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Social Media Was Pinterest für Investoren attraktiv macht

Pinterest zählt zu den wertvollsten Start-ups der Welt. Kann das Netzwerk Facebook gefährlich werden? Was Pinterest so interessant für Unternehmen und Investoren macht - und welche Probleme es gibt.

Ben Silbermann (links) und Mitgründer Evan Sharp im Atrium von Pinterest Quelle: Gabor Ekecs für WirtschaftsWoche

Unter lichtdurchfluteten Deckenfenstern hängen gestreifte Mini-Heißluftballons. An den Wänden stehen Puppenhäuser, Fahrräder, eine Bar wie aus dem Westernsaloon, Legobausteine, Leuchtreklamen, Geschenkpapier und ein zum Schreibtisch umfunktionierter Ford Mustang. Alles wirkt im Hauptquartier von Pinterest in San Francisco, als ob sich Innenarchitekten und Nostalgiefans gegenseitig übertreffen wollten.

Alle Wege in dem zweistöckigen Lagerhaus aus roten Ziegelsteinen – einst stapelten sich hier Schuhkartons – führen zur Mitte des Gebäudes, die wie ein Marktplatz wirkt. Dort sind lange Tische aufgebaut, an denen Manager und Mitarbeiter essen und diskutieren, flankiert von einer modernen Küche, Kaffeeautomaten und gläsernen Kühlschränken mit Getränken und Joghurtbechern. An diesem Dienstagmittag im späten Oktober gibt es Pizza, Salat und Hühnchen.

Das Auge ist verwirrt. Der Besucher weiß nicht, wohin er zuerst schauen soll. Aber schnell wird klar: Das Chaos ist inszeniert. Es steckt eine Ordnung in den Dingen. Alle Gegenstände haben ihren thematischen Platz, wurden von den Designern bewusst ausgewählt. Das vermeintliche Durcheinander symbolisiert den Zweck von Pinterest. Das Start-up verwaltet ein Sammelsurium von 30 Milliarden Objekten – die größte digitale Wandzeitung des Internets.

Das sind Deutschlands Internetriesen
Platz 10: YouTubeUmsatz 2013: 147 Millionen Euro*Der Video-Kanal schafft es mit zwei Millionen Euro Umsatz Vorsprung auf den elftplatzierten Mobile.de gerade noch in die Top Ten. Diese zehn größten Internetunternehmen generieren gemeinsam bereits 42 Prozent des gesamten Marktumsatzes der Top 1000. Dabei sind Film, Video & TV-Anbieter absoluter Vorreiter beim mobilen Traffic. Fast 56 Prozent der Visits kommen hier von mobilen Endgeräten. Zweitstärkstes Segment mit weitem Abstand sind Nachrichten mit 30,6 Prozent. Quelle: Statista 1000 Top-Internetunternehmen in Deutschland: Die Marktanalyse von Statista erfasst erstmals wesentliche Teile der Netto-B2C Wertschöpfung aus werbefinanzierten Angeboten, bezahlten digitalen Inhalten und Services auf Anbieterebene und bildet auf dieser Basis ein Umsatzranking der 1000 größten digitalen Anbieter ab. Im Vorfeld wurden hierzu mehrere tausend Websites auf ihre Relevanz untersucht. Quelle: dpa
Platz 9: Immoscout 24Umsatz 2013: 155 Millionen EuroSuchportale wie der Wohnungs- und Immobilienvermittler Immoscout, Reise-Vermittler, Kleinanzeigen und digitale Güter von Generalisten sowie Preisvergleiche, treiben den Markt und generieren 66 Prozent des erfassten Gesamtmarktvolumens. Quelle: Screenshot
Platz 8: Google PlayUmsatz 2013: 155,6 Millionen EuroMit iTunes, GooglePlay und YouTube bestimmen drei internationale Player das Spielfeld „Digitale Güter“. Das Segment Film, Video & TV (23 Prozent) wird von Senderablegern sowie internationalen Anbietern beherrscht, die verstärkt in den Markt drängen (z. B. Lovefilm, Watchever). Quelle: AP
Platz 7: Check24Umsatz 2013: 157 Millionen EuroVergleichsportale zählen zu den beliebtesten Inhalten im deutschen Internet. Mit 18,9 Prozent legt das Segment „Digitale Güter“ das stärkste jährliche Wachstum seit 2011 vor, gefolgt von digitalen Services mit 11,1 Prozent sowie den digitalen Content-Angeboten mit 8,9 Prozent. Quelle: Screenshot
Platz 6: bwinUmsatz 2013: 169,1 Millionen EuroBwin ist Deutschlands führender Anbieter von Sportwetten und Online-Gaming. Das Unternehmen wurde 1999 unter dem Firmennamen Simon Bold (Gibraltar) Ltd. gegründet und 2001 von der in Wien ansässigen, börsennotierten bwin Interactive Entertainment AG zu 100 Prozent erworben. Nach einer Fusion mit PartyGaming Plc im März 2011, ist dieses Unternehmen jetzt Teil der bwin.party Gruppe. Das Mutterunternehmen der Gruppe ist bwin.party digital entertainment plc, ein in Gibraltar registriertes und an der Londoner Börse notiertes Unternehmen. Quelle: dpa
Platz 5: Booking.comUmsatz 2013: 189,1 Millionen EuroBei Booking.com handelt es sich um ein ursprünglich niederländisches Reiseportal, das 1996 auf den Markt kam und seither wächst und wächst. Die deutschen Anbieter digitaler Dienstleitungen erwirtschaften nur 13 Prozent des Umsatzes der Top Ten des Segments Digitale Services. Quelle: Screenshot
Platz 4: FacebookUmsatz 2013: 228 Millionen EuroDas von Mark Zuckerberg erdachte soziale Netzwerk gehört zu den absoluten Riesen im Internet mit derzeit rund 1,2 Milliarden Mitgliedern. Quelle: dpa

Sie ist die Fleißarbeit der aktuell 70 Millionen Nutzer, die ihre Fundstücke – eigene, vor allem aber auch im Web entdeckte Bilder – an ihr digitales Schwarzes Brett pinnen. Daher der Name der Plattform. Entstanden ist eine gigantische Fundgrube aus all dem, was das Internet an interessanten Dingen zu bieten hat. Damit ist Pinterest so etwas wie die virtuelle Schaufensterfront des World Wide Web.

"Mach Platz, Zuckerberg"

Ob Brautsträuße, Kücheneinrichtungen, Whiskeymarken, Laufschuhe, Strickwesten, Landschaften, Tiere oder Tattoos: Knapp 800 Millionen individuelle Wandzeitungen – die Boards – sind in den vergangenen vier Jahren entstanden. Jeder Nutzer hat im Schnitt elf von ihnen.

Angesichts dieser Zahlen kürte das US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ Pinterest sogar schon zum Nachfolger von Facebook. „Mach Platz, Zuck“, titelte es jüngst in Anspielung auf dessen Gründer Mark Zuckerberg. Eine tollkühne Prognose für ein Start-up, das gerade erst angefangen hat, Geschäftsmodelle zu testen, und immer noch Verluste schreibt. Noch muss sich Zuckerberg jedenfalls nicht fürchten. Facebook hat rund 1,3 Milliarden Profile. Twitter ungefähr 270 Millionen Konten. Pinterest ist mit seinen 70 Millionen Nutzern vergleichsweise klein.

Mehr noch: Facebook hält den Markt für soziale Netzwerke fest im Griff und hat die Wettbewerber in Nischen gedrängt. „Pinterest muss sich erst im Markt beweisen“, meint Nate Elliott vom US-Marktforscher Forrester Research, ein bekannter Experte für soziale Medien. Und nicht wenige einst gefeierte Start-ups wie MySpace, Second Life, Bebo und Path sind heute: vergessen.

Auch deshalb fragt sich mancher, ob überhaupt noch Platz ist für ein weiteres soziales Netzwerk?

Attraktiv für die Werbewirtschaft

Kurz gesagt: Wenn eine Firma das Zeug hat, es zu schaffen, dann ist es Pinterest. Den Aufschluss bringt der Ortstermin, ein Tag voller Gespräche mit den Managern der Bilderplattform in der Firmenzentrale in San Francisco. Der Grund ist, dass die Mitglieder des Netzwerks für die Werbewirtschaft so attraktiv sind wie in kaum einer anderen Community.

Das liegt an einem wichtigen Unterschied zu Facebook. Der Marktführer dient vor allem der Kommunikation mit Freunden und Bekannten. Dagegen haben die Pinterest-Gründer ihre Plattform als Einkaufsbegleiter konzipiert.

Die Nutzer suchen gezielt nach interessanten Dingen, müssen nicht erst auf Produktseiten gelockt werden. Ihre Boards dienen zur Selbstdarstellung – auch um den eigenen Geschmack zu demonstrieren und sich wie bei Twitter von möglichst vielen Fans bestätigen zu lassen. So ist etwa die Kategorie Hochzeit in den USA besonders populär. 56 Prozent der Nutzer sind weiblich.

Und weil jedes der "Pins" genannten Bilder mit Originalquelle verknüpft ist, leitet auch der Klick auf kommerzielle Fotos direkt zu den zugehörigen Web-Seiten – von kleinen Blogs über Modemagazine wie „Vogue“ bis hin zu Online-Handelsseiten wie Net-a-porter oder Etsy.

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