Soziales Netzwerk Google+ ist zwei Jahre später noch immer ein Flop

Seit über drei Jahren investiert Google immense Mittel in sein soziales Netzwerk Google+. Im Angesicht dessen hat es wenig erreicht.

Diese Netzwerke sind am bekanntesten
Das Netzwerk Facebook kennen 96 Prozent der Deutschen. Quelle: REUTERS
Das Video-Portal Youtube ist 87 Prozent der Deutschen ein Begriff. Quelle: dapd
Den Kurznachrichtendienst Twitter kennen immerhin 80 Prozent der Deutschen, gefolgt von Werkenntwen.de (72 Prozent) und Stayfriends (71 Prozent). Quelle: dpa
Einst waren die VZ-Netze deutlich bekannter als Facebook. Heute liegt das StudiVZ bei 69 Prozent, das SchülerVZ bei 68 Prozent und MeinVZ bei 58 Prozent. Quelle: dpa
MySpace ist 58 Prozent der Deutschen ein Begriff. Quelle: dpa
62 Prozent der Deutschen kennen laut Umfrage MyVideo. Quelle: dpa
Das Karriere-Netzwerk Xing kennen 56 Prozent der Deutschen. Damit liegt das Portal nur knapp hinter Lokalisten.de (55 Prozent). Quelle: dpa

Vor anderthalb Jahren veröffentlichte ich einen vieldiskutierten Abgesang auf Google+. Heute bereue ich, den Beitrag mit dem zentralen Vermerk “Prognose” betitelt zu haben. Jedoch nicht, weil ich von meiner Analyse der schlechten Zukunftsaussichten des ambitionierten Google-Vorhabens abgerückt bin, sondern lediglich, weil die im Technologie- und Wirtschaftsjournalismus verbreitete Vorhersagerei zumeist purem Rätselraten gleich kommt und in den meisten Fällen allein und ausschließlich der Profilierung der Autoren dient. Mir ging es in dem Text jedoch darum, die Schwächen von Googles “sozialer Ebene” zu beschreiben und deutlich zu machen, warum sich der Internetriese und seine Führungsetage mit dem Projekt ein Problem ins Haus geholt haben.

Dinge, die Google lieber geheim halten will
Google hat den Tablet-Markt verschlafenGoogles erster eigener Tablet-PC, das Nexus 7 (Foto), kam erst diesen Juli auf dem Markt. Damit schiebt sich Google in ein Terrain, auf dem sich schon einige Platzhirsche drängeln: Apple, Samsung, Amazon. Google wird es schwer haben, sich als Neuling unter diesen etablierten Anbietern  zu behaupten. Quelle: dpa
Google verschleiert seine DatensammeleiGoogle besitzt zwar eine Datenschutzrichtlinie, diese wird jedoch von der Europäischen Union bemängelt. Danach fehlen wichtige Informationen und eindeutige Formulierungen. So steht in der Datenschutzrichtlinie nicht deutlich, was das Unternehmen mit den Infos der User macht. Außerdem informiert Google nicht darüber, wie lange es bestimmte Informationen, wie Aufenthaltsorte, speichert. Quelle: dapd
Bei der Android-Vielfalt verzichten Hersteller auf UpdatesDas Google-Betriebssystem Android für Smartphones und Tablet-PCs gibt es für hunderte verschiedene Modelle. Das wirkt sich negativ auf das Update-Verhalten der Hersteller von Endgeräten aus. Seit der Android-Einführung 2008 gab es zehn verschiedene Updates. Diese müssen die Hersteller auf jedes ihrer einzelnen Smartphone- und Tablet-Modelle anpassen. Das ist aufwendig, wodurch die neuen Versionen meist unter den Tisch fallen lassen werden. Derzeit ist Android 2.3 von Dezember 2010 immer noch die am meisten verbreitetste Version. Quelle: dapd
Der Aufwand ist zu groß, unerwünschte Suchergebnisse zu löschenEs kommt vor, dass Menschen bei Google etwas über sich persönlich finden, was sie dort nicht gerne sehen. Dagegen etwas zu unternehmen, ist schwierig. Die Suchergebnisse basieren auf berechneten Algorithmen. Je öfter etwas im Internet erwähnt wird, desto eher findet man es bei Google. Es ist sehr aufwendig, etwas aus den Google-Ergebnissen zu löschen und meist mit rechtlichen Schritten verbunden. Dabei muss vor allem erst der Text, das Bild oder das Video von dem Server gelöscht werden, auf den die Information gespielt wurde. Dann kann es noch bis zu neun Monate dauern, ehe die Info auch aus der Google-Suche verschwindet. Quelle: dpa
Apple-Maps könnte Google bald einholenApple hat sich entschieden beim neuen iPhone 5 (Foto) auf die vorinstallierte Google-Maps-App zu verzichten. Stattdessen findet sich auf dem Handy ein eigenes Kartenprogramm. Die weist im Vergleich zu Google Maps war einige Schwächen auf, doch Experten sind sich sicher, dass Apple bald nachlegen wird – und Google so einholen oder gar überholen könnte. Quelle: REUTERS
Die Arbeit der Google-AngestelltenVolleyballplatz, Bowlingbahn, Gemüsegarten – das Google-Hauptquartier bietet zahlreiche Annehmlichkeiten. Mit ähnlichen Dingen warten auch manche europäische Zweigstellen auf. Experten werfen dem Unternehmen vor, so Mitarbeiter länger an ihrem Arbeitsplatz halten zu wollen und zu Überstunden zu bewegen. Quelle: dapd
Google steht beim Online-Shopping hinten anGoogle ist bei Online-Shoppern nicht die erste Wahl. Laut einer Studie von Forrester Research hat fast ein Drittel der Konsumenten bei ihrem letzten Online-Einkauf als erste Adresse Amazon (Foto) angesteuert. Bei Google waren es gerade mal 13 Prozent. Quelle: dpa
Google Books kann sich nicht durchsetzenVor allem im Bereich Bücher kann sich Google nicht gegen Amazon durchsetzen. Google Books ist 2010 gestartet und konnte sich seitdem kaum Marktanteile sichern. Am beliebteste ist Amazon, das schon vor 20 Jahren als digitaler Buchladen anfing. Quelle: dpa
Android ist beliebtes Ziel für VirenStudien zeigen, dass Viren auf Android-Geräten häufiger vorkommen. Grund dafür ist etwa die Masse an Apps, die existiert. Darunter mischen sich schädliche Anwendungen von Hackern, sogenannte Malware. Google reagierte darauf mit dem Programm „Bouncer“, das Programme vor ihrem Download auf ihre Sicherheit untersucht. Quelle: dpa
Google Wallet wird noch nicht angenommenVor einem Jahr startete Google Wallet. Mit dieser App exklusiv für Android-Geräte können Menschen mobil bezahlen. Von den Nutzern wird sie jedoch kaum in Anspruch genommen. Ein möglicher Grund: Bisher wird Google Wallets erst von 25 US-amerikanischen Händlern unterstützt. Quelle: dpa

“Die Tage von Google+ sind gezählt”, so lautete damals mein Fazit. Ich halte diesen Schluss auch im September 2013 noch für valide. Überhaupt fällt mir beim Lesen meines Beitrags auf, dass sich die meisten meiner einstigen Aussagen heute ohne große Modifizierungen erneut verwenden lassen. Etwa folgender Absatz, der die Lage von Google+ im Februar 2012 traf und dies auch anderthalb Jahre später tut:

“Google+ ist nach wie vor nichts anderes als ein Nischenangebot, das eine loyale Anhängerschaft besitzt, die sich aus einem vergleichsweise kleinen aktiven Nutzerkreis rekrutiert. Für manch ein Startup wäre dies durchaus akzeptabel. Für Google, das seit bald zwei Jahren [mittlerweile dreieinhalb Jahre] enorme Ressourcen dafür aufwendet, um endlich im Social Web Fuß zu fassen, reicht die bisherige Durchdringung bei weitem nicht aus”.

Bevor sich nun wieder Google+-Fans in Scharen über diese in ihren Augen inkorrekte Einschätzung beschweren, möchte ich sie anhand der aktuellen Situation genauer erläutern.

Lange Zeit war es schwierig, aussagekräftige Statistiken zur tatsächlichen Nutzung von Google+ zu erhalten. Das Unternehmen verwirrte bewusst mit relativ irrelevanten, aber von vielen Medien unkritisch als bedeutsam verkauften Zahlen. Dubiose, schiefe Vergleiche anstellende Studien von Marktforschungsinstituten erhöhten die Desinformation. Besonders kompliziert wurde die Bewertung der verfügbaren Daten durch die Frage, wann von einer Google+-Nutzung gesprochen werden kann: Immerhin besitzen hunderte Millionen registrierte Google-Mitglieder ein Google+-Profil, ohne die Kernfunktionen des sozialen Netzwerks zu verwenden oder überhaupt zu wissen, was sich hinter dem Plus-Kürzel eigentlich verbirgt.

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