit den Daten, die im Internet über mich gesammelt werden?Oft werden die Informationen für Werbung verwendet, die genau auf den jeweiligen Nutzer zugeschnitten ist. Arbeitgeber nutzen das Internet auf der Suche nach Informationen über Bewerber. Die leichtsinnige Preisgabe persönlicher Daten kann aber auch finanzielle Folgen haben. So nutzen Kriminelle immer wieder Kreditkarten-und Bankverbindungsdaten, um illegal Geld abzubuchen. Quelle: dapd
Apps als DatenfalleAuch die Nutzungsbedingungen der beliebten Apps für Smartphones waren in der Vergangenheit Gegenstand heftiger Kritik. So sendet sowohl die iPhone- als auch die Android-Version der beliebten Musik-App Pandora persönliche Angaben wie Alter und Geschlecht des Nutzers sowie Gerätedaten an Online-Werbepartner, wie das " Wall Street Journal" (WSJ) in einem groß angelegten Test bereits im Dezember 2010 herausfand. Beliebte Gratis-Apps wie das iPhone-Spiel Paper Toss sendeten persönliche Informationen von Nutzern an mindestens fünf Werbeunternehmen, berichtete die Zeitung damals. Insgesamt stellten sich von den 101 untersuchten beliebten Mini-Programmen für iPhone und Android-Smartphones 56 als Spione heraus, weil sie die Geräte-ID an Dritte sendeten, ohne dafür die Erlaubnis des Nutzers einzuholen. 74 Apps sendeten den Standort des Geräts. Fünf Softwarehersteller waren besonders wissbegierig und ließen sich gleich noch Informationen zu Alter oder Geschlecht schicken.  Quelle: dpa

Gerade speicherte ich einen weiteren sogenannten “Rant”, der am Abend bei TechCrunch erschien und der beschreibt, wie Google mit seinem sozialen Netzwerk Google+ sämtliche Chancen hat verstreichen und die meisten Schwächen von Facebook in einem eigenen Social Network hat nachbauen lassen, ohne dessen Vorzüge zu übernehmen.

An dieser Stelle soll es jedoch nicht darum gehen, inwieweit der zunehmende kritische Blick auf das bisherige Ausnahmeunternehmen gerechtfertig ist und ob Google+ – das hochpriorisierte Projekt, das im Endeffekt direkt oder indirekt hinter jeder unpopulären Veränderung und einschneidenden Maßnahmen des Konzerns steht – nun als Flop bezeichnet werden muss oder nicht.

Branchenbeobachter distanzieren sich von Google

Es muss nicht immer Google sein
Screenshot der Google-Homepage Quelle: Screenshot
Screenshot der Bing-Homepage Quelle: Screenshot
Screenshot der DuckDuckGo-Hompegae Quelle: Screenshot
Screenshot der Blekko-Homepage Quelle: Screenshot

All das zählt am Ende nämlich nicht. Was zählt, ist die vielerorts zu beobachtende Distanzierung von dem Unternehmen, das über so lange Zeit äußerst erfolgreich seinen ungewöhnlichen – und zumindest jetzt unvorteilhaften – Slogan “Don’t be evil” vor sich hergetragen und nach diesem gehandelt hat. Doch mittlerweile schrumpft die Gruppe derjenigen, die Google weiterhin seinem Motto treu bleiben sehen, während parallel immer mehr Journalisten, Analysten und Blogger ihre rosarote Brille abnehmen, wenn sie die Geschehnisse in Mountain View thematisieren (und damit meine ich nicht chronische Google-Kritiker einschlägiger deutscher Holzmedien).

Google betreibt noch immer zahlreiche Dienste, die Millionen von Internetnutzern lieben und täglich mit Begeisterung verwenden – von der klassischen Suche über Google Mail und YouTube bis hin zu Google Docs und Android. Doch gleichzeitig ist zumindest in Kreisen von Meinungsführern und profilierten Tech-Autoren ein merklicher Sympathieverlust zu vernehmen. Nicht bei allen, wohlgemerkt. Aber der Blick auf meine Diigo-Sammlung sollte auch denjenigen zu denken geben, die bisher der Ansicht sind, bei Google sei alles in Butter. Denn viele Kollegen haben offenbar einen anderen Eindruck.

Alles eine Frage der Einstellung
Facebook - Startseite Quelle: Screenshot
Facebook - Posting Quelle: Screenshot
Facebook - Privatsphäre-Einstellungen Quelle: Screenshot
Facebook - Privatsphäre Quelle: Screenshot
Facebook - Individuelle Privatsphäre Quelle: Screenshot
Facebook - Funktionsweise von Markierungen Quelle: Screenshot
Facebook - Chronik beschränken Quelle: Screenshot

Und dieser Eindruck, der über die verschiedenen, oft bei Netzinteressierten eine hohe Reichweite erzielenden Artikel kommuniziert wird, pflanzt sich fort und führt zu immer neuen Texten mit ähnlich zweifelnder Sichtweise.

Auch wenn man hervorragend darüber streiten kann, ob die derzeitige Neuausrichtung mit Google+ als künftige, sozialere Ausformung von Google nicht trotz des Gegendwindes der richtige Weg sein könnte, so ist augenscheinlich, dass mittlerweile ein fruchtbarer Nährboden für dem Internetgiganten wenig schmeichelhafte Betrachtungsweisen existiert. Und das ist am Ende für Google ungeachtet der Frage einer tatsächlich vorhandenen Fehlentwicklung ein großes Problem.

Google ist Argwohn der Nutzer nicht gewohnt

Welche sozialen Netzwerke wirklich genutzt werden
So lange werden soziale Netzwerke wirklich genutztGoogle+ - Mit allen Mitteln versucht Google sein soziales Netzwerk zum Erfolg zu bringen. Vor allem die Verknüpfung mit den eigenen Diensten wie Google Mail oder Youtube soll Google+ helfen. Seit dem Start haben sich auch immerhin 90 Millionen Nutzer registriert, allerdings bleibt es oft auch dabei. Nach einer Erhebung der US-Marktforscher Comscore haben sich die Nutzer seit September im Schnitt nur drei Minuten pro Monat bei Google+ aufgehalten. Das „Wall Street Journal“ schreibt daher schon von einer „virtuellen Geisterstadt“. Quelle: dapd
Myspace - Selbst das schon oft totgesagte MySpace wird intensiver genutzt – mit acht Minuten sogar fast drei Mal solange wie Google+.
LinkedIn - 17 Minuten pro Monat halten sich die Nutzer des Online-Karrierenetzwerks LinkedIn auf der Seite auf. Für den deutschen Wettbewerber Xing lagen keine Daten vor. Quelle: REUTERS
Twitter - Mit 21 Minuten nur knapp davor liegt der Kurznachrichtendienst Twitter. Allerdings erfasst Comscore nur Besucher der Twitter-Website, gerade die intensiven Nutzer greifen jedoch gern auf spezielle Zusatzprogramme wie Tweetdeck zurück, so dass die echte Zahl höher liegt. Auch die mobilen Zugriffe wurden nicht erhoben, was jedoch alle Netzwerke betrifft. Quelle: dpa
Pinterest - Erstaunlich ist, dass sich zwei relative junge Netzwerke ganz vorn platzieren konnten. So gelang Pinterest mit 89 Minuten der Sprung aufs Treppchen. Auf der Seite können Nutzer Bilder und Netzfundstücke teilen. P interest ist derzeit eine der angesagtesten und am schnellsten wachsenden Seiten überhaupt.
Tumblr - Ebenso lange wie Pinterest wird Tumblr genutzt. Der Dienst bietet ist eine besonders schnelle und einfache Art des Bloggens. Auch bei Tumblr werden oft besondere Fotos geteilt – Musikstar Beyonce Knowles veröffentlichte beispielsweise exklusiv Fotos ihres Babys Blue Ivy Carter auf einer eigenen Tumblr-Seite. Beliebt sind auch die „Looking at Things“-Reihen, beispielsweise von Kim Jong-Il oder Christian Wulff.
Facebook - Mit riesigem Abstand steht Facebook an der Spitze: 405 Minuten halten sich die Nutzer im Schnitt jeden Monat in dm Netzwerk auf.     Quelle: dapd

Denn das Unternehmen hat über Jahre seinen Erfolg, aber auch seine Mitarbeiterbindung auf der hohen Beliebtheit in der Nutzerschaft (alias Bevölkerung) aufgebaut. Niemand weiß im Hause Google, wie man mit einer breiten, mitunter hämischen, aber in jedem Fall lautstarken Front an Kritikern umgeht (auch hier sind die notorischen Google-Nörgler einiger renommierter Verlagshäuser ausgenommen), die sich nicht mehr einfach mit einem neuen bunten Doodle besänftigen lassen. Und nicht jeder Angestellte wird sich dem Unternehmen künftig noch so verbunden fühlen, wenn im direkten Umfeld die Reaktion nicht mehr länger “Du arbeitest bei Google, cool!” sondern eher “Wer nutzt eigentlich Google+?” lautet.

Noch sind Google-Mitarbeiter sehr zufrieden mit ihrem Arbeitgeber. Doch setzt sich die Negativ-Presse fort, droht der Firma ein bisher nicht gekannter Prestige- und Imageverlust, der zur weiteren Abwanderung von wichtigem Personal führen würde und der sich durchaus auch im Werbegeschäft niederschlagen könnte – zumal Anzeigenkunden derzeit ohnehin vor der Frage stehen, ob sie künftig nicht stärker im Social Web statt bei Google werben sollten.

In Arbeit
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Es mag sein, dass Larry Page und das Google-Management der Ansicht sind, die Transformation von Google 1.0 zu Google 2.0 entwickele sich prächtig. Und es mag auch sein, dass viele Kritiker über die Stränge schlagen und Google einzelne Praktiken negativ auslegen, die sie bei Facebook oder Apple kaum beachten würden. Doch am Ende ändert dies nichts an der zunehmenden Feindseligkeit gegenüber Google in einer Sphäre des Internets, in der lange Zeit die größten Unterstützer des Unternehmens zu finden waren. Und darüber muss sich Google große Sorgen machen.

Nach all den Schön-Wetter-Parolen der Vergangenheit wäre es deshalb an der Zeit, dass Google Mittel findet, dem weiteren Ansehensverlust Grenzen zu setzen. Geschieht dies nicht, werden sich die Abgesänge in den Medien fortsetzen. Selbst das stärkste Unternehmen mit dem besten Selbstbewusstsein geht daran irgendwann kaputt. Nicht von heute auf morgen, aber sukzessive.

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