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Tracking-Apps Wenn Eltern das Handy der Kinder ausspähen

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Verpflichtende Überwachungsapps in Südkorea

Zum Äußersten getrieben hat das jetzt Südkorea. Dort besitzen rund drei Viertel der Grundschüler eigene Smartphones. Die Behörden haben Eltern und Mobilfunkanbieter verpflichtet, Überwachungsapps auf neu gekauften Geräten zu installieren. Solch ein staatlicher Druck ist in einem demokratischen Land etwas völlig Neues.

Wenn ein südkoreanisches Kind, statt Hausaufgaben zu machen, auf seinem Smartphone chattet, kann es sich sicher sein: Mami weiß genau, was es schreibt. Das merkt es spätestens, wenn der Chat wie von Zauberhand blockiert wird oder das Gerät sich ausschaltet. Denn das können seine Eltern ganz einfach aus der Ferne steuern – über ihr eigenes Telefon. Und würde das Kind nach Stichwörtern wie „Selbstmord“ suchen, petzt die App das sofort.

So überwachen die Eltern-Apps

Möglich macht das Smart Sheriff, eine von Dutzenden Überwachungs-Apps in Südkorea. Die Kleinen, so die Intention, sollen so vor Pornos und Gewalt geschützt werden. „Es sind ja noch Kinder“, rechtfertigt sich eine Mutter im Fernsehen. „Da sollten Eltern wissen, was sie machen.“ Ähnlich wie Smart Sheriff funktionieren auch die amerikanischen Versionen Net Nanny oder My Mobile Watchdog, die über App-Stores auch in Deutschland erhältlich sind. Sie orten die Kinder, kontrollieren SMS und Anrufe, erfassen Browserverläufe.

Der Digitalfrust der Eltern treibt manche Blüte, wie eine App zeigt, die eine Mutter in den USA erfunden hat: Sharon Standifird war es leid, dass ihre Sprösslinge Anrufe nicht beantworteten. Sie ließ daher Ignore no more entwickeln. Die App legt Spiele, Facebook und Co. auf dem Handy lahm, wenn das Kind die Anrufe der Eltern permanent ignoriert. Es ist gezwungen, Vater oder Mutter zu kontaktieren, die das Gerät wieder freischalten können. Big Mother statt Big Brother.

Und deutsche Eltern? Klar ist: Eine gesetzlich verordnete Überwachung wie in Südkorea sei hierzulande verfassungswidrig, sagt Winfried Born, Familienrechtler und Honorarprofessor an der Universität Bochum. „Der Staat darf sich nicht ohne Weiteres in die Erziehung einmischen.“

Ob Eltern ihre Kinder aber freiwillig mithilfe von Apps überwachen dürfen, wie es in den USA schon verbreiteter ist, diskutieren Juristen kontrovers.

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