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Topraks Technik Talk

Supercomputer zu Hause

Die Flut an digitalen Geräten wie PCs, Notebooks, Smartphones und MP3-Playern macht den Alltag immer komplizierter. Unternehmen lösen das Problem durch Server, Netzwerke und Supercomputer. Auch im eigenen Heim wäre das die ideale Lösung.

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Nie wieder Urlaubsfotos via Quelle: dpa-tmn

Die Flut an digitalen Geräten wie PCs, Notebooks, Smartphones und MP3-Playern macht den Alltag immer komplizierter. Unternehmen lösen das Problem durch Server, Netzwerke und Supercomputer. Auch im eigenen Heim wäre das die ideale Lösung.

Das Smartphone in der linken Jackentasche, den MP3-Player in der rechten und ein Netbook im Rucksack. So innovativ ausgerüstet sind viele Zeitgenossen heute unterwegs. Zu Hause steht dann noch ein Notebook auf dem Schreibtisch. Bei Familien kommen vielleicht noch ein oder zwei PCs hinzu.

Es ist offensichtlich, dass dieser digitale Fuhrpark mit steigender Komplexität auch eine Reihe von Problemen nach sich zieht. So muss man alle Programme mehrfach installieren, alle Updates mehrfach einspielen und Sicherheitsprogramme wie Virenscanner oder Firewalls mehrfach installieren.

Lästig ist auch, dass man ständig Daten hin und her kopieren muss. Den Text, den der Nutzer unterwegs auf dem Netbook geschrieben hat, kopiert er sich zuhause auf den PC, die Urlaubsbilder auf dem Rechner der Gattin transportiert er per USB-Stick auf seinen eigenen PC. Es ist nicht so, als dass es dafür keine hilfreichen Produkte gäbe. NAS-Festplatten, ans Heimnetzwerk angeschlossen, speichern alle Daten zentral. Media Server verteilen Musik und Videos quer im ganzen Haus. Aber die Software muss der Anwender trotzdem mehrfach installieren und dafür sorgen, dass alles schön kompatibel bleibt. Externe Festplatten stellen auch keine Rechenleistung zur Verfügung und können keine Programme ausführen.

Server und Netzwerke im Unternehmen

Unternehmen haben Server und Netzwerke, in denen Daten zentral gespeichert und Updates vom Server aus auf alle Arbeitsplatz-PCs verschickt werden. Synchronisations-Tools sorgen dafür, dass sich auch die Mitarbeiter mit ihren Notebooks von unterwegs ins Firmennetzwerk einklinken und ihre Daten abrufen. Für Anwendungen, die besonders hohe Rechenleistung brauchen, stehen Workstations oder Supercomputer zur Verfügung. In diesem Umfeld können sich die Mitarbeiter auf ihre Arbeit konzentrieren.

Warum gibt es so was nicht für Privatanwender und Familien, damit die sich auf ihr Familienleben konzentrieren können? Technisch gesehen wäre das heute schon machbar. Eine Lösung könnte so aussehen.

Nehmen wir als Beispiel die Familie Lehmann. Vater Götz arbeitet als Umweltberater und ist Ortsvorsitzender einer linksliberalen Partei. Seine Frau Helga ist bei der Stadtverwaltung tätig. Tochter Paula studiert Kunstgeschichte, Clemens hat gerade seinen Bachelor in Physik gemacht. Für Computer gibt es also eine ganze Menge zu tun.

Lehmanns Supercomputer

Lehmanns haben einen Supercomputer. Der steht im Keller ihres Reihenhauses und ist im Prinzip für alle digitalen Jobs zuständig. Er speichert die Daten, die an den diversen PCs und Notebooks der Familie produziert werden und macht automatisch Backups auf eine externe Festplatte. In regelmäßigen Abständen werden alle Daten verschlüsselt übers Web an einen externen Dienstleister versendet, der diese noch mal speichert. Man weiß ja nie.

Vom Supercomputer im Keller führen Netzwerkkabel in alle Zimmer. Dort ersetzen zumindest teilweise WLAN Router den lästigen Kabelsalat. Im Prinzip stehen nur ein kleines Endgerät sowie Flachbildschirm, Tastatur und Maus in jedem Raum. Die Programme laufen ebenfalls auf dem Zentralcomputer. Die Familie muss also jedes Programm, sei es die Textverarbeitung, die Bildbearbeitung, die Videoschnittsoftware oder der Media Player, nur einmal installieren. Trotzdem können Götz, Helga, Clemens und Paula die Programme gleichzeitig nutzen.

Flexible Rechenleistung, flexibler Stromverbrauch

Der Cray CX-1 arbeitet in der Grundausstattung mit zwei Blades, Intels Xeon-Prozessoren 5472 und Windows Server 2008. Für grafikintensive Aufgaben ist auch eine Variante mit Nvidias Grafikkartr Quadro FX 4600 erhältlich Quelle: Cray

Die Leistung des Supercomputer ist so ausgelegt, dass theoretisch alle vier gleichzeitig eine sehr rechenintensive oder sehr grafikintensive Anwendung problemlos laufen lassen könnten. Beispielsweise könnte Clemens eine komplexe Berechnung mit dem Programm Mathematica ausführen lassen, Helga im selben Moment ein Video schneiden, Paula eine selbst gestaltete 3D-Grafik rendern lassen und Götz eine Multimedia-Präsentation bauen, mit der er seine Parteigenossen auf der nächsten Versammlung beeindrucken will.

Der Supercomputer im Keller passt sich stufenlos und in Sekundenschnelle an die geforderte Rechenleistung an. Wenn gerade mal ein Familienmitglied ein bisschen im Internet surft, dann klingt höchstens ein Lämpchen auf der Vorderseite des Geräts, und der Stromverbrauch ist dementsprechend niedrig. Wenn alle gleichzeitig arbeiten und Höchstleistung gefordert ist, arbeiten auch die Prozessoren auf Hochtouren. Dann blinken alle vier Lämpchen auf der Vorderseite wie wild, dass sogar die Lehmann-Ratte im Keller neugierig am Gehäuse schnüffelt. Die große schwarze Kiste liebt sie sowieso, weil die im Winter so kuschelig warm ist. Die Prozessoren und anderen Komponenten werden mit einer Wasserkühlung vor dem Hitzetod geschützt. Die Abwärme wird für die Heizung des Reihenhauses verwendet.

Auch das Aufrüsten der Maschine ist kein Problem. Der Rechner ist mit mehreren Blades ausgestattet. Das sind im Prinzip kleine Mainboards mit Prozessor und Arbeitsspeicher, die in das Gehäuse geschoben werden. Das praktische daran ist, dass einzelne Blades schnell ausgetauscht oder aufgerüstet werden können und damit auch die Rechenleistung immer auf dem neuesten Stand bleibt, ohne dass die ganze Maschine ausgetauscht werden muss. Beim klassischen Heim-PC ist das nur bedingt möglich.

Sogar unterwegs sind Lehmanns mit ihrem Supercomputer verbunden. Tippt Götz die Adresse und Telefonnummer eines neuen Kontakts in sein Smartphone ein, dann überträgt es die Daten via Internet auf Lehmanns Webserver, von wo aus die Daten in einem zentralen Adressbuch landen.

Cloud Computing als Vorbild

Solche Supercomputer im Eigenheim-verträglichen Kompaktformat gibt es schon längst, beispielsweise den Cray CX-1, der unter jeden Schreibtisch passt. Längst gibt es Techniken wie Online-Textverarbeitung, bei der man mit einer Anwendung arbeitet, die irgendwo auf einem Webserver installiert ist. Cloud Computing-Dienste stellen Firmen genau so viel Rechenpower zur Verfügung wie nötig.

Dem Privatanwender will die Industrie diese Technik nicht geben, weil die angeblich zu komplex und nur für Unternehmen geeignet ist. Denn die Hersteller lieben es, uns einzelne Geräte zu verkaufen, die man dann alle paar Jahre erneuern muss. Vor allem Notebooks sind ein Supergeschäft, weil sie sich nur schwer aufrüsten lassen und nach ein paar Jahren durch ein neues Gerät ersetzt werden müssen.

Lebenshilfe für den Privat-Admin

Dabei könnten auch die Hardwarehersteller hier ein neues Geschäftsfeld eröffnen: Mini-Rechenzentren und Heimnetzwerke für Privatanwender und Familien. Der Hersteller würde dann einen Service-Techniker schicken, der die ganze IT einrichtet, die Programme installiert und alles nach den Wünschen des Kunden konfiguriert. Das wäre ein schönes Stück praktischer Lebenshilfe für alle geplagten Familienväter, die zuhause täglich den Administrator spielen müssen.

Das, liebe Leser, war der letzte Technik Talk für Wiwo.de. Allen, die diese Kolumne mit sachkundigen Kommentaren begleitet haben, danke ich sehr herzlich.

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