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Tablet-PCs und E-Reader Die deutschen Konkurrenten von Apples iPad

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Deutscher Start

Schwerer als Plastic Logic dürfte es das Berliner Unternehmen Txtr mit seinem gleichnamigen Lesegerät haben. Das hat wie der Que ein Schwarz-Weiß-Display, das aber nicht einmal halb so groß und nicht berührungsgesteuert ist. Es erinnert an den Kindle von Amazon, der eigentlich nur zum Lesen von Büchern geeignet ist. Mit einem Preis von 299 Euro wird das Gerät, das spätestens im Juli auf den Markt kommen soll, zudem rund 30 Euro teurer als Amazons Kindle.

Das Unternehmen Txtr existiert seit 2007. Firmenchef Christophe Maire hatte 1999 einen Navigationssoftware-Entwickler gegründet und den später an Nokia verkauft. Die Idee, Lesegeräte zu bauen, kam ihm und Kollegen in einer Berliner Sushi-Bar. Nach MP3-Spielern und Navis sahen sie die nächste Technologiewelle anrollen.

Auch die Berliner lassen in China fertigen. Hersteller in Fernost zu finden, sei einfach, die Produktion selbst sei es nicht, sagt Maire. Regelmäßig müsse er einige seiner 30 Mitarbeiter nach China schicken, um die Qualität sicherzustellen. Zwischendurch musste er einmal sogar den Hersteller ganz wechseln – ein Grund, warum sich die Einführung immer wieder verzögerte. Mitte April schloss das Unternehmen eine Vereinbarung mit der Bertelsmann-Buchverlagstochter Random House. Damit kann es E-Books von über 40 Verlagen wie Heyne, Goldmann und Knaus im eigenen Online-Store anbieten. Im Herbst hatte Txtr einen ähnlichen Deal mit der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck getroffen, zu der Verlage wie Droemer Knaur und Rowohlt gehören. Doch wird Txtr kaum mit Exklusivinhalten punkten, wollen sich doch die meisten Verlage nicht an einen Hersteller binden. „Sie bieten ihre Inhalte auf iPad, Kindle und anderen Geräten gleichzeitig an“, sagt Joachim Stephan, Medienexperte und Geschäftsführer bei BCG. Ohne Exklusivität sei es schwer.

Um nicht ganz am Erfolg des eigenen Gerätes zu hängen, wird Txtr E-Books auch über eine Software für das iPad vertreiben.

Top oder Flop

Wie viel Gegenwehr Neulinge erwarten können, erfuhr mit Neofonie der dritte deutsche Hersteller, ebenfalls aus Berlin. Ende März überraschte Firmenchef Helmut Hoffer von Ankershoffen mit der Ankündigung, seinen Tablet-Computer namens WePad auf den Markt bringen zu wollen. „Wir befreien die Verlage aus den Fesseln, die Apple beim iPad aufstellt“, lautete da seine vollmundige Ankündigung (WirtschaftsWoche 13/2010). Kurz darauf musste er das Gerät in WeTab umtaufen, offenbar hatte Apple angedroht, gerichtlich gegen Neofonie vorzugehen.

Aber auch sonst sind die als Hoffnungsträger gestarteten Berliner fast auf Flop-Niveau gelandet: Auf einer Pressekonferenz im April bewarb Ankershoffen noch die Vorzüge gegenüber dem iPad, etwa die Webcam und USB-Anschlüsse. Der gezeigte Prototyp lief aber nicht mit dem hauseigenen Betriebssystem. Stattdessen spielte er bloß ein Video der Software ab. Ende Mai dann die nächste Ernüchterung: Statt im Juni soll das WeTab erst im September ausgeliefert werden. Sollte es Neofonie aber gelingen, ein funktionierendes Gerät zu kreieren, könnte das Unternehmen vor allem Kunden gewinnen, die eine Aversion gegen den Giganten Apple haben.

Wie groß die Chancen für Neofonie, Txtr und Plastic Logic gegen das iPad und den Kindle sind, wird sich in den kommenden zwei bis drei Jahren entscheiden. „Die Hersteller müssen breite Funktionalitäten anbieten“, warnt Berater Stephan und fügt hinzu: „Nischenprodukte sind in diesem Markt mittelfristig nicht überlebensfähig.“  

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