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Soziale Netzwerke Yahoo will angeblich Tumblr kaufen

Das Interesse an dem Blogging-Dienst wächst mit seinem Erfolg. Das Unternehmen bringt mit, was vielen alten Hasen im Geschäft fehlt: Junge Nutzer.

Angeblich hat Yahoo Interesse an Tumblr. Quelle: REUTERS

Laut US-Medien soll der Suchmaschinen-Experte Yahoo an der Social-Media-Plattform Tumblr interessiert sein. Sollte diese Meldung stimmen, könnte die Kooperation dem von Google in Bedrängnis gebrachten Konzern neuen Schwung verleihen. Denn Tumblr ist nicht irgendeine Plattform. Sie hat mehr Zulauf als alle anderen Angebote im Netz und wird immer wieder als Nachfolger für Facebook gehandelt.

Die Gerüchteküche brodelt seit Anfang der Woche als Yahoos Finanzchef Ken Goldman in Boston auf der „Global Technology Conference“ von JP Morgan sprach. In seinem Vortrag unterstrich er, wie wichtig es für Yahoo ist mehr Nutzer der Altersgruppe von 18 bis 24 Jahren vom Unternehmen zu überzeugen. Mit neuen Marketing-Aktionen wolle Yahoo versuchen wieder „cool“ zu werden.

Das staubige Image kann Yahoo nicht alleine loswerden. Ohne Kooperationen wird es nicht gehen, sind sich Kenner, die dem Unternehmen nahe stehen, sicher. In ihren Reihen taucht ein Name immer öfter auf: Tumblr. Angeblich würden ernsthafte Gespräche geführt, ein Deal sei aber noch nicht in Sicht.

Die Herrscherinnen des Silicon Valley
Marissa MayerMarissa Mayer ist ein Google-Urgestein, beim Suchmaschinenkonzern war sie Mitarbeiterin Nummer 20. Zuletzt arbeitete die Google-Vorzeigefrau als Produktchefin. Mit dem Wechsel an die Spitze von Yahoo steigt die Ex-Freundin von Google-Gründer Larry Page endgültig in die Spitze der US-IT-Managerinnen vor. Denn eine ganze Reihe von Spitzenpositionen bekleiden Frauen… Quelle: REUTERS
Margaret WhitmanMeg Whitman ist so etwas wie die Grande Dame des Silicon Valley. Ihren Ruhm und Reichtum begründete Whitman, die eigentlich Ärztin werden wollte, mit Ebay. Sie machte aus dem Startup mit gerade mal 30 Mitarbeitern ein global operierendes Online-Auktions- und dann ein Handelshaus mit 15.000 Angestellten und 8,5 Milliarden Dollar Umsatz. Über zehn Jahre lenkte sie Ebay und trat im März 2008 etwas amtsmüde als Vorstandschefin zurück. Die langjährige Chefin des Internet-Handelskonzerns Ebay löste Ende September 2011 überraschend den glücklosen Vorgänger Léo Apotheker an der Spitze des weltgrößten IT-Konzerns ab. Quelle: dapd
Virginia RomettyDie seit 30 Jahren in den Diensten von IBM stehende Managerin hat Anfang Januar 2012 das Steuer vom langjährigen IBM-Boss Sam Palmisano (links) übernommen. Die Informatikerin und Ingenieurin, die 1981 bei IBM anheuerte muss den von Plamisano verkündeten "Strategieplan 2015" fortsetzen. Quelle: Reuters
Sheryl SandbergChefin ist sie zwar (noch) nicht, doch kaum eine Frau im Valley ist so mächtig, wie Sheryl Sandberg. Die frühere Google-Managerin war 2008 zu Facebook gekommen und hat Zuckerberg seitdem in geschäftlichen Dingen den Rücken freigehalten, so dass er sich ganz auf die Weiterentwicklung des Netzwerks konzentrieren konnte. Sandberg sorgt in ihrer Rolle dafür, dass das Geld hereinkommt, kümmert sich um die Außendarstellung, um die Personalführung und vieles andere. Auch beim Börsengang fiel Sandberg als Architektin des geschäftlichen Erfolgs eine wichtige Rolle zu: Sie versuchte zusammen mit Zuckerberg, Investoren zum Kauf von Aktien zu bewegen. Die Nummer zwei bei Facebook hat im Juni ihre Macht im Sozialen Netzwerk ausgebaut. Die fürs Tagesgeschäft zuständige Managerin und rechte Hand von Firmenchef Mark Zuckerberg ist nun auch in den wichtigen Verwaltungsrat eingezogen. Dies ist das höchste Firmengremium - und das war bislang rein männlich besetzt. Quelle: REUTERS
Carol BartzDoch einige Frauen sind auch schon wieder gescheitert. Zwischen 2009 und 2011 sollte Carol Bartz den Umschwung bei Yahoo schaffen. „Diese Leute haben mich verarscht“, schimpfte Carol Bartz, als sie ihren Posten als Yahoo-Chefin wieder verlor. Als Verwaltungsratschef Roy Bostock ihr am Telefon das von Anwälten formulierte Kündigungsschreiben diktierte schleuderte sie ihm entgegen: „Warum hast Du nicht die Eier, es mir selbst zu sagen?“ Im Januar 2009 war die langjährige Chefin des Softwarehauses Autodesk zu Yahoo geholt worden, um endlich wieder Schwung in die Internet-Ikone zu bringen. Bartz fand ein zerrüttetes Unternehmen vor, ohne klare Management-Zuständigkeiten, Intrigen und kleinen Königtümern. Sie brachte wieder klare Strukturen ins Unternehmen, stellte verlustträchtige Projekte ein und kürzte die Kosten. Eine umstrittene Suchmaschinen-Allianz mit Microsoft sparte zwar Kosten. Doch damit gab Yahoo eigene Expertise ab Quelle: REUTERS
Carly FiorinaFiorina war lange Chefin von Hewlett-Packard, sie leitete HP von 1999 bis 2005 und war dort unter anderem für die Fusion mit Compaq verantwortlich. 2010 kandidierte sie als Senatorin für Kalifornien, verlor aber die Wahl gegen die Demokratin Barbara Boxer. Quelle: AP

Ganz von der Hand zu weisen sind die Gerüchte nicht. Yahoo-Geschäftsführerin Marissa Mayer hat schon öfter Interesse an dem Blogging-Dienst aus New York gezeigt. Schon in ihrer Zeit bei Google, beobachtete sie vor allem das Wachstum von Tumblr als auch das des Ortsdienstes Foursquare genau. Öfter soll sie sich mit Tumblr-Gründer David Karp getroffen haben.

David Karp verfolgt mit Tumblr einen ganz anderen Ansatz als Facebook. Während Zuckerbergs Netzwerk auf Personen beruht, die sich kennen und ihre persönlichen Interessen untereinander austauschen, ist Tumblr themenbasiert. Hier treffen sich Menschen also nicht, weil sie sich schon kennen, sondern weil sie ein gemeinsames Thema interessiert. Wer ein Tumblr-Profil besitzt kann sich seinen eigenen kleinen Blog aufbauen und individuell gestalten. So werden reine Fotos-Blogs (Beispiel 1, Beispiel 2  und Beispiel 3) veröffentlicht, andere publizieren vor allem Texte und wieder anderen mischen alle Medien – vom Zitat bis zum Video. Einer der berühmtesten deutschen Tumblr-Nutzer ist wohl Stefan Plöchinger, Dechredakteur von Süddeutsche.de. Wie bei Facebook können die Nutzer anderen Blogs folgen und in einer Übersicht die aktuellsten Beiträge anschauen. Nach dem Erfolg von Tumblr haben auch andere Blogformate – wie zum Beispiel Wordpress – ihr Format dem Erfolgsmodell aus New York angepasst.

Inhalte statt Personen

Gegenüber des Tech-Magazins Wired sagt Karp im vergangenen Sommer, dass der Inhalt die neue Art des Teilens sei. Selbstbewusst behauptete er, dass das personenbezogene Netzwerk tot sei. Die Zahlen scheinen im Recht zu geben. Bei Facebook kommen kaum noch junge Nutzer hinzu. Das Durchschnittsalter beträgt hier inzwischen 40,5 Jahre. Tumblr hingegen ist 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent gewachsen. Laut ComScore kam Tumblr im April auf einen Traffic von 117 Millionen Unique Visitors. Der Anteil der US-Besucher lag bei 37 Millionen Besuchern. In Deutschland konnte sich das Netzwerk in den Nutzerzahlen sogar noch vor Twitter positionieren. Etwa eine Milliarde US-Dollar soll das Unternehmen inzwischen Wert sein.

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Kein Wunder, dass Yahoo Interesse an einer Kooperation mit den jungen, erfolgreichen Hipstern hat. Doch was will Tumblr? Experten behaupten, dass das Unternehmen „strategische Investitionen“ plane. Langsam wagt sich das Unternehmen ins mobile Werbegeschäft vor, nachdem Jahrelang von Reklamebannern auf der Seite abgesehen wurde. Erst im vergangenen Herbst heuerte Tumblr den Verkaufs-Strategen Lee Brown an, der zuvor bei Groupon und davor lange Zeit bei Yahoo tätig war.

Weder Yahoo noch Tumblr haben sich aktuell zu den Gerüchten geäußert. 

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