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Soziales Netzwerk Facebook vergrößert Privatsphäre seiner Nutzer

Der Film über sein Leben sorgt für Aufsehen - doch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg lässt sich den Rummel um seine Person nicht anmerken. Er ist auf den Ausbau des sozialen Netzwerks konzentriert und räumt seinen Kunden nun mehr Kontrolle über eigenen Daten ein.

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Privatsphäre endeckt: Quelle: REUTERS

Mark Zuckerberg kommt in dem von Kevin Spacey produzierten Hollywood-Streifen „The social network“, der heute auch in deutschen Kinos anläuft, nicht sonderlich sympathisch rüber. Er wird als Eigenbrötler dargestellt, der Facebook nur deshalb vorantreibt, um seine Ex-Freundin zu beeindrucken. Gleich in der Eingangsszene wird er von einer Freundin als Charakterschwein beschimpft oder, um im Originalskript zu bleiben, als ewiges „Arschloch“.

Dem realen Zuckerberg hat dieses harsche Charakterisierung die Laune offenbar nicht verhagelt. Ganz souverän mietete er vergangene Woche gar ein Kino für seine Mitarbeiter, damit diese sich über den Film amüsieren konnten.

Gestern mittag zeigte sich der Facebook-Gründer im Firmenhauptquartier in Palo Alto in bester Laune, scherzte mit Gästen, mischte sich nach seiner Präsentation unter die Anwesenden und nahm sein Mittagessen gemeinsam mit Mitarbeitern unter der strahlenden kalifornischen Sonne im Schneidersitz auf dem Rasen des Firmengeländes ein.

Gruppenfunktion und mehr Kontrolle über private Daten

Falls der laut dem US-Wirtschaftsmagazin Forbes jüngste Milliardär der Welt (auf dem Papier 6.9 Milliarden Dollar) eine Botschaft senden wollte, vielleicht diese: Egal, was um mich herum abläuft oder über mich erzählt wird, ich bin voll auf mein Unternehmen fokussiert. „In den nächsten Monaten werden wir eine Menge neuer Sachen vorstellen“, kündigt Zuckerberg an.

Anscheinend hat sich der Unternehmer die Dauerkritik an Facebook wegen allzu liberalem Umgang mit der Privatsphäre seiner Nutzer zu Herzen genommen. Seit Mittwoch kann man nun besser kontrollieren, welche persönlichen Informationen externe Facebook-Partner wie etwa der Spieleanbieter Zynga abrufen und die Zugriffsrechte bei Missfallen mit einem Mausklick löschen.

Überarbeitet wurde die Gruppenfunktion. Facebook-Nutzer können ihr eigenes internes Netzwerk anlegen, beispielsweise eins nur mit Familienangehören oder eins mit Arbeitskollegen. Damit die Gruppe nicht zu groß wird, ist sie vorerst auf 250 Personen beschränkt. Wichtig: Man muss entweder vom Organisator oder bestehenden Mitgliedern explizit in die Gruppe eingeladen werden. Die Idee ist, dass Informationen und Fotos in diesen Gruppen verbleiben und nicht für alle Facebook-Freunde sichtbar sind. Bislang gab es nur die Wahl, Informationen mit allen Facebook-Freunden zu teilen oder mit gar niemanden.

Der Schritt ist clever. Facebook wurde auch deshalb so ein Megahit, weil zum Start nur die Studenten von renommierten US-Universitäten beitreten konnten. Der Reiz, zu einer exklusiven Gruppe zu gehören, half Facebook einst auf die Beine. Nun können die Facebook-Nutzer ihren eigenen ultraexklusiven Zirkel innerhalb ihres Netzwerks einrichten.

Sicherungskopie aller eigenen Veröffentlichungen

Die überraschendste Neuerung: Facebook-Nutzer können nun alles, was sie jemals im sozialen Netzwerk veröffentlicht haben, als Sicherungskopie auf ihre Festplatte herunterladen. Die komprimierte Datei lässt sich über einen normalen Internet-Browser öffnen. Selbst voluminöse Fotos oder Videos sind in dem Download enthalten. Facebook hätte es sich einfach machen können und diese Dateien nur verlinken. Der Nutzer hätte sich dann in das soziale Netzwerk einklinken müssen, um sie zu betrachten.

Darüber, so Zuckerberg, hätte es viele Diskussionen gegeben, schon wegen der Größe der herunterzuladenden Datei. Aber am Ende wolle man den Facebook-Nutzern alle Freiheiten geben, bis zur totalen Abnabelung. „Den Nutzern gehören diese Inhalte, nicht uns“, sagt Zuckerberg. Das Umschwenken verblüfft. Denn bislang hatte Facebook nicht als Vorreiter bei der sogenannten Datenportabilität gegolten, sondern als Bremser. Denn gerade im Internet ist es verlockend, den Kunden digitale Fesseln anzulegen, ihnen den Wechsel zu erschweren. Der Auktionsanbieter Ebay hat auch deshalb seine Marktführerschaft behalten, weil niemand sein auf der Plattform mühsam verdientes positives Feedback aufgeben will und bei einem Konkurrenten ganz von vorn anfangen. Theoretisch ließen sich die von Facebook heruntergeladenen Daten, gibt Zuckerberg zu, in ein konkurrierendes soziales Netzwerk füttern. Google soll ja angeblich an einem Facebook-Wettbewerber basteln.

Doch das würde wenig Sinn machen. Denn mitnehmen kann man nur seine persönlichen Inhalte, nicht aber sein Netzwerk von Freunden. Selbst wenn diese sich untereinander absprechen und gemeinsam wechseln, bleibt die Frage: Warum? Gerade die Möglichkeit, ihre Daten herunterladen zu können, dürfte Facebook weitere Klientel bescheren und die derzeitigen Nutzer ermuntern, noch mehr Inhalte anzulegen.

Facebook wie auch sein Gründer sind souveräner geworden. Was sicherlich auch daran liegt, dass die Konkurrenz momentan nicht hinterherkommt.

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