Social Networks Ein erneuter Abgesang auf Xing

Jahrelang war die Rollenverteilung im Prinzip klar: Xing der Adressspeicher, Facebook das Eventportal. Ein nachlassendes Interesse an Social Networks könnte vor allem Xing schaden. Ein Abgesang, wieder einmal.

Abgesänge hat man sich bei Xing schon oft anhören müssen. Dafür schlägt man sich nach wie vor erstaunlich gut. Quelle: dpa

Vor kurzem fragte ich im Kreis meiner Follower auf Twitter, wer von ihnen eigentlich noch Xing benutze. Tenor der Antworten: "Schon lange nicht mehr", "Zu viele Business-Kasper im Anzug" oder auch "Verwende ich nur noch als Adressspeicher".

Vor allem letztere Aussage ließ mich aufhorchen. Was ist Xing eigentlich noch mehr für mich als ein bloßer Adressspeicher? Und ist die größte Gefahr für die Hamburger jetzt nicht, dass der Spaß an Facebook nachlässt und man das weltgrößte Social Network nur noch als Adressspeicher, Nachrichtentool und Geburtstagskalender benutzt?

Welche sozialen Netzwerke wirklich genutzt werden
So lange werden soziale Netzwerke wirklich genutztGoogle+ - Mit allen Mitteln versucht Google sein soziales Netzwerk zum Erfolg zu bringen. Vor allem die Verknüpfung mit den eigenen Diensten wie Google Mail oder Youtube soll Google+ helfen. Seit dem Start haben sich auch immerhin 90 Millionen Nutzer registriert, allerdings bleibt es oft auch dabei. Nach einer Erhebung der US-Marktforscher Comscore haben sich die Nutzer seit September im Schnitt nur drei Minuten pro Monat bei Google+ aufgehalten. Das „Wall Street Journal“ schreibt daher schon von einer „virtuellen Geisterstadt“. Quelle: dapd
Myspace - Selbst das schon oft totgesagte MySpace wird intensiver genutzt – mit acht Minuten sogar fast drei Mal solange wie Google+.
LinkedIn - 17 Minuten pro Monat halten sich die Nutzer des Online-Karrierenetzwerks LinkedIn auf der Seite auf. Für den deutschen Wettbewerber Xing lagen keine Daten vor. Quelle: REUTERS
Twitter - Mit 21 Minuten nur knapp davor liegt der Kurznachrichtendienst Twitter. Allerdings erfasst Comscore nur Besucher der Twitter-Website, gerade die intensiven Nutzer greifen jedoch gern auf spezielle Zusatzprogramme wie Tweetdeck zurück, so dass die echte Zahl höher liegt. Auch die mobilen Zugriffe wurden nicht erhoben, was jedoch alle Netzwerke betrifft. Quelle: dpa
Pinterest - Erstaunlich ist, dass sich zwei relative junge Netzwerke ganz vorn platzieren konnten. So gelang Pinterest mit 89 Minuten der Sprung aufs Treppchen. Auf der Seite können Nutzer Bilder und Netzfundstücke teilen. P interest ist derzeit eine der angesagtesten und am schnellsten wachsenden Seiten überhaupt.
Tumblr - Ebenso lange wie Pinterest wird Tumblr genutzt. Der Dienst bietet ist eine besonders schnelle und einfache Art des Bloggens. Auch bei Tumblr werden oft besondere Fotos geteilt – Musikstar Beyonce Knowles veröffentlichte beispielsweise exklusiv Fotos ihres Babys Blue Ivy Carter auf einer eigenen Tumblr-Seite. Beliebt sind auch die „Looking at Things“-Reihen, beispielsweise von Kim Jong-Il oder Christian Wulff.
Facebook - Mit riesigem Abstand steht Facebook an der Spitze: 405 Minuten halten sich die Nutzer im Schnitt jeden Monat in dm Netzwerk auf.     Quelle: dapd

Ich betrachte Xing mittlerweile mit gemischten Gefühlen. Bis zu meinem Geburtstag im März hatte ich das Kontaktnetzwerk in diesem Jahr überhaupt noch nicht angesteuert und ich ärgerte mich trotz der Freude über einige Geburtstagsgrüße, dass ich Xing erst aufrufen musste, um sie zu lesen. Das deutsche Social Network macht einem den Besuch nicht gerade schmackhaft. Angemeldet zu bleiben, funktioniert nur im Prinzip. Anders als bei Facebook muss man sich bei jedem Besuch immer wieder einloggen. Der Posteingang und die Anfrage neuer Kontakte sind nur auf den ersten Blick schön designt; funktional gesehen sind sie ein Graus. Einfach durch alle Kontaktanfragen durchgehen und jeweils mit einem Klick abnicken, geht nicht. Xing fordert von mir das Öffnen eines Nachrichtenfensters, um einen Kontakt zu bestätigen. Die Reaktionszeit beträgt Sekunden, der ganze Bestätigungsprozess damit Minuten. Als Nutzer ärgert man sich.


Und dann sind es die kleinen Dinge, die mir bei Xing wiederum besonders gut gefallen: Wer als letztes mein Profil besucht hat, ist für mich weiterhin eine Killerfunktion. Vielleicht ist ein potenzieller Auftraggeber dabei, vielleicht ein alter Schulfreund, der mal vorbei geschaut hat. Meine Lieblingsfunktion der neuen Xing-iPad-App: der Geburtstagskalender. Man mag mir Voyeurismus vorwerfen, aber gerade die Tatsache, dass hier eine Vielzahl meiner Kontakte mit Geburtsdatum und -jahr aufgelistet wird, lässt mich wiederkommen. So alt ist derjenige also. Interessant.

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