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Topraks Technik Talk

Hightech-Zombies betteln um Gnade

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Big Lebowski in Halle 2

Jeff Bridges als

Was bei der Geschirrspülmaschine noch geklappt hat - sie hat unseren Alltag erleichtert, ist beim Computer schief gegangen - er hat uns keine Verkürzung der Arbeitszeit gebracht. Er bringt genau so viel, dass es sich knapp lohnt. Zehn Schritte voraus und neun zurück, das ist das Schema. Auch das Internet ist längst kein Vergnügen mehr. Überall muss man wachsam und auf der Hut sein wegen all der Viren und Hacker. Außerdem poppt auf jeder zweiten Seite irgendein saudummes Werbefenster auf, das man zuerst wegklicken muss. Die schönen und nützlichen Dinge des Internet werden (fast) aufgefressen durch den Aufwand, den man treiben muss, um in deren Genuss zu kommen. Für Faulpelze, die einfach gechillt durchs Netz cruisen wollen, ist das Internet der falsche Ort.

Ich fühle mich wie der "Dude", alias Jeff Lebowski in dem Film "The Big Lebowski". Ein vergammelter Alt-Hippie, der im Bademantel träge durchs Leben schlurft, White Russians trinkt, Walgesänge hört und höchstens mal eine Runde Bowling mit seinen Kumpels spielt. Er und sein Freund, der paranoide Vietnam-Veteran Walter, geraten in Schwierigkeiten, auf die sie einfach nicht vorbereitet sind.

Der Computer ist der natürliche Feind des Lebowskis, der im Herzen aller guten Menschen wohnt. Als rasender Taktgeber der Informationsgesellschaft teilt der Computer die Menschen in zwei Klassen. Die einen verlieren ihren Arbeitsplatz, weil der Computer das schneller macht, die anderen rackern sich dafür am PC kaputt. Das hektische Gewusel auf der CeBIT ist die soziale Folge einer Technik, die den Menschen im wahrsten Sinne des Wortes unter Strom setzt.

Bunny Lebowski am Swimming Pool

Irgendwie will es mir so vorkommen, als ob es dem schnarrenden Hightech-Zombie, der mir beim Kaffee erzählt, wie toll die Version 12.1. seiner Video-Schnippschnapp-Software ist, im Grunde ganz genauso geht. Er würde jetzt auch lieber wie der Dude eine Runde Bowling spielen, dummes Zeug reden dürfen und vielleicht einen Joint rauchen. Unsere Unterhaltung würde dann ganz anders verlaufen: "Mann, was ist so toll an deiner bekackten Software?" - "Nichts Kumpel, was Typen wie du verstehen würden". Die Standhostess, die jeden Tag 150 Gäste Kaffee und Kekse servieren muss, würde auch lieber am Swimming-Pool sitzen und sich die Zehennägel lackieren, so wie Bunny Lebowski im Film. Auch sie trägt den Lebowski im Herzen, da bin ich ganz sicher.

Die Wahrscheinlichkeit, dass viele CeBIT-Teilnehmer heimlich vom Nichtsnutz  träumen, ist gar nicht so gering. Das lässt sich beweisen: In Xing, dem Business-Netzwerk, Hort aller High-Performer und Karriere-Überflieger, gibt es auch ein Forum für Kinofans. Was ist der meistgenannte Lieblingsfilm der Xing-Community? The Big Lebowski.

Vielleicht sollten wir auf der CeBIT 2010 einen Lebowski-Tag festlegen. An diesem Tag rennen, nein, schlurfen wir alle in Bademantel und Shorts durch die Hallen und an jedem Stand süffeln wir einen White Russian. Oder noch besser: Die Messe richtet einen eigenen theme parc dazu ein. Statt der langweiligen  Ausstellungen zu eGovernment oder Green IT hieße das Motto "eDude". Da lassen sich exzellente Marketingkampagnen aufsetzen: Lebowski, wie er mit dem Blackberry-Smartphone eine Bowlingbahn reserviert, Lebowski als Security-Administrator eines Bademantel-Herstellers, Lebowski wie er zum Joint Walgesänge auf dem MP3-Player genießt, und nicht zu vergessen sein Freund, der verrückte Walter, wie er auf einem Netbook die Scores aus dem Bowling-Turnier eingibt. Mann, wäre das eine bekackt schöne Computermesse ...

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