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Soziales Netzwerk Bei "Path" ist der Nutzer Kunde, nicht das Produkt

Im Netzwerk "Path" geht es nicht darum, möglichst viele Freunde zu haben, sagt Mitgründer Dave Morin im Interview. Denn im Gegensatz zu Facebook ist dort alles privat.

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Dave Morin, einer der wichtigsten Entwickler von Facebook und Mitgründer des Sozialen Netzwerk

ZEIT ONLINE: Dave Morin, Sie waren über Jahre einer der wichtigsten Entwickler von Facebook

Dave Morin: …ich habe auch die erste Facebook-Zentrale mit entworfen.

…und dann haben Sie sich mit Ihrem eigenen Sozialen Netzwerk Path selbstständig gemacht. Warum?

Ich benutze gerne folgendes Bild: Facebook ist wie eine Stadt. Wir wollen wie eine Wohnung in dieser Stadt sein.

Also privat?

Es geht darum, die wichtigsten Momente mit meinen engsten Freunden und mit der Familie zu teilen. Mit niemandem sonst. Deshalb nennen wir Path auch ein "Persönliches Netzwerk", nicht ein Soziales Netzwerk. Bei uns dreht sich alles zu hundert Prozent um Privatsphäre. Deshalb erlauben wir jedem Nutzer nur maximal 150 Kontakte. Weil wissenschaftliche Studien sagen, dass ein Mensch nur mit so vielen Menschen eine echte Beziehung pflegen kann. Die meisten Nutzer haben sogar nur zwischen 10 und 20 Menschen in ihrem Path-Netzwerk.

Diese Netzwerke sind am bekanntesten
Das Netzwerk Facebook kennen 96 Prozent der Deutschen. Quelle: REUTERS
Das Video-Portal Youtube ist 87 Prozent der Deutschen ein Begriff. Quelle: dapd
Den Kurznachrichtendienst Twitter kennen immerhin 80 Prozent der Deutschen, gefolgt von Werkenntwen.de (72 Prozent) und Stayfriends (71 Prozent). Quelle: dpa
Einst waren die VZ-Netze deutlich bekannter als Facebook. Heute liegt das StudiVZ bei 69 Prozent, das SchülerVZ bei 68 Prozent und MeinVZ bei 58 Prozent. Quelle: dpa
MySpace ist 58 Prozent der Deutschen ein Begriff. Quelle: dpa
62 Prozent der Deutschen kennen laut Umfrage MyVideo. Quelle: dpa
Das Karriere-Netzwerk Xing kennen 56 Prozent der Deutschen. Damit liegt das Portal nur knapp hinter Lokalisten.de (55 Prozent). Quelle: dpa

Was ist ihre Strategie?

Wir setzen alles daran, ein absolut vertrauensvolles Umfeld zu schaffen.

Auf Facebook ist es schwer, private und öffentliche Kommunikation zu trennen ...

Das ging mir genauso. Ich habe viele Jahre daran gearbeitet, Facebook mit aufzubauen, und irgendwann stellte ich fest, dass ich über Facebook nie mit meiner damaligen Freundin und auch nicht mit meiner Mutter kommunizierte. Das ist bei Path jetzt genau umgekehrt. Dort tausche ich mich nur mit meiner Frau, meiner Mutter und meinen engsten Freunden aus.

Man kann und soll sich mit seinen bestehenden Accounts bei Path anmelden, also auch mit seinem Facebook-Account und dann Daten von dort zu Path übertragen. Teilt man die Nachrichten, die man auf Path schreibt, auch automatisch mit Facebook?

Bei uns teilt man gar nichts automatisch.

Werbung ist nicht das Geschäftsmodell

Welche sozialen Netzwerke wirklich genutzt werden
So lange werden soziale Netzwerke wirklich genutztGoogle+ - Mit allen Mitteln versucht Google sein soziales Netzwerk zum Erfolg zu bringen. Vor allem die Verknüpfung mit den eigenen Diensten wie Google Mail oder Youtube soll Google+ helfen. Seit dem Start haben sich auch immerhin 90 Millionen Nutzer registriert, allerdings bleibt es oft auch dabei. Nach einer Erhebung der US-Marktforscher Comscore haben sich die Nutzer seit September im Schnitt nur drei Minuten pro Monat bei Google+ aufgehalten. Das „Wall Street Journal“ schreibt daher schon von einer „virtuellen Geisterstadt“. Quelle: dapd
Myspace - Selbst das schon oft totgesagte MySpace wird intensiver genutzt – mit acht Minuten sogar fast drei Mal solange wie Google+.
LinkedIn - 17 Minuten pro Monat halten sich die Nutzer des Online-Karrierenetzwerks LinkedIn auf der Seite auf. Für den deutschen Wettbewerber Xing lagen keine Daten vor. Quelle: REUTERS
Twitter - Mit 21 Minuten nur knapp davor liegt der Kurznachrichtendienst Twitter. Allerdings erfasst Comscore nur Besucher der Twitter-Website, gerade die intensiven Nutzer greifen jedoch gern auf spezielle Zusatzprogramme wie Tweetdeck zurück, so dass die echte Zahl höher liegt. Auch die mobilen Zugriffe wurden nicht erhoben, was jedoch alle Netzwerke betrifft. Quelle: dpa
Pinterest - Erstaunlich ist, dass sich zwei relative junge Netzwerke ganz vorn platzieren konnten. So gelang Pinterest mit 89 Minuten der Sprung aufs Treppchen. Auf der Seite können Nutzer Bilder und Netzfundstücke teilen. P interest ist derzeit eine der angesagtesten und am schnellsten wachsenden Seiten überhaupt.
Tumblr - Ebenso lange wie Pinterest wird Tumblr genutzt. Der Dienst bietet ist eine besonders schnelle und einfache Art des Bloggens. Auch bei Tumblr werden oft besondere Fotos geteilt – Musikstar Beyonce Knowles veröffentlichte beispielsweise exklusiv Fotos ihres Babys Blue Ivy Carter auf einer eigenen Tumblr-Seite. Beliebt sind auch die „Looking at Things“-Reihen, beispielsweise von Kim Jong-Il oder Christian Wulff.
Facebook - Mit riesigem Abstand steht Facebook an der Spitze: 405 Minuten halten sich die Nutzer im Schnitt jeden Monat in dm Netzwerk auf.     Quelle: dapd

Aber solange Sie von Path aus ihre Freunde auf Facebook erreichen, geschieht genau das, oder?

Anfangs ist das oft so. Aber sobald ein paar enge Freunde oder Familienmitglieder auch auf Path sind – ideal sind fünf bis zehn –, trennen die meisten Nutzer Path und Facebook komplett.

Als Myspace vor vielen Jahren startete, war es so etwas wie ein virtueller Safe, und dann hat sich etwas vollständig anderes daraus entwickelt. Glauben Sie, das Bedürfnis nach einem geschützten privaten Raum ist groß genug, um daraus ein Geschäft machen zu können? Gibt es Wettbewerber?

Es gibt Firmen mit einem ähnlichen Ansatz. Nextdoor aus San Francisco zum Beispiel. Sie konzentrieren sich auf Nachbarschaften. Oder Yammer, das für die Kommunikation im Büro gedacht ist. Dann gibt es Pair, für den Austausch eines Paares. Wir kümmern uns wie gesagt eher ums Zuhause.

Zahlen und Fakten zu Facebook

Was ist Ihr Geschäftsmodell?

Weil wir auf Privatsphäre ausgerichtet sind, auf den geschützten, persönlichen Raum, verzichten wir auf Werbung. MySpace und andere mussten sich der Werbekundschaft öffnen, darauf sind ihre Geschäftsmodelle ausgerichtet, das hatte auch Folgen für das Produkt. Wir wollen kostenpflichtige Zusatz-Dienste anbieten. Zum Beispiel gibt es einige kostenlose Filter für Fotos, andere hingegen kosten etwas. Und Sie werden in den kommenden Monaten weitere kostenpflichtige Angebote sehen.

Der Nutzer von Path ist wirklich der Kunde und nicht das Produkt?

Genau so ist es. Das ist uns sehr wichtig. Wir wollen das Vertrauen unserer Kunden erhalten. Außerdem glauben wir, dass wir so ein nachhaltiges Geschäftsmodell aufbauen können.

Wie viele Kunden haben Sie und wie verteilen sich diese?

Wir haben in zwei Jahren rund sechs Millionen Kunden gewonnen, die Hälfte davon in den USA, die andere Hälfte in aller Welt.

Was sind Ihre Pläne für die nächsten zwölf Monate?

Wir haben gerade eine Suchfunktion gestartet, mit der sich länger zurückliegende Ereignisse und Fotos leichter finden lassen. Die Zugriffe der Nutzer auf Path haben sich seither verdoppelt. Ich selbst habe dadurch ein Café in München gefunden, das einer meiner Freunde einmal besucht hat.

Im Übrigen konzentrieren wir uns auf unsere Bezahl-Dienste und auf unsere Expansion in Ländern wie Deutschland und Japan, die Privatsphäre schätzen.

Dieser Artikel ist zuerst auf zeit.de erschienen!

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