Transparenzbericht Facebook lehnt Nutzerdatenherausgabe in meisten Fällen ab

Behörden in den USA fordern Informationen über mehr Facebook-Nutzer an als in allen anderen Ländern zusammen. Im Heimatmarkt rückt das Online-Netzwerk die Informationen auch deutlich häufiger raus als anderswo, wie ein ausführlicher Transparenz-Bericht zeigt.

Die Silhouette eines Mannes ist vor einem Computerbildschirm mit dem Logo des Online-Netzwerks Facebook zu sehen. Facebook beantwortet in Deutschland nur gut jede dritte Behördenanfrage nach Nutzerdaten. Quelle: dpa

Facebook hat im ersten Halbjahr in Hunderten Fällen Nutzerinformationen an deutsche Sicherheitsbehörden weitergegeben. Wie aus dem von dem Internetkonzern erstmals veröffentlichten Transparenzbericht hervorgeht, erreichten das weltgrößte soziale Netzwerk rund 2000 Anfragen zu Mitgliedern und Konten in Deutschland. 37 Prozent der Informationsgesuche kam der US-Konzern demnach nach.

In den USA lag die Quote mit 79 Prozent deutlich höher - wie auch die Zahl der Anfragen. Die US-Behörden holten insgesamt 11.000 bis 12.000 Mal Erkundigungen zu insgesamt 20.000 bis 21.000 Nutzern ein. Damit interessierten sich die US-Behörden für mehr Facebook-Mitglieder als die restlichen über 70 aufgezählten Länder: Dort wurden insgesamt Daten von knapp 18.000 Nutzern angefragt.

Vergleichsweise viele Nachfragen gab es ferner in Großbritannien, Indien, Italien, Frankreich und Australien. Es seien weltweit sowohl Polizei- als auch Geheimdienst-Anfragen gezählt worden, erklärte Facebook. In den USA müssen die Internet-Unternehmen die Zahlen in einer breiten Spanne nennen, seit sie auch bisher geheime Anfragen nach dem Auslandsspionagegesetz FISA in die Rechnung aufnehmen dürfen. Die Konzerne, die nach den Vorwürfen des Informanten Edward Snowden unter Erklärungsdruck geraten sind, fordern von der Regierung das Recht, exakte Zahlen nennen zu können.

Die größten Sorgen von Facebook

Snowden hatte erzählt, die NSA habe Möglichkeiten für einen weitreichenden Zugriff auf Informationen von Internet-Nutzern. Die Unternehmen bestreiten, den Behörden direkten Zugang zu ihren Servern zu gewähren. Man kooperiere lediglich auf Gerichtsbeschluss und nach einer Abwägung in jedem Einzelfall. Nach Vermutungen von Branchenexperten könnte die hohe Zahl der Anfragen in den USA auch damit verbunden sein, dass Behörden anderer Länder möglicherweise über ihre US-Kollegen am Standort der Facebook-Server auf die Informationen zugreifen wollen.

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