Telefonieren im Browser

In den Labors von Chrome und Firefox arbeiten die Entwickler an einer Technik, die eigenständige Dienste wie Skype oder Viber schon bald überflüssig machen könnte. Telefonate und Videokonferenzen laufen dann ohne Umwege direkt über den Browser.

1,5 Millionen Dollar für "Yo"
YoDämlich oder genial: Dem israelischen Entwickler Or Arbel hat seine App "Yo", die eigentlich als Aprilscherz gedacht war, mittlerweile 1,5 Millionen Dollar Venture-Capital eingebracht. Die Gratis-App hat bislang oberflächlich betrachtet genau eine Funktion: Man kann seinen Freunden das Wörtchen "Yo" aufs Smartphone schicken. Die App wurde schon mehr als zwei Millionen Mal heruntergeladen, mehr als vier Millionen Yos wurden verschickt. In den kommenden Wochen soll es nun ein Update geben, das Yo in eine Messaging-Plattform verwandeln soll, mit der dann auch Links verschickt werden können. Der Service soll ähnlich wie Twitter oder WhatsApp funktionieren, aber viel einfacher gehalten sein, berichtet das " Wall Street Journal". Zudem werde an einer RSS-Funktion gearbeitet, über die Webseiten, Blogger oder Verlage per Push-Benachrichtigung Infos an die Nutzer weitergeben können. Bereits heute wird Yo etwa in Manhattan eingesetzt, um Nutzer darüber zu informieren, dass ein Fahrrad des Sharing-Anbieters Citibike frei ist. In Israel könne man sich bereitsper Yo informieren lassen, wenn Raketen in der Luft sind, berichtet das WSJ weiter. Quelle: Screenshot
NoddlerVirtuelle Küsse, Tritte in den Hintern, Ohrfeigen, ein freundliches Schulterklopfen oder Torten in Gesichter werfen - Noddler ist eine wirklich emotionale App für Apples Betriebssystem iOS 6. Design und Anwendung sind sehr simpel gehalten: Einfach einen Kontakt wählen, eine aus 40 Aktionen aussuchen und das iPhone schütteln. Die Aktion kann dann auf Facebook, Twitter und App.net veröffentlicht werden. Die App ist gratis im App-Store erhältlich. Quelle: Screenshot
iBierDie App iBier ist zwar relativ nutzlos, dafür ein echter Partygag. Einfach das Smartphone nach hinten kippen und mit Glucks-Geräuschen vermeintlich ein Bier austrinken. Rülps-Geräusche inklusive. Quelle: Screenshot
iSteamDiese App lässt den Bildschirm des Smartphones beschlagen. Wie bei einem Badezimmerspiegel lässt sich dann mit dem Finger darauf herum malen. Dabei quietscht es, wie auf einem echten Spiegel. Quelle: Screenshot
AdventskranzDiese App soll den User durch die vorweihnachtliche Zeit führen und für besinnliche Stimmung sorgen. Vor dem 1. Advent erscheint der Adventskranz mit vier unbenutzten Kerzen. An jedem Adventssonntag wird dann - wenig überraschend - je eine Kerze mehr angezündet. Nach Weihnachten, am 27. Dezember, erlöschen die Kerzen wieder bis zum nächsten Jahr. Kerzenfarbe, Hintergrund und auch der Kranz selbst lassen sich verändern. Durch seine Facebook-Anbindung kann dieser mit den Freunden geteilt werden. Außerdem lassen sich eigene Fotos als Hintergrund einbinden. Die Kerzen auf dem Kranz flackern und bewegen sich je nach Neigung des iPhones/iPads, und sie lassen sich über das Mikrofon auspusten. Quelle: Screenshot
AirCoasterDie Achterbahnfahrt auf dem Sofa bietet der AirCoaster an. Die App verspricht dem Kunden eine realistische 3D-Optik. Den Rummel ersetzen kann die Anwendung trotzdem nicht. Quelle: Screenshot
Blase LuftDie App sorgt dafür, dass Luft aus dem iPhone gepustet wird. Damit kann man dann zum Beispiel eine Kerze ausblasen. Selber pusten funktioniert natürlich auch.
Dream:ONFür alle die sich den perfekten Traum wünschen und daran glauben, dass das funktioniert, ist Dream:ON das richtige. Die App funktioniert so: Vor dem Schlafengehen wird der gewünschte Traum ausgewählt. Zur Auswahl stehen der Tag auf dem Land, Fliegen können oder Stunden am Sandstrand. Danach wird das Telefon einfach auf der Matratze platziert. Das Smartphone beobachtet dann über die Atmung das Schlafmuster. Sobald eine Traumphase beginnt, spielt das Telefon einen bestimmten Sound. Ganz nach Schlafverhalten passt das Smartphone die Geräuschkulisse an. Quelle: Screenshot
PeitschenAuch Peitschen-Apps gibt es mehrere. Einfach das Smartphone schwingen wie eine Peitsche und schon ertönt das bekannte Knallgeräusch. Sinnlos, aber lustig. Quelle: Screenshot
KussTest+KussTest+ ist eine von etlichen Apps, die einem verraten soll, wie gut man küssen kann. Sagt dir die App, dass man ein schlechter Küsser bist, gibt es ein Trainingsprogramm. Vor allem unter Teenagern sind die Kusstester auf dem Smartphone ein echter Renner. Quelle: Screenshot
RunPeeOb die App RunPee sinnlos ist oder nicht, darüber wird in vielen Foren heftig gestritten. Die App sagt einem, an welchen Stellen eines Spielfilms man auf die Toilette gehen kann ohne inhaltlich etwas entscheidendes zu verpassen. Das komplette Filmerlebnis geht durch den Toilettengang aber in jedem Fall verloren. Da hilft auch keine App, sagen die Kritiker. Quelle: Screenshot
VerbrechenDie App Verbrechen zeigt auf einer Karte die aktuellsten Polizeimeldungen an. Hilfreich ist die App maximal in Zeiten der Wohnungssuche, da sie einem relativ neutral verrät, welche Stadtteile am sichersten sind. Kritiker sagen, die App schüre unbegründete Ängste. Quelle: Screenshot

Während die Netzgemeinde noch streitet, ob neue Kommunikationsdienste wie Viber den etablierten Webtelefonie-Angeboten à la Skype womöglich den Rang ablaufen, bahnt sich in den Labor der Browser-Entwickler eine Revolution an, die beide – Jäger wie Gejagten – schon bald überflüssig machen könnte. Dann nämlich mutiert die Internet-Software selbst zum Telefon und Videokonferenz-System.
Möglich macht das ein Web Real-Time Communication genanntes Verfahren – kurz WebRTC –, das die direkte Echtzeitkommunikation zwischen zwei Browsern ermöglichen soll. Die Technik wird gegenwärtig beim World Wide Web Consortium standardisiert. Vorteil von WebRTC: Eine zusätzliche Software, über die die Sprach- oder Videoverbindungen aufgebaut wird, wird überflüssig.
Erfüllen sich die Hoffnungen der WebRTC-Protagonisten – unter anderem wird die Standardisierung maßgeblich von Google, Mozilla und Opera unterstützt –, dann reicht es in aus einen Browser auf seinem PC, Tabler oder Smartphone installiert zu haben, der die Kommunikationstechnik unterstützt. Weitere Programme, oder auch ein (kostenpflichtiges) Nutzerkonto bei einem Dienstleister wären nicht mehr von Nöten.

ganz abgesehen davon, dass diese direkte, web-gestützte Kommunikation das durch sogenannte Over-the-Top-Dienste (OTT) wie WhatsApp oder iMessage ohnehin unter Druck stehende Geschäft der Mobilfunker noch zusätzlich in die Zange nehmen – die Technik bedroht auch die OTT-Spieler selbst. Und zwar nicht nur stark auf Konsumenten ausgerichtete Online-Angebote wie Skype oder Viber.

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