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Soziales Netzwerk in der Kritik So gefährlich ist TikTok wirklich

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TikTok: Angst vor Hackern und Geheimdiensten


Wie sicher ist die Plattform gegen Hacker?

Zuletzt sorgte der Internet-Konzern Amazon für Aufmerksamkeit, als interne E-Mails bekannt wurden, in denen das Unternehmen seinen Mitarbeitern unter Bezug auf „Sicherheitsrisiken“ den Einsatz von TikTok auf ihren Smartphones verboten hat. Wenig später ruderte Amazon zurück. Der Versand der Nachricht sei „irrtümlich erfolgt“. 

Auch wenn das stimmen mag, es ist nicht das erste Mal, dass TikTok wegen Sicherheitsmängeln Probleme hat. Unter anderem publizierte der israelische IT-Sicherheitsdienstleister CheckPoint Anfang Januar eine Warnung vor mehreren Schwachstellen sowohl in der App als auch auf der Webseite des chinesischen Videodienstes. 

In der Folge konnten Angreifer anderen TikTok-Anwendern unter anderem Videos unterschieben und in deren Namen hochladen. Außerdem waren die Hacker in der Lage Videos zu löschen oder auch an persönliche Daten zu gelangen, wie etwa an die E-Mail-Adresse oder das Geburtsdatum. Zudem konnten die Angreifer Videos, die von den Nutzern als privat markiert waren, für die Öffentlichkeit freigeben. Speziell bei Inhalten von Kindern und Jugendlichen war das ein eklatanter Verstoß gegen den Schutz der Privatsphäre. 

Neben den Lücken in der App war es Angreifern zeitweilig auch möglich, Schadcode auf die TikTok-Webseite einzuschleusen und darüber Nutzer attackieren, weil beim Aufruf der Seite beispielsweise Spionagesoftware auf PC oder Smartphone geladen worden wäre. 

Die Sicherheitslücken waren so gravierend, dass etwa das vorab über die Schwachstelle informierte US-Verteidigungsministerium bereits im Dezember Soldaten verbot, die App auf dienstlichen Smartphones zu installieren. 

Auch der Europäische Datenschutzausschuss (EDSA) will den Datenschutz von TikTok überprüfen. Anfang Juni kündigte der Verbund der europäischen Datenschutzbehörden an, mögliche Aktionen gegen die App zu koordinieren.

Sorge bereitet Datenschützern auch, dass die TikTok-App in kurzen Abständen den Inhalt des Zwischenspeichers in Smartphones ausliest. Dort legen Nutzer unter anderem private Nachrichten ab, aber auch Links und Passwörter. Im Fall von Google-Handys hatte TikTok diese Praxis im Februar zunächst auf eine veraltete Entwicklungssoftware zurückgeführt, die demnächst ausgetauscht werde, berichtet Netzpolitik.org. Inzwischen wurde bekannt, dass das Phänomen auch auf iPhones auftritt.

TikTok begründete das Vorgehen, das auch eine Reihe anderer Apps nutzen, mit dem Kampf gegen Spam-Nachrichten. Inzwischen habe man aber eine neue Version des Programms beim App-Store eingereicht, die nicht mehr auf den Zwischenspeicher zugreife.

Durchwachsenes Urteil

Ist also TikTok tatsächlich gefährlicher als andere Apps und soziale Netzwerke? Schlampt es übermäßig beim Datenschutz, fließen Daten an chinesische Geheimdienste? 

Die Antwort fällt zwangsläufig unbefriedigend aus:

Nicht nur, weil – zumindest bei den Spionagevorwürfen – die Belege ebenso fehlen, wie etwa bei Huawei. Gleichzeitig ist die Sorge, dass Daten abfließen könnten angesichts der chinesischen Sicherheitsgesetze nicht von der Hand zu weisen. Mehr als ein Verdacht aber ist es bisher nicht, und die Bewertung auch eine Frage der individuellen Skepsis oder des Vertrauens.

Unbestritten aber ist, dass der Dienst – nicht anders als alle anderen kostenfreien sozialen Netzwerke – größtes Interesse daran hat, möglichst viel über seine Nutzer zu erfahren. Nur dann lässt sich das Angebot über personalisierte Werbung bestmöglich refinanzieren. Wirklich gratis, das zeigt TikTok wieder einmal, ist auch im Internet nichts: Im Zweifel zahlt der Nutzer mit der Preisgabe seiner Daten.

Dass Datenschützer und Verbraucherverbände den Videodienst durch ihre Einsprüche gezwungen haben, insbesondere die Sicherheitseinstellungen bei Kindern und Jugendlichen zu verschärfen, war überfällig. Und es spricht nicht für TikTok, dass das überhaupt erforderlich war.

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