WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Software im Internet Softwareriesen setzen auf Cloud Computing

Seite 3/3

Microsoft-Chef Steve Ballmer: Quelle: AP

Das jedenfalls ist die Erfahrung des US-Unternehmens Plex Systems aus Auburn Hill im US-Bundesstaat Michigan. Plex bietet seit 2001 die Unternehmenssoftware Plex Online via Cloud Computing an. Um Sicherheitsbedenken zu minimieren, nutzt Plex zwei gespiegelte, aber unabhängig laufende Rechenzentren an unterschiedlichen Standorten. Der vor 15 Jahren als Ausgründung aus dem US-Autozulieferer MSI entstandene Anbieter hat sich auf die Fertigungsindustrie konzentriert. „Ich liebe es, dass SAP ständig über Cloud Computing spricht“, sagt Plex-Vorstandschef Mark Symonds. Das würde seinem Unternehmen geradezu den Boden bereiten. Plex Systems’ Markteintritt in Deutschland, Österreich und der Schweiz steht nun bevor: „Diese Länder bilden das Zentrum der Fertigungsindustrie in Europa, mit starkem Schwerpunkt in der Automobilindustrie – das ist genau unser Fokus“, sagt Symonds.

Das mehrheitlich dem britischen Finanzinvestor Apax Partners gehörende Unternehmen erzielte zuletzt einen Umsatz „im mittleren 30-Millionen-Dollar-Bereich“, sagt Symonds, und hat weltweit rund 500 Kunden. Die Ziele des Plex-Chefs sind ehrgeizig: In den kommenden 12 bis 18 Monaten will er in Europa „mindestens zehn neue Kunden gewinnen“, deutlich mehr als 100 sollen es in fünf Jahren sein.

Auf den Boom beim Cloud Computing setzen aber nicht nur klassische Softwareanbieter. Als einer der wichtigsten Vorreiter in dem neuen Geschäft gilt das Internet-Kaufhaus Amazon. Das US-Unternehmen muss zur Abwicklung seiner weltweiten Logistik eine umfassende IT-Infrastruktur vorhalten. Amazon-Chef Jeff Bezos machte aus dieser Not bereits Ende 2006 eine Tugend: Er vermietete unbenutzte Rechenkapazitäten – beispielsweise zur Datenspeicherung – via Internet-Wolke an andere Unternehmen.

Amazon als Vorreiter bei Cloud Computing

Mittlerweile hat sich daraus für Amazon ein neuer, wenn auch kleiner Geschäftszweig entwickelt. Die Cloud-Computing-Sparte des Internet-Händlers wird in diesem Jahr einen Umsatz von rund 500 Millionen Dollar erzielen, so eine aktuelle Studie der Investmentbank UBS. 2011 soll das Geschäft auf 750 Millionen Dollar und bis 2014 auf rund 2,5 Milliarden Dollar anwachsen. Gemessen am Amazon-Gesamtumsatz von rund 25 Milliarden Dollar, ist das zwar nur ein kleiner, aber profitabler Teil. UBS-Analysten schätzen die Bruttomarge des Online-Geschäfts auf rund 50 Prozent – in seinem Stammgeschäft kommt Amazon nur auf 22 bis 23 Prozent.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Kein Wunder, dass auch Microsoft in diesem aufstrebenden Segment mitmischen will. Dabei fährt der Softwareprimus eine zweigleisige Strategie. Zum einen bieten die Redmonder mehr und mehr Cloud-Funktionen in ihren bestehenden Produkten an, teilweise sogar kostenlos. Dazu zählt eine abgespeckte Online-Version des Büropaketes Office 2010 – eine Antwort auf vergleichbare Angebote des Internet-Giganten Google mit seinem Kostenlos-Paket Google Apps. Zum anderen wirbt Microsoft mit der nahtlosen Integration von Cloud- und stationär genutzten Programmen: Unternehmenssoftware wie etwa die Vertriebslösung Microsoft Dynamics CRM gibt es bereits in einer klassischen und einer webfähigen Version.

    Mindestens ebenso wichtig ist den Amerikanern das Cloud-Geschäft, wie Amazon es betreibt. Microsoft hat dazu mit Windows Azure eine Art Internet-Betriebssystem mit speziellen Entwicklungstools im Angebot. Mithilfe von Azure können Unternehmen eigene internetbasierte Anwendungen entwickeln und diese im Microsoft-eigenen Rechenzentrum gegen Gebühr betreiben. So hat die Telekom-Tochter T-Systems eine Energie-Management-Lösung namens Stromboxx für Stromendkunden via Azure erstellt und betreibt sie in der Microsoft-Cloud. Im vergangenen Geschäftsjahr hat Microsoft mehr als eine Milliarde Dollar in die entsprechende Infrastruktur investiert, vor allem für den Bau von Rechenzentren.

    Aktuell arbeitet bereits die Hälfte aller 30 000 Microsoft-Entwickler weltweit an Cloud-basierten Lösungen. „In naher Zukunft“ wollen die Redmonder die Quote sogar auf 80 Prozent hochfahren, sagt Martin Berchtenbreiter, Mittelstandschef von Microsoft in Deutschland. Das Cloud-Betriebssystem Windows Azure ging erst im November 2009 an den Start, „inzwischen haben wir bereits 10 000 zahlende Azure-Kunden“, freute sich Microsoft-Boss Ballmer im Juli in Washington.

    Und das ist erst der Anfang. Ab sofort öffnet Microsoft Azure für Fremdanbieter. Damit können beispielsweise Microsoft-Partner Windows Azure in ihren eigenen Rechenzentren installieren und ihrerseits als Cloud-Service Drittkunden anbieten. „Das eröffnet unseren Partnern neue Geschäftsmodelle“, lautet Ballmers Botschaft. Die ersten drei Fremdnutzer von Azure sind die IT-Riesen Hewlett-Packard, Dell und Fujitsu.

    Und auch an Kunden, die aus Sicherheitsgründen ihre Daten nicht in fremde Rechenzentren verlegen möchten, hat Ballmer gedacht. Die können Windows Azure im eigenen Rechenzentrum nutzen – und schaffen sich so ihre eigene private Cloud. Erster offizieller Referenzkunde für diese Variante ist das weltgrößte Internet-Auktionshaus Ebay, das den Betrieb seiner Web-Site ebay.com kontinuierlich auf Cloud-Betrieb umstellen will. „Microsoft investiert und marschiert voran, um im Cloud-Geschäft die Nase vorne zu haben“, sagt James Barrese, Vice President Technology bei Ebay. „Und ich möchte mit denen kooperieren, die das Spiel gewinnen wollen.“

    Inhalt
    Artikel auf einer Seite lesen
    Zur Startseite
    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%