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Studie Illegale Downloads kurbeln das Geschäft an

Ein illegal heruntergeladenes Album ist ein nicht gekauftes Album, sagt die Musikindustrie. Ein US-Professor sieht das anders. Seinen Untersuchungen zufolge verbessert es häufig sogar die Verkaufszahlen.

Schaden illegale Downloads und Filesharing-Portale der Musikindustrie oder nicht? Forscher und Musikmanager sind sich uneins. Quelle: Fotolia

Wer sich einen Song im Internet downloadet, bezahlt nicht mehr für ihn, so ist der allgemeine Tonus der Musikbranche. Tauschbörsen und das sogenannte Filesharing erzeugen Verluste, sind sich die Musikkonzerne sicher, vor allem wenn das Album schon vor seinem offiziellen Verkaufsstart durch das Netz geistert. Robert Hammond, Wirtschaftsdozent an der North Carolina State University, sieht das anders.

Für seine Studie „Profit Leak? Pre-Release File Sharing and the Music Industry” untersuchte Hammond, der Wirtschaft und Politik studierte und als Assistenzprofessor arbeitet, Download- und Verkaufsstatistiken von etwa 1.000 Musikalben.

Seine Schlussfolgerung: „Die Ergebnisse scheinen eindeutig zu zeigen, dass ein Album von höherem Filesharing profitiert“, schreibt der Wirtschaftswissenschaftler in seiner Studie. Musikalben, die bereits vor ihrem Veröffentlichungstermin im Netz kursierten, werden nicht schlechter verkauft, sondern teilweise sogar besser, so Hammond.

Die zehn erfolgreichsten Tourneen 2011
Platz 10: Sade AduAuf Platz zehn der erfolgreichsten Tourneen 2011 landet die R&B-Sängerin Sade Adu mit ihrer Band Sade. Zu den 59 Konzerten der Tournee kamen insgesamt fast 600.000 Besucher. Damit nahm die mehrfache Grammy-Preisträgerin 53.178.550 US-Dollar (40.320.402 Euro) ein. Nach einer langen Pause war die Band 2010 mit dem Album „Soldier of Love“ und einer Doppel-CD der größten Hits ins Rampenlicht zurückgekehrt und begann ihre erfolgreiche Welttournee. Die nigerianisch-britische Bandleaderin lässt sich viel Zeit zwischen ihren Veröffentlichungen und meidet den roten Teppich.
Platz 9: André RieuEr gilt als Traumprinz aller Großmütter und zieht bei seinen vielen Konzerten eine Menge Fans an. Der niederländische Geiger André Rieu gab in der vergangenen Saison 102 Konzerte und lockte damit 657.757 Besucher an. Der Salonmusiker weiß sich zu inszenieren und wählt als Kulisse für seine Konzerte oft ein pompöses Schloss. Wer sich so zu vermarkten weiß, kann auch mit ordentlichen Einnahmen rechnen: Über 50 Millionen Euro spülten die Konzertbesucher in die Tournee-Kasse – Platz neun unter den erfolgreichsten Konzerttourneen. Quelle: AP
Platz 8: Lady GagaAuch Lady Gaga hat im vergangenen Jahr ordentlich Kasse gemacht. Die schrille Stil-Ikone nahm insgesamt knapp 72 Millionen US-Dollar (55 Millionen Euro) durch Konzerte ein und erreicht Platz 8 im Ranking der erfolgreichsten Tourneen. Ihre Single-Auskopplung „Born This Way“ landete innerhalb weniger Stunden nach Erscheinen auf Platz Eins der der meisten Download-Portale. Die exzentrische New Yorkerin war 2008 mit ihrem Album „The Fame“ auf dem unter anderem auch „Poker Face“ zu hören ist berühmt geworden und gehört heute zu den kommerziell erfolgreichsten Musikern weltweit. Quelle: dpa
Platz 7: UsherNoch erfolgreicher war der R&B-Sänger Usher. Zu seinen Konzerten kamen 2011 insgesamt 922.327 Besucher – damit landet er auf Platz 7. Alle zusammen bezahlten rund 75 Millionen Dollar für ihre Eintrittskarten. Zusammen mit den US-amerikanischen Rappern Ludacris und Lil Jon hatte er 2004 mit „Yeah“ seinen ersten Nummer 1-Hit in Deutschland gelandet. Von da an gehörten seine CDs zum festen Bestandteil der deutschen R&B-Gemeinde. Neben seiner eigenen Karriere kümmert sich Usher auch um den musikalischen Nachwuchs. Er gilt als Mentor der kanadischen Teenie-Stars Justin Biber. Quelle: dpa
Platz 6: Kenny ChesneyAuf Platz sechs ist der Country-Sänger Kenny Chesney der erste der mit seiner Tournee die Besuchermarke von einer Million knackt. 1.160.132 Besucher strömten zu seinen Konzerten und brachten insgesamt knapp 85 Millionen US-Dollar (64 Millionen Euro) mit. Er gehört zu den Top Drei der finanziell erfolgreichsten Musiker weltweit und hatte schon mehr als 30 Top-Ten-Singles in den Billboard-Country-Charts. Auch mit seinem Privatleben sorgte der Sänger schon für Aufsehen. Seine Ehe mit Oscar-Preisträgerin Renée Zellweger hielt nur vier Monate. Quelle: REUTERS
Platz 5: Taylor SwiftNoch mehr Zuschauer hatte die Country-Pop-Sängerin Taylor Swift, die 2011 die finanziell erfolgreichste Musikerin weltweit war. 1.356.720 Fans waren live dabei, als sie ihre selbst geschriebenen Songs aus dem 2010 veröffentlichten Album „Speak Now“ sang. Die Platte hatte sich in den USA innerhalb einer Woche mehr als eine Million Mal verkauft. Neben ihrer Karriere als Musikerin spielt sie hin und wieder auch in Filmen mit. So zum Beispiel 2009 in „Hannah Montana – Der Film“ oder in einer Gastrolle in der Fernsehserie „CSI“. Quelle: REUTERS
Platz 4: Roger WatersAuf Platz vier landet Roger Waters. Der Sänger und Bassist, der sich zu den Gründungsmitgliedern der legendären Rockband „Pink Floyd“ zählen darf, ist auch als Solist höchst erfolgreich. Zu seinen 92 Shows kamen 1.362.993 Besucher. Und die spülten ordentlich Geld in die Kasse des Musikers: 185.175.360 US-Dollar (113.677.582 Euro) bezahlten die Fans insgesamt für ihre Eintrittskarten. Während seiner Tournee trat er am 12. Mai 2011 auch mit zwei ehemaligen Bandkollegen (David Gilmour und Nick Mason) von Pink Floyd auf. Quelle: dapd

Seine Begründung: der Werbeeffekt. Die illegalen Downloads machten wie Vorab-Präsentationen bei Radiosendern oder das früher präsentierte Musikvideo vor allem Werbung für die neuen Musikstücke. Dadurch würde das Interesse an der Musik gesteigert und die Verkaufszahlen erhöht.

Weniger erfolgreich für Newcomer

Bereits 2009 hatte die Harvard Business School in der Studie "File-Sharing and Copyright" ähnliche Ergebnisse erzielt. "Die Gesamtproduktionszahlen für die Kreativwirtschaft scheinen die Ansicht zu bestätigen, dass Filesharing auf Künstler und Verwerter nicht abschreckend wirkt“, schrieben damals die Initiatoren. Sie hatten die Albenverkäufe des Jahres 2000 bis 2009 untersucht und festgestellt, dass die Albumproduktion trotz gefallener Verkaufszahlen explodiert war.

Hammon muss seine Ergebnisse aber einschränken: Von dem Werbeeffekt des Filesharings profitieren nur Lady Gaga, Bruce Springsteen und Co. Weniger bekannte Künstler hingegen verkaufen der Studie zufolge nicht mehr, wenn ihre Songs im illegalen Filesharing umhergeistern.

„Heruntergeladen heißt nicht gekauft“, steht aber bei Wissenschaftlern weiterhin klar in Frage. Die Musikindustrie konnte bisher nicht eindeutig nachweisen, dass rückgängige Verkäufe auf die Urheberrechtsverletzungen im Internet zurückgehen.

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Die Rückgänge der vergangenen Jahre waren aber so stark, dass zwangsmäßig zumindest eine Teilschuld auf das illegale Filesharing geschoben wird, zeigen doch die Zahlen von 2007/2008 etwa bei EMI, dass die gepresste Musik um acht Prozent zurückging. (Die digitalen Verkäufe legten übrigens im Gegenzug um 38 Prozent zu.)

Studien von Wissenschaftlern, wie die von Hammond oder der Harvard Business School, geben hingegen weiterhin den Anschein, dass die Downloadkultur eine Entwicklung ist, die verändert, aber nicht zwangsweise schadet. Klar zu bewerten, ist es aber weiterhin nicht. Die Diskussion ums Copyright im Internet geht weiter.

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