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Sprachsteuerung „Siri“ Apple und Microsoft mauern gegen Google

Um sich weiter von Google zu emanzipieren hat sich Apple mit dem Software-Giganten Microsoft verbündet. In Zukunft wird die iPhone-Sprachsteuerung „Siri“ mit der Suchmaschine Bing statt mit Google laufen.

Was Apple Neues bringt
Die wohl bedeutendste Neuerung ist die Generalüberholung des Betriebssystems für das Smartphone iPhone und den Tablet-Computer iPad. Unter anderem hat das Design eine Generalüberholung erfahren und ist durch den Verzicht auf viele 3D-Logos „flacher“ in der Ansicht geworden. Quelle: REUTERS
Das Betriebssystem iOS 7 sei die wichtigste Änderung an der Software seitdem das iPhone auf den Markt gekommen sei, so Apple. Von den Neuerungen sollen auch ältere Geräte bis zum iPhone 4 profitieren können. Verfügbar wird die Software ab Herbst sein. Quelle: REUTERS
Der Wechsel zwischen mehreren Webseiten wird bei iOS 7 durch ein neues Scroll-Feature ermöglicht. Quelle: REUTERS
Auch der Mediendienst iTunes erhält einen neuen Anstrich. Quelle: REUTERS
Es ist keine Revolution, aber Apple bietet jetzt einen eigenen Streaming-Dienst an, der Musik etwa auf das iPhone überträgt: „iTunes Radio“. Der Dienst ist jedoch vorerst nur in den USA erhältlich. Quelle: dpa
Das Angebot „iTunes Radio“ enthält Werbeanzeigen und ist kostenfrei. Quelle: AP
Apple hat zudem ein neue Betriebssystem mit dem Namen OS X Mavericks vorgestellt für die Computer und Notebooks des Hauses. Die Neuentwicklung soll unter anderem eine engere Verzahnung mit iPhones und iPads ermöglichen. Quelle: dpa

Die Entscheidung ist aus gutem Grund gefallen. Der Suchmaschinen-Anbieter Google begibt sich schon seit Jahren auf die Gebiete, die eigentlich von Apple und Microsoft besetzt waren. Bestets Beispiel ist das mobile Betriebssystem Android, das Apples iOS inzwischen den Rang abgelaufen hat - und Microsoft den Einstieg in den markt extrem erschwert. Zuletzt machte der Suchmaschinen-Gigant aus Mountain View den beiden Herstellern auch noch mit eigenen Smartphones und Tablets das Territorium streitig.

Um den Neueinsteiger im Geschäft endlich konsequent bekämpfen zu können, haben die Chefs beider Konzerne nun Verträge geschlossen. Auf der Entwicklerkonferenz WWDC kündigte Apple-Chef Tim Cook an, beim neuen Mobil-Betriebssystem iOS7 auf die Suchmaschine Bing zu setzen. Wer trotzdem lieber Antworten von Google bevorzugt, muss das in seiner Frage an Siri explizit formulieren.

Google dominiert in Deutschland die mobile Internetsuche. Die Zahl der Nutzer stieg im vergangenen Jahr laut Comscore um 80 Prozent auf 14,8 Millionen im Monat. Die Konkurrenten Yahoo (eine Million Nutzer) und Bing (700.000) haben zwar auch zugelegt, sind aber im Vergleich zum Branchenprimus weit abgeschlagen.

Die zehn Erfolgsgeheimnisse des IT-Konzerns
Wie macht Apple das nur? Aktuell ist Apple das wertvollste Unternehmen der Welt. Der Börsenwert liegt bei mehr als 580 Milliarden Dollar. Und Apple  hat Barreserven in Höhe von  216 Milliarden  Dollar. Zehn Gründe warum das Unternehmen so viel besser ist als jeder Konkurrent. Quelle: REUTERS
1. Der NetzwerkeffektDie IT-Welt funktioniert nach anderen Regeln als der Rest der Wirtschaft. Eine besondere Rolle spielt der sogenannte Netzwerkeffekt. Beispiel Microsoft: In der Ära des PCs hatte der Konzern ein Quasi-Monopol im Bereich der Desktop-Betriebssysteme und der Office-Software. Der Grund: Sobald MS-DOS und später Windows gegenüber damals konkurrierenden Systemen wie CP/M nur einen hauchdünnen Vorsprung hatte, entwickelten Softwareentwickler vornehmlich für das Microsoft-System, um möglichst viele potenzielle Kunden zu erreichen. Andererseits wurde die Microsoft-Plattform mit der verfügbaren Software auch für die Kunden immer attraktiver. Die große Verbreitung von Office in der PC-Ära machte auch diese Software zum Quasi-Standard: Wer die Dokumente von Freunden, Kollegen und Geschäftspartnern lesen und bearbeiten wollte, musste zur Microsoft-Software greifen. Quelle: dpa
1. Der NetzwerkeffektIm mobilen Markt hat Apple die Nase vorn. Zwar werden in absoluten Zahlen im Smartphone-Markt mehr Geräte mit Android-System verkauft – doch Android-Nutzer zeigen im Schnitt deutlich weniger Bereitschaft, Geld für Apps auszugeben. Quelle: AP
2. Zulieferer in vielen LändernApples Zulieferer beschäftigen mehr als 1,6 Millionen Menschen in 20 Ländern. Apple steht wegen der Arbeitsbedingungen seiner Zulieferer in der Kritik. Das taiwanesische Unternehmen Foxconn, das vornehmlich in China produzieren lässt, wurde zum Symbol für Ausbeutung und schlechte Arbeitsbedingungen. Jetzt ist es Apple durch Kontrollen bei Zulieferern gelungen, Verstöße gegen Arbeitszeit-Beschränkungen zu reduzieren. Die Obergrenze von 60 Arbeitsstunden pro Woche sei im vergangenen Jahr zu 97 Prozent eingehalten worden, erklärte der Konzern in seinem jährlichen Bericht zur Lage bei den Zulieferern. Ein Jahr zuvor wurde noch ein Wert von 92 Prozent angegeben. Die durchschnittliche Arbeitszeit für fest angestellte Mitarbeiter bei Zulieferern lag jetzt bei 55 Stunden pro Woche. Quelle: dpa
3. MargeDie Marge pro verkauftem Gerät ist traditionell besonders hoch bei Softwareherstellern: Nachdem ein Software-Produkt entwickelt ist, sind die Kosten pro verkauftem Medium sehr gering, der Verkaufspreis hoch. Apple verkauft zwar auch Software, verdient sein Geld aber hauptsächlich mit dem Verkauf von Hardware. Der Konzern erreicht allerdings auch bei der Hardware Margen, von denen die Konkurrenz nur träumen kann. Offizielle Zahlen gibt es nicht, doch Analysten schätzen die Marge pro verkauftem Gerät zwischen 30 und 40 Prozent. Besonders groß ist die Marge beim iPhone – und davon hat Apple wiederum besonders viele Geräte verkauft: im Jahr 2015 mehr als 231 Millionen Stück. Quelle: REUTERS
4. Konzentration auf das WesentlicheAuch bei den Produktkategorien herrscht Übersichtlichkeit. Das aktuelle iPhone SE gibt es jeweils mit unterschiedlicher Speicherausstattung – auf verwirrende Produktbezeichnungen mit langen Zahlenreihen und verschiedenen Ausstattungen verzichtet der Konzern komplett. Mit der Konzentration auf das Wesentliche hat Apple auch beim Produktdesign Trends gesetzt: Überflüssiges wird weggelassen. Das macht die Produkte elegant und benutzerfreundlich. Damit liegt Apple ganz auf der Linie des heimlichen Vorbilds, dem deutschen Braun-Designer Dieter Rams. Quelle: dpa
Apple-Museum Quelle: dpa

Trotzdem schneidet Apples Vertragskündigung Google ziemlich ins Fleisch. Denn das Unternehmen ist auf die Kunden der Apple-Mobilgeräte angewiesen, da iOS-Kunden laut Analysen im Durchschnitt deutlich öfter und länger online unterwegs sind als Android-Nutzer. Außerdem geben sie mehr Geld für Online-Shopping oder App-Käufe aus. Bisher zahlt Google daher der Investmentbank Morgan Stanley zufolge eine Prämie von 3,50 Dollar pro verkauftes iOS-Gerät an Apple, damit Google zumindest im Browser Safari der Standard bleibt.

Es ist nicht der erste Schritt von Apple, Google aus seinem System zu verbannen: Die aktuelle iOS-Version 6 setzte bereits Google Maps vor die Tür und lieferte stattdessen eine eigene Apple-Navigationsapp. Der Versuch ging aber nach hinten los, weil das Kartenmaterial lange nicht so zuverlässig ist wie das von Google. Schnell rüsteten viele ihr iPhone mit der Google-Map wieder nach. Das gleiche Spiel mit YouTube: Apple installierte die App nicht mehr vor, die Kunden mussten selbst aktiv werden.

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Neben der neuen Allianz von Apple und Microsoft wenden sich aber auch andere große Internet-Konzerne von Google ab. So arbeitet die neue Facebook-Funktion „Graph Search“, die bald auch in Deutschland eingeführt wird, ebenfalls mit Bing anstatt mit Google. Bei der neuen Facebook-Suche können Nutzer Fragen oder Schlüsselwörter zu den vier Bereichen Menschen, Fotos, Orte und Interessen eingeben. Durch die Einbindung von Bing lassen sich darüber hinaus aber auch externe Inhalte wie das Wetter oder das aktuelle Kinoprogramm anzeigen.

Auch wenn der Marktanteil von Bing in Deutschland nur bei rund zwei Prozent liegt, kommt die Microsoft-Suche in den USA immerhin auf über 16 Prozent (Stand: Januar 2013). Google hat zu den neuen Plänen von Apple bislang keine Stellung genommen.

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