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Topraks Technik Talk Helden der Republik: Die heimischen PC-Administratoren

Datensicherung in der Familie? Vergessen Sie es! Mehmet Toprak, Journalist und IT-Spezialist über die heimatlichen Helden der Republik.

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Mehmet Toprak Quelle: Mertoglu

Wenn es das Bundesverdienstkreuz für Berufsstände gäbe, dann würde ich es den Computer-Administratoren verleihen. Mit Stern und Schulterband.

Täglich halten sie das Netzwerk in Schuss, schützen die Firma vor Viren oder Datenspionen und versorgen Mitarbeiter mit Software-Updates. Die Kollegen sind eigentlich der größte Stressfaktor.

Der Außendienstler will sein schickes Notebook unbedingt noch vor der Messe haben, der Anzeigenleiter fragt, warum ihre Mails nicht ankommen, der Marketing-Kollege will die Kontaktdaten in Outlook mit seinen privaten Smartphone abgleichen und der Abteilungsleiter Logistik versteht nicht, warum das Verbot von MP3-Dateianhängen in E-Mails auch für ihn gilt.

Einen kleinen Orden, die Verdienstmedaille, habe ich eigentlich auch verdient. Ich bin selbst so eine Art Administrator, zu Hause. Wie Millionen anderer Familienväter auch, die sich mit Technik auskennen und sich deshalb um PCs, Drucker, WLAN-Router, Digicam und Internetzugang kümmern.

Die Firewall spinnt schon wieder

Das geht zum Beispiel so: "Pa-a-aps, mein Messenger funktioniert nicht." Meine Tochter, 17 Jahre, 12. Klasse, sehr klug. Blitzartig eile ich ins Kinderzimmer zum Rechner, tippe, klicke, und konfiguriere solange, bis alles wieder geht. Jetzt ertönt ein Seufzen aus dem Wohnzimmer.

Ich renne rüber und helfe meiner Frau eine Excel-Tabelle so auszudrucken, dass sie auf ein DIN-A4-Blatt passt. Dann erzähle ich noch, wie man die Datei zur Sicherheit auf einem USB-Stick speichert. Wechsel ins Kinderzimmer, die Firewall spinnt schon wieder. Ganze Sonntagnachmittage habe ich schon als rastloser Pendler zwischen Wohn-, Kinder- und Arbeitszimmer verbracht.

Innenansicht einer Festplatte: Quelle: AP

Stichwort Hoffnungslos. So was interessiert 17-Jährige einfach nicht. Kürzlich hielt ich eine dreiminütige IT-Schulung ab. "So ein Computer geht gerne mal kaputt. Es wäre doch schade, wenn du all deine Daten verlieren würdest, all die Fotos von der Shisha-Party, dein Bio-Referat, und natürlich die Musik auf der Festplatte. Also speichere einfach alle Ordner mit deinen persönlichen Daten einmal pro Woche auf einem externen Medium." Der pädagogische Auftritt war ebenso gut gemeint wie bedeutungslos. Aufgaben wie das Sichern von Daten oder das Konfigurieren eines Virenscanners stehen nicht auf der Agenda von Teenagern.

Tigerenten-PC: Kinder wissen Quelle: dpa

Die Computerindustrie umsorgt den IT-Administrator in der Firma mit Lösungen und Produkten bis zum Abwinken. Den Privat-Admin zu Hause lässt sie im Stich. Das wäre ein Markt mit vielen Chancen. In mehr als 75 Prozent aller Haushalte stand 2006 ein Rechner, sagt das Statistische Bundesamt. Das sind seitdem sicher nicht weniger geworden. Heute besitzen viele Familien zwei oder drei PCs – und ein Notebook. In diesem Szenario sind Lösungen gefragt, die grundlegende Probleme wie Datensicherung, Internetzugang oder Virenschutz einfach regeln. Doch diesen Trend haben die Hersteller bisher ignoriert. Das, was oft unter dem Etikett Family-PC verkauft wird, ist meistens ein mittelmäßiger Standardrechner, der mit zweitklassigen Multimedia-Programmen zugemüllt ist. Sinnvoll sieht anders aus.

Ich würde mir beispielsweise wünschen, dass alle Programme grundsätzlich mit drei Lizenzen verkauft werden, also auf drei PCs installiert werden dürfen. Vereinzelt gibt es das ja schon, aber es ist nicht der Normalfall. Gut wäre auch, wenn man bei Bedarf schnell weitere Lizenzen im Internet nachkaufen könnte. Etwa wenn man ein Notebook gekauft hat und darauf die Bildbearbeitung installieren möchte, die schon auf den Desktop-Rechnern vorhanden ist.

Computerhersteller zugehört!

Ganz wichtig: Jeder Neu-PC hat ein fertiges Datensicherungs-System an Bord. Dafür reichen im Grunde ein simples Software-Modul und eine wieder beschreibbare DVD-RW mit 8,4 Gigabyte Kapazität. Oder eine externe Festplatte gegen 50 Euro Aufpreis. Von der ersten Sitzung an würde der Rechner alle persönlichen Dokumente wie Fotos oder Texte zusätzlich auf DVD oder Festplatte ablegen. So ein Backup-System ab Werk in jeden Rechner einzubauen, kann ja nicht so schwer sein. Ein fertig konfiguriertes Antivirenprogramm wäre auch prima. Klar, das gibt´s alles. Aber man muss es sich immer irgendwie zusammensuchen und zusammenklicken.

Es gibt viele Möglichkeiten, den Digital Lifestyle im Familienleben zu erleichtern. Hoffentlich merken die Computerhersteller das bald mal. Millionen zufriedener Mienen bei Home-Admins würden es Ihnen danken.

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