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Solarenergie oder Pelletofen als Alternative? Die Ölheizung ist der neue Diesel

Für Ölheizungen gibt es ökologisch und ökonomisch sinnvolle Alternativen. Quelle: imago images

Das Ende der Ölheizung ist beschlossene Sache: Ab 2026 dürfen keine neuen Heizungen eingebaut werden. Aber welche Alternativen sind ökonomisch und ökologisch am sinnvollsten?

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Paukenschlag am Freitag: Die Spitzen der großen Koalition haben sich darauf verständigt, dass der Einbau neuer Ölheizungen bereits ab dem Jahr 2026 verboten wird. Wer seine alte Ölheizung gegen ein klimafreundlicheres Modell auswechselt, soll laut Informationen der Nachrichtenagentur dpa mit bis zu 40 Prozent der Kosten gefördert werden.

Der Grund für die Maßnahme: Heizungen sind in deutschen Haushalten „der mit Abstand größte Verursacher von Kohlendioxid“, so der Befund des Umweltbundesamts. Hinzu kommt: 57 Prozent der circa 21 Millionen installierten Heizungen sind nach Einschätzung des Bundesverbands des Schornsteinfegerhandwerks und der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) ziemlich ineffizient. Der BDH sieht CO2-Einsparmöglichkeiten von 40 Prozent bis 2030.

Die WirtschaftsWoche zeigt, welche Alternativen zur Ölheizung ökologisch wie ökonomisch am sinnvollsten sind.

1. Wärmepumpe

Im Vergleich zu klassischen Heizsystemen mit Öl und Gas sind Wärmepumpen vielen Deutschen noch eher unbekannt. Dabei sind sie umweltfreundlicher als die „Klassiker“.

Der Grund: Eine Wärmepumpe ist ein Heizsystem, das Wärme von natürlichen Quellen aufnimmt – aus dem Boden, dem Wasser oder der Luft – und diese ins Haus leitet. Wie effizient eine Wärmepumpe ist, lässt sich an einer hohen „Jahresarbeitszahl“ (JAZ) ablesen. Die JAZ ist der Kennwert für die Effizienz der Pumpe. Generell gilt: Je höher die JAZ ist, desto umweltfreundlicher und kostengünstiger arbeitet die Pumpe.

Als ideal gelten laut Umweltbundesamt und Herstellern Werte von 4,0 oder höher. Eine JAZ von 4,0 bedeutet, dass für das Bereitstellen von vier Kilowattstunden Heizwärme eine Kilowattstunde elektrischer Strom benötigt wird. So richtig umweltfreundlich wird der Einsatz der Wärmepumpe vor allem, wenn Eigentümer Ökostrom nutzen, um sie zu betreiben. Fürs Portemonnaie zahlt sie sich vor allem aus, wenn man günstigere Stromtarife für die Pumpen wählt. Wer ohnehin eine eigene Photovoltaik-Anlage auf dem Dach hat, der kann die Stromkosten noch weiter senken.

Unter allen Pumpenarten sind Luft-Wasser-Wärmepumpen am kostengünstigsten. Sie beziehen die Wärme aus der Luft und lassen sich auch leicht im Grundstück installieren. Der Nachteil: Sie sind nicht so effektiv wie Erdwärmepumpen, weil sie im Winter bei sehr niedrigen Lufttemperaturen an Grenzen stoßen.

Auf einem baumlosen Grundstück können Eigentümer ohne Probleme die Technik für eine Erdwärmepumpe verlegen lassen. Andernfalls sind meist zwei bis drei Bohrungen in Tiefen von üblicherweise 50 bis 100 Metern nötig. Bei lehmigen und sandigen Böden geht das schnell, bei sehr steinigen, harten Untergründen kann es allerdings zu Problemen kommen. Das treibt die Kosten. Ob und in welche Tiefen gebohrt werden darf, entscheiden kommunale Behörden. Wenn in große Tiefen von mehr als 100 Meter gebohrt werden muss, werden noch Landesbehörden eingeschaltet. Das Genehmigungsprozedere zieht sich meist über mehrere Monate hin.

Auch beim geplanten Einbau einer Wasser-Wasser-Wärmepumpe, bei der die Wärme des Grundwassers genutzt werden soll, brauchen Hauseigentümer eine Erlaubnis der Wasserschutzbehörde. Das Einholen dieser Erlaubnis kann ebenfalls viel Zeit in Anspruch nehmen. Noch ist der Anteil der Wärmepumpen an den Heizungssystemen in Deutschland relativ gering. Das liegt auch an den zunächst hohen Kosten für Kauf und Installation. Diese können für ein Einfamilienhaus je nach örtlichen Gegebenheiten und Pumpensystem zwischen etwa 7000 und mehr als 20.000 Euro betragen.

Insgesamt gilt: Kosten und Einbau einer Luft-Wärme-Pumpe sind deutlich günstiger als die Erdwärme und Wasser-Wasser-Wärmepumpen. Allerdings gibt es, wenn die Pumpen nachgewiesenermaßen effizient arbeiten, also eine hohe Jahresarbeitszahl besitzen, üppige staatliche Fördergelder über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa).

2. Solarenergie

Die Sonne als natürliche Energiequelle zu nutzen, das ist für viele Deutsche längst geübte Praxis. Im vergangenen Jahr kamen bereits circa 8,7 Prozent des hierzulande verbrauchten Stroms aus Photovoltaikanlagen, wie das Fraunhofer-Instituts ermittelt hat. Die Anlagen eignen sich bei entsprechender Dachausrichtung und Größe sowohl für Neu- als auch für Altbauten. Sie sparen Heizkosten, die Installation ist einfach und die Preise hierfür sinken beständig. Die Solarsysteme werden stetig effektiver. Außerdem sind staatliche Zuschüsse von mehreren Tausend Euro möglich.

Viele Deutsche nutzen die Sonne als Energiequelle. Quelle: imago images

Schon mit einer etwa zehn bis zwölf Quadratmeter großen Solaranlage auf dem Dach und entsprechender Speichertechnik können Nutzer im Sommer ihr Wasser allein mittels Sonnenenergie erhitzen und in anderen Jahreszeiten auch einige Räume beheizen.
In einem gut gedämmten und nach Süden ausgerichtetem Passivhaus kann eine Solaranlage sogar als alleinige Heizung dienen. Auf einem Süd-Dach arbeitet die Solaranlage ohnehin am effizientesten, weil die Sonneneinstrahlung am stärksten ist.

Generell ist zu bedenken: Eine Photovoltaik-Anlage ist abhängig von der Sonneneinstrahlung. Deshalb ist meist der Einbau eines weiteren Heizsystems sinnvoll, das von der Photovoltaik-Anlage unterstützt wird. In Altbauten können auch bereits bestehende Gasheizungen ohne großen Aufwand mit Photovoltaik-Technik kombiniert werden.

Die Kosten: Eine Photovoltaik-Anlage für ein Einfamilienhaus kostet in der Anschaffung je nach Dachgröße sehr grob zwischen 5000 und 14.000 Euro.

3. Pelletöfen

Heizen mit Holz erschließt sich nicht jedem sofort als umweltschonend. Zwar wächst es in der Natur nach, aber bei der Verbrennung entsteht auch gesundheitsschädlicher Feinstaub. Effektiver als herkömmliche Holzöfen und Kamine sind deshalb so genannte Pelletöfen. Dabei werden Holzpellets verbrannt, um zu heizen. Die Pellets sind in der Regel ein Recyclingprodukt, gewonnen aus Holzabfällen.

Bei Pelletöfen werden Holzpellets, die aus Holzabfällen gewonnen werden, verbrannt. Quelle: imago images

Das Umweltbundesamt rät Verbrauchern allerdings, Holzpellets aus der Region zu kaufen, „denn der Transport der Pellets verbraucht Benzin und Diesel“. Tipp: Für die Pellets gibt es Qualitätszertifikate wie zum Beispiel den „Blauen Engel“. Dies signalisiert, dass die Pellets aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammen und beim Verbrennen niedrigere Staubemissionen verursachen. Um die Emissionen noch weiter zu senken, können Pelletofen-Betreiber so genannte Staubabscheider einbauen lassen. Diese werden finanziell vom Staat gefördert.

Ökonomisch interessant sind Pelletöfen außerdem, weil sie einfach zu installieren sind und sich auch mit vorhandenen Heizsystemen kombinieren lassen. Als besonders ökologisch und kostensparend gilt die Kombination mit einer Photovoltaikanlage. Im Sommer reicht die Sonnenenergie zur Warmwassergewinnung, im Winter heizt der Pelletofen das Haus.

Bislang waren die Pelletpreise stabil. Ob das so bleibt, hängt letztlich auch von dem künftigen Erfolg der Öfen ab. Experten sagen den Pelletöfen aus ökologischen Gründen aber eher ein „Nischendasein“ voraus. Der Grund: Es sollte nur so viel heimisches Holz verfeuert werden, wie gleichzeitig nachwächst. „Nur so kann der Rohstoff nachhaltig und annähernd ‚CO2-neutral‘ genutzt werden“, formuliert es der BUND Naturschutz.

4. Fernwärme

Für Hauseigentümer kann unter bestimmten Umständen auch Fernwärme sinnvoll sein. Diese Wärme wird quasi entweder als Nebenprodukt von Kraftwerken oder mittels Geothermie über Rohre ins Haus geliefert. Im Gegensatz zu ländlichen Gebieten sind Fernwärmeanschlüsse in Städten häufig vorhanden. Die ökonomischen Vorteile des Heizsystems: Je nach Anbieter entstehen keine oder nur relativ geringe Installationskosten. Außerdem wird im Haus kein Platz für große Heizgeräte benötigt. Ökologisch sinnvoll ist die Fernwärme auch, weil sie entweder ohnehin als Nebenprodukt der Energiewirtschaft vorhanden ist oder die Wärme aus dem Erdboden kommt.

Für welches Heizsystem sich Eigentümer auch entscheiden, sie sollten auf die korrekte Größe achten. Nur so heizen sie effizient und auf Dauer günstig. Zudem sollte man im ersten Schritt darauf achten, dass das Haus gut gedämmt ist. Denn die beste Heizung nutzt wenig, wenn die Wärme direkt durch Wände, Fenster und Dach an die Umwelt abgegeben wird. Gerade bei Altbauten stoßen Eigentümer dort oft an Grenzen. Energieberater und geschulte Fachleute können meist weiterhelfen. Bei Neubauten lässt sich sogar – mit entsprechend hoher Anfangsinvestition – ein Nullenergiehaus-Standard erreichen. Das heißt: Über das Jahr gesehen kann man mit dem Haus so viel Energie gewinnen, wie man verbraucht.

5. Flüssiggas

Sofern ein Gasanschluss vorhanden ist, können Hauseigentümer auch verhältnismäßig günstig auf Erdgas umsteigen. Für den Heizungsumbau in einem Einfamilienhaus ist grob mit Kosten von 8000 bis 9000 Euro zu rechnen. Hinzu kommen 1000 bis 2000 Euro für das Entsorgen des alten Öltanks. Eine echte Öko-Alternative ist das Heizen mit Gas zwar nicht, aber es werden in der Regel geringere CO2- und Feinstaubemissionen verursacht als durch alte Ölheizungen.

Laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft wäre ein Umrüsten von Öl auf Gas bei fast jedem zweiten der Ein- und Zweifamilienhäuser und bei jedem dritten der Mehrfamilienhäuser in Deutschland ohne großen Aufwand möglich. Wer keinen Erdgasanschluss bekommt, kann über Heizen mit Flüssiggas nachdenken. Dafür braucht es allerdings einen Lagertank auf dem Grundstück. 

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