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Unterhaltung Die neuen Super-Fernseher im Test

Seit Jahren versprechen Experten, dass Internet und TV verschmelzen. Nun passiert es. Doch wie ist es, wenn die Glotze twittert, die Facebook- Freunde immer dabei sind – und jeder sein individuelles Programm gestalten kann? Ein Selbstversuch.

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Thomas Kuhn vorm Fernseher Quelle: Dominik Pietsch für WirtschaftsWoche

Nach einem mittleren Hexenschuss, endlosem Kabel-Chaos und einem gerade noch abgewendeten Ehekrach kann die Zukunft des Fernsehens auch bei uns im Wohnzimmer beginnen. Seit Jahren versprechen die Hersteller neue TV-Geräte, die alles können sollen: Spielfilme zeigen, E-Mails senden und gleich noch die Klamotten der Hauptdarsteller des Films bestellen. Und immer mit im Bild: die Kommentare der Facebook- und Twitter-Freunde. Jetzt sind die angeblichen Superfernseher da.

Aber was bedeutet das für die Wohnzimmerunterhaltung? Wie passen die interaktive Welt des Internets und die Frontalunterhaltung des Fernsehens zusammen? Und: Was können die neuen Geräte wirklich? All das will ich per Selbsttest herausfinden. Denn am Freitag dieser Woche beginnt in Berlin die IFA, Europas wichtigste Messe für Heimelektronik. Und glaubt man den Experten, gibt es bei Elektronikkonzernen und TV-Sendern kaum ein wichtigeres Thema, als – Sie ahnen es – vernetzte Fernseher.

Deshalb steht ein solches Gerät seit zwei Wochen in unserem Wohnzimmer. Der Flachbildriese von LG hört auf das kryptische Kürzel 42LM670S und ist eines der Top-Modelle des koreanischen Elektronik-Konzerns. Seine Sat- und Kabel-Tuner liefern herkömmliche TV-Bilder. Zugleich öffnet der integrierte Internet-Anschluss den Weg ins Netz, den Zugriff auf Facebook-Konten, Internet-Mediatheken und eine wachsende Vielfalt von Online-Videoverleihern.

Die neuen Web-Fernseher
Philips 42PFL6907K Quelle: Presse
LG 42LM670S Quelle: Presse
Samsung UE40 ES8090 Quelle: Presse
Panasonic TX-P50 VT50E Quelle: Presse
Loewe Connect ID 40 Quelle: Presse
Sony KDL-40 HX855 Quelle: Presse

Giga-Glotze

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    Damit kann ich sonntags nicht nur den Tatort am Bildschirm verfolgen, sondern zugleich sehen, wie meine Facebook-Freunde den Krimi bewerten. Und ich kann Sendungen und Spielfilme nach Gusto aus dem Netz abrufen.

    Dafür habe ich nun jede Menge Platz: Mit ihrem knapp 110 Zentimeter großen Bildschirm nähert sich die neue Giga-Glotze den Ausmaßen unseres Küchentischs. Ihr entspiegeltes Display ist von einer elegant-glänzenden, nur wenige Millimeter breiten Metallkante eingefasst. Keine Spur mehr von der Klobigkeit älterer Geräte, deren zentimeterbreite Kunststoffrahmen die Flachbild-TVs an den Wänden wie schwarze Löcher erscheinen ließen.

    Ich jedenfalls finde, der LG schmückt unser Wohnzimmer. Meine Frau teilt meine Begeisterung nicht so ganz. Das Einzige was sie bemerkt: „Er blockiert das Sideboard.“

    Und auch sonst läuft es in unserem Wohnzimmer zunächst nicht gut für die Zukunft des Fernsehens. Meine Frau hält das alles für ziemlichen Blödsinn. Warum sollte man Tatort oder Talkshows mit seinen Twitter-Freunden diskutieren, wenn man es auch zu zweit im Wohnzimmer kann? Fernsehen, wie es war – war das nicht ganz in Ordnung? Und so bleiben Twitter und Facebook auf unserem neuen Fernseher erst mal ausgeschaltet.

    Fernsehen im Internet

    Verkaufsschlager Smart-TV

    Ähnliche Debatten dürfte es gerade in vielen Familien geben: Denn internetfähige Fernseher – auch Smart-TV genannt – entwickeln sich zu Verkaufsschlagern. Mitte des Jahres hatte schon jeder fünfte deutsche Haushalt so ein Gerät. Und bis Jahresende sollen sogar in jedem dritten Wohnzimmer Online-Fernseher stehen, rechnet der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie hoch. Und sie stehen nicht nur da. Die Technik wird auch genutzt. Zwei von drei Smart-TV-Geräten, ergaben Umfragen, sind tatsächlich mit dem Netz verbunden und regelmäßig online.

    Zudem wird die Technik immer billiger.

    „Ab etwa 500 Euro gehört der Internet-Zugang zur TV-Standardausstattung“, sagt Jörg Ehmer, Vorstandssprecher der Verbundgruppe ElectronicPartner (EP) in Düsseldorf. Preislich ist die vernetzte TV-Welt, die zur vergangenen IFA noch der Premium-Klasse vorbehalten war, damit im Massenmarkt angekommen.

    Wo geht´s ins Internet?

    Die umsatzstärksten Filme aller Zeiten
    Platz zehn: The Dark Knight RisesDer dritte Teil der Batman-Trilogie spielte rund 1,084 Milliarden US-Dollar ein. Quelle: StatistaStand: 18.7.2014 Quelle: dpa
    Platz neun: James Bond SkyfallDer neuste Bond mit Daniel Craig in der Hauptrolle brillierte nicht nur durch den Soundtrack von Adele. Auch die Einspielergebnisse können sich sehen lassen. Insgesamt wurden 1,108 Milliarden US-Dollar eingespielt. Quelle: dpa
    Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs Quelle: dpa
    Transformers 3 Quelle: dpa
    Platz sechs: Iron Man 3Der dritte Streifen über Tony Stark und sein Heldenleben spielte insgesamt 1,215 Milliarden US-Dollar ein. Der Erfolgreichste Film 2013 wurde er so aber nicht... Quelle: AP
    Platz fünf: Die Eiskönigin Völlig unverfrorenDer neuste Erfolg aus den Pixar-Studios wurde der erfolgreichste Film 2013. Er spielte insgesamt 1,259 Milliarden US-Dollar ein. Quelle: AP
    Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 2 Quelle: dpa

    Ob das auch für die Bedienbarkeit gilt, will ich ausprobieren. Wie leicht kann ich unser Smart-TV mit dem Internet verbinden? Wie komfortabel lassen sich Web-Seiten aufrufen, Online-Alben durchblättern, Tweets absetzen oder der Facebook-Status aktualisieren? Und – vor allem – gelingt es mir, die skeptische Gattin fürs vernetzte Fernsehen zu begeistern?

    Die verdreht erst einmal die Augen, während ich den sperrigen 15-Kilo-Monitor aus der Verpackung wuchte und versuche, Gehäuse und Standfuß zusammenzuschrauben, ohne das Display zu zerdeppern. Fast 20 Minuten jongliere ich mit Antennen- und Verlängerungskabeln, Verteilersteckern und Signalverstärkern, bis Display, Videorekorder und Set-Top-Box fürs digitale Kabel harmonieren.

    So weit ist die Fernsehwelt wie gehabt. Aber wo bitte geht’s nun ins Internet? Ein Blick auf die Steckerfarm an der Rückseite des LG lässt Übles ahnen. Dort entdecke ich einen LAN-Anschluss, wie ich ihn von meinem Büro-Notebook kenne. Dumm nur, dass unser Wohnzimmer im Erdgeschoss liegt, der Router für den Internet-Zugang aber an der Wand meines Arbeitszimmers im Dachgeschoss verschraubt ist. Und an Leitungen für ein Computernetzwerk hat Anfang der Neunzigerjahre, als unser Haus gebaut wurde, niemand gedacht.

    Neue Fernsehwelt

    Lösung Spezialsteckdose

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      Meine Lösung für das Anschlussproblem: Spezialsteckdosen, über die ich die Online-Signale mithilfe der sogenannten Powerline-Technik via Stromnetz übertragen kann. An beiden Dosen befinden sich LAN-Stecker. Den einen verbinde ich mit dem TV-Gerät, den anderen mit meinem Router. Knapp 90 Euro kostet so eine Lösung vom Aachener Powerline-Experten Devolo.

      Ich grübele noch, wie ich das Extra-Investment meiner Gattin erklären kann, da löst sich das Problem überraschend von selbst. Während viele Online-Fernseher mit dem billigeren LAN-Anschluss auskommen müssen, hat LG unserem Smart-TV auch ein Modul für den schnurlosen WLAN-Internet-Zugang spendiert. Es zeigt beim Einrichten des Monitors binnen Sekunden alle erreichbaren Funknetze an.

      Fernbedienung mit Buchstaben Quelle: Dominik Pietsch für WirtschaftsWoche

      Mühsame Eingabe des WLAN-Passworts

      Weit mehr Arbeit macht es, das WLAN-Passwort einzugeben. Denn der LG bietet nur eine Bildschirmtastatur durch die ich mich mühsam mit den Cursortasten der Fernbedienung hindurchklicken muss. Alternativ kann ich mit einem virtuellen Zeigestock hantieren, der an die Controller von Nintendos Wii-Spielekonsole erinnert.

      Deutlich praktikabler ist der Weg, den beispielsweise Philips bei seinen Smart-TV-Geräten verfolgt. Dort haben die Entwickler eine doppelseitige Fernsteuerung entworfen. Oben finden sich alle Knöpfe zur TV-Bedienung, auf der Unterseite eine zumindest rudimentäre Schreibmaschinen-Tastatur. Die aktiviert sich, sobald ihr Besitzer die Steuerung umdreht.

      Bedienungskonzepte oft ziemlich komplex und steinzeitlich

      Spielkonsole in jedem zweiten deutschen Kinderzimmer
      Das Immobilenportal Immowelt.de hat 508 Mieter und 504 Immobilieneigentümer nach den elektronischen Geräten gefragt, die sich in ihren Kinderzimmern befinden. Ein Fazit der Online-Umfrage: Smartphones sind auch bei Kindern und Jugendlichen immer mehr im Kommen. In 21 Prozent der deutschen Kinderzimmer befindet sich eines. Quelle: dpa
      Knapp davor sind die Laptops platziert: 22 Prozent der deutschen Kinderzimmer sind mit den mobilen Rechnern ausgestattet. Quelle: dpa
      32 Prozent der Befragten gaben bei der Immowelt-Umfrage an, einen DVD-Player im Kinderzimmer stehen zu haben. Quelle: ap
      Klassische Desktop-PCs befinden sich in mehr als jedem dritten Kinderzimmer - das sind 37 Prozent der Befragten. Quelle: dapd
      Zusätzlich schlüsselte Immowelt.de die Ausstattung des Kinderzimmers mit einem PC oder Laptop nach dem Grad des Bildungsabschlusses auf. Hier finden sich kleine Unterschiede, die darauf hindeuten könnten, dass besser gebildete Eltern ihren Kindern häufiger einen PC oder Laptop für schulische Aufgaben zur Verfügung stellen. Während 42 Prozent der Eltern mit einem niedrigen Bildungsabschluss angaben, ein entsprechend ausgestattetes Kinderzimmer zu haben, waren es... Quelle: dapd
      ...bei Eltern mit einem mittleren Bildungsabschluss 56 Prozent und... Quelle: dpa
      ...bei Eltern mit einem hohen Bildungsabschluss 59 Prozent. Quelle: Reuters

      Wirklich bequem aber sind beide Ansätze nicht – und nicht mit dem Schreibkomfort einer Computertastatur oder den Bildschirmtasten von Tablets oder Smartphones vergleichbar. „So viel ist klar“, kommentiert meine Gattin, „E-Mails schreibe ich weiter am PC.“ Recht hat sie. Auch zum Twittern oder Verfassen von Facebook-Kommentaren sind Smart-TV noch nicht gemacht. Aber das darf ich zurzeit im Wohnzimmer ja ohnehin nicht.

      Vielleicht wird die Eingabe leichter, wenn sich dereinst auch Fernseher so einfach mit Spracherkennung steuern lassen wie Smartphones und Laptops. Samsung und LG haben die Funktion zwar in einige Top-TV-Modelle integriert. Doch so flüssig, wie es der Siri-Dienst mit dem iPhone ermöglicht, klappt das am Web-Fernseher noch nicht. Immerhin hält sich das Gerücht hartnäckig, dass Apple mit asiatischen Elektronik-Partnern an vernetzten TV-Geräten arbeitet. Bewahrheitet es sich, könnte womöglich auch eine verständnisvolle Sprachsteuerung integriert sein.

      Die Realität sieht noch anders aus: „Bei vielen Geräten fühle ich mich an die PC-Welt der Achtzigerjahre erinnert“, moniert der Medienpsychologe Florian Kerkau. Der 43-Jährige ist Geschäftsführer des Berliner Beratungsunternehmens Goldmedia Custom Research. Seine Erkenntnis: Die Bedienungskonzepte vernetzter Fernseher seien oft ziemlich steinzeitlich. Wer heute schon Probleme damit habe, die Sender umzusortieren, „der wird an der Komplexität von Smart-TV-Geräten verzweifeln.“

      Das sind die besten Flachbildfernseher
      26/27 Zoll: Sony KDL-26EX320In der kleinsten Testkategorie der 26- und 27-Zoll-Geräte (ca. 66 cm Bildschirmdiagonale) erreichte der Sony KDL-26EX320 als einziges getestetes TV-Gerät noch knapp die Note gut (2,5) – alle anderen Geräte erreichten nur befriedigend. Das Sony-Gerät überzeugte die Stiftung Warentest bei Bildqualität, Tonqualität, Vielseitigkeit und Umwelteigenschaften. Hier schnitt das Gerät jeweils mit der Note gut ab. Nur befriedigend fanden die Tester dagegen den Ton. Das Gerät kostet nach Angaben der Stiftung Warentest im Handel rund 435 Euro. Bei diesem und allen nachfolgenden Tests aus dem „Spezial Fernsehgeräte“ der Stiftung Warentest wurde die Bildqualität jeweils am stärksten gewichtet (40 Prozent der Endnote), Ton und Handhabung am zweitstärksten (jeweils 20 Prozent) und Vielseitigkeit und Umwelteigenschaften am wenigsten (jeweils 10 Prozent). Quelle: Stiftung Warentest
      32 Zoll: Philips 32PFL9606KUnter den kleinen Fernseher der 32-Zoll-Klasse (ca. 81 cm Bildschirmdiagonale) schnitt der Philips 32PPFL9606K am besten ab. Die Stiftung Warentest benotete das TV-Gerät für rund 980 Euro mit der Note gut (2,0). Gut schnitt das Gerät bei der Bild- und Tonqualität und den Umwelteigenschaften ab. Sogar sehr gut bei der Vielseitigkeit. Nur befriedigend beurteilten die Tester dagegen die Handhabung. Günstige Alternative: Der Philips 32PL7406K schneidet mit der Testnote gut (2,2) nicht viel schlechter ab, ist mit einem mittleren Straßenpreis von 660 Euro aber deutlich preiswerter. Quelle: Stiftung Warentest
      37 Zoll: Sony KDL-37EX725Mit der Note gut (2,1) schnitt bei den 37-Zöllnern das Sony-Gerät KDL-37EX725 am besten ab. Als gut bewerteten die Tester Bild, Handhabung und Umwelteigenschaften – sehr gut war die Vielseitigkeit. Nur der Ton konnte nicht gänzlich überzeugen: befriedigend. Im Handel kostet das Gerät rund 825 Euro. Wer größeren Wert auf den Ton legt, kann zum Philips 37PFL6606K greifen. Er erreichte ebenfalls die Note gut (2,2) und schnitt beim Ton besser, bei Handhabung und Vielseitigkeit dafür schlechter ab. Preis: rund 745 Euro. Quelle: Stiftung Warentest
      40-42 Zoll: Samsung UE40D7090In der beliebten Klasse der Fernseh-Geräte von 40 bis 42 Zoll (ca. 102 bis 107 cm) fand die Stiftung Warentest das beste Geräte des gesamten Testfelds: Der Samsung UE40D7090 schnitt mit der Note gut (1,9) ab – der Spitzenwert im Test. Gut bewerteten die Tester Bild, Handhabung und Umwelteigenschaften, sehr gut die Vielseitigkeit. Nur befriedigend fanden die Tester den Ton. Der Preis: stolze 1260 Euro. Günstige Alternative: Der Philips 42PFL7606K schnitt ebenfalls mit gut ab (2,1), ist etwas größer und kostet mit 885 Euro deutlich weniger. Quelle: Stiftung Warentest
      46-47 Zoll: Philips 47PFL7606KIn der Kategorie der großen Serienfernseher ab 117 cm Bildschirmdiagonale (46 und 47 Zoll) hat Philips die Nase vorn. Der Philips 47PFL7606K schnitt mit der Note gut (2,1) in dieser Größenkategorie am besten ab. Bild, Ton und Vielseitigkeit waren gut, Handhabung befriedigend und Umwelteigenschaften sehr gut. Das Gerät kostet rund 1220 Euro. Günstige Alternative: Für nur 725 Euro gibt es den Sony KDL-46CX520 im Handel zu kaufen, der ebenfalls mit gut (2,2) abschnitt. Quelle: Stiftung Warentest
      Plasma-Geräte und Billig-Anbieter fallen durchIn den beiden größten Kategorien 40 bis 42 und 46 bis 47 Zoll testete die Stiftung Warentest neben LCD-Geräten auch Fernseher mit Plasma-Technologie. Diese schnitten aber durchgehend deutlich schlechter ab als die LCD-Konkurrent. Das beste Plasma-Gerät im Test, der Panasonic TX-P42ST33E, erhielt nur ein befriedigend (2,7). Auch Billig-Anbieter wie Medion, Orion oder Telefunken sahen sich die Tester an. Der Rat der Stiftung Warentest: Finger weg! Schlechte Bildqualität und hoher Stromverbrauch waren die Nachteile der Billig-Geräte. Sämtliche 60 Fernsehgeräte im ausführlichen Test sowie allgemeine Hinweise zum Gerätekauf und Fernsehempfang finden Sie in dem „ Spezial Fernsehgeräte“ der Stiftung Warentest, das Sie für 7,80 Euro bestellen oder direkt downloaden können. Quelle: Reuters

      Versteckter Browser

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        Meine Frau macht die Probe aufs Exempel. „Ich gehe jetzt mal online“, sagt sie, als ich den Fernseher eingerichtet, den WLAN-Zugang verbunden und den Sendersuchlauf abgeschlossen habe.

        Doch der Aufbruch ins Netz endet abrupt. Denn ein Programmknopf fürs Internet fehlt auf der LG-Fernbedienung. Der Weg ins Web führt über eine Auswahlseite mit zig unterschiedlichen Programmen, die entfernt an die App-Übersicht eines Smartphones erinnert. Versteckt zwischen Programmsymbolen – von der Geräteeinstellung bis zur Online-Videothek Maxdome – findet sich das Browser-Icon.

        Einmal im Netz, versuchen wir, mein WirtschaftsWoche-Blog Gadget-Inspektor aufzurufen, in dem ich regelmäßig Videos mit Technik-Tests veröffentliche. Doch auch hier verdirbt uns die umständliche Adresseingabe auf der Bildschirmtastatur den Spaß. Immerhin: Als das Web-Angebot erscheint, läuft das Video flüssig und fast formatfüllend über den Großbildschirm.

        Die Streaming-Anbieter im Internet

        Gängelei nervt - trotz Grund

        Das ist nicht selbstverständlich. Denn längst nicht bei jedem Smart-TV-Hersteller ist der TV-Browser in der Lage, Filme in Adobes Dateiformat Flash wiederzugeben. Dann erscheint weder der Gadget-Inspektor noch irgendein anderer Flash-Inhalt auf dem Display – ganz gleich, ob Browser-Spiel oder animierte Web-Grafik.

        Am Computer könnte ich das erforderliche Programm nachinstallieren. Fernsehgeräte dagegen lassen das nicht zu. Derlei Gängelei nervt – hat aber ihren Grund. So wollen die Hersteller verhindern, dass die TV-Nutzer versehentlich das Betriebssystem der Geräte beschädigen und damit den Fernseher außer Gefecht setzen. Nicht anders verfährt Apple bei iPhone und iPad. Der Konzern wacht rigide darüber, welche Software auf den Geräten läuft.

        Frisbee am Flachbildschirm

        Die wichtigsten Web-TV-Anbieter
        Screenshot Webseite tape.tv Quelle: Screenshot
        Screenshot der Webseite Live.tv Quelle: Screenshot
        Screenshot der Webseite Sevenload Quelle: Screenshot
        Screenshot Zattoo-Webseite Quelle: Screenshot
        Screenshot der Webseite Sendungverpasst.de Quelle: Screenshot
        Screenshot der Webseite Qtom.de Quelle: Screenshot
        Screenshot der Webseite TV-Stream.to Quelle: Screenshot

        Immerhin: Einige Web-Apps lassen sich aus LGs TV-App-Store herunterladen. Das funktioniert wie die Installation von Handy-Programmen auf Smartphones. Es erfordert aber, dass ich am Fernseher ein Benutzerkonto anlege – mit den bekannten Tücken beim Tippen. Richtig umwerfend ist das Programm-Angebot ohnehin noch nicht. Weder der kostenlose Fitness-Coach noch die 3,80 Euro teure TV-Adaption eines Frisbee-Spiels überzeugen mich wirklich.

        Nützlicher finde ich den persönlichen Stau-Warner, den TomTom für Philips’ Online-Fernseher entwickelt hat. Doch weil fast jeder Hersteller sein eigenes Smart-TV-Portal aufbaut, funktionieren Philips-Apps nicht an LG-Geräten, verweigern Samsung-Programme auf Sony-Fernsehern den Dienst – und umgekehrt.

        Online-Anwendungen auf allen Plattformen zu nutzen – was an PC, Notebook oder Tablet funktioniert, ist in der Welt der Web-Fernseher noch längst nicht Standard. „Die Vorstellung, dass Internet am Fernseher das Gleiche ist wie am PC, ist ein Irrtum“, sagt Goldmedia-Experte Kerkau. „Es bleibt ein Unterschied, ob wir am PC aktiv online sind oder am TV-Gerät passiv Inhalte konsumieren.“ Das gelte auch, wenn wir die Inhalte aktiv aus Online-Videotheken oder TV-Mediatheken im Netz abrufen.

        Die besten Gadgets 2012
        Kugel-FischerDas Echolot Deeper des US-Startups Friday Lab zeigt Anglern auf dem Handy-Display, wo Fische schwimmen. Preis: 149 Dollar Quelle: Pressebild
        Taschen-LampeDas Android-Telefon Galaxy Beam von Samsung macht die Diashow mobil. Es projiziert mit einem eingebauten Beamer Bilder mit bis zu 50 Zoll Bilddiagonale an die Wand. Preis: 459 Euro Quelle: Pressebild
        Akku-TascheBis zu vier Smartphones, Tablets oder E-Reader zugleich lädt die eingebaute Riesenbatterie im Powerbag des US-Anbieters gleichen Namens. Preis: ab 140 Euro Quelle: Pressebild
        Badezimmer-UfoDie Waage Targetscale des Neusser Medizintechnikherstellers Medisana analysiert mithilfe elektrischer Sensorfelder auch Fettanteil, Muskel- und Knochenmasse im Körper. Eine Handy-App protokolliert die Daten. Preis: 150 Euro Quelle: Pressebild
        Blick-WinkelDie 20-Megapixel-Kamera NX1000 von Samsung bietet Spiegelreflex-Qualität, passt aber in die Jackentasche - und lässt sich per Smartphone fernsteuern. Preis: 699 Euro Quelle: Pressebild
        Nasen-KameraIn der Sonnenbrille Pivothead des US-Startups Cape Evolution steckt eine HD-Videokamera. Damit können etwa Montainbiker ihre Abfahrten filmen. Preis: 349 Dollar Quelle: Pressebild
        Holz-LaderDer holzbetriebene Kocher Campstove des New Yorker Startups Biolite erzeugt nicht nur Wärme, sondern auch Strom fürs Handy. Preis: 129 Dollar Quelle: Pressebild

        Nicht das gleiche wie am PC

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          Da hat Kerkau wohl recht. Mein Eindruck ist, dass sich die Darstellung der Inhalte und erst recht die Bedienung der Online-Angebote nicht 1:1 auf den TV-Schirm übertragen lassen. Online-Banking, Mitsteigern bei Ebay oder Blog-Beiträge verfassen etwa werde ich nach den ersten Erfahrungen mit der Technik am Fernseher gar nicht erst versuchen.

          Beim Stichwort Mediathek aber wird auch meine Frau hellhörig. Sie ist berufstätig wie ich und hat sich angewöhnt, Sendungen auf einem digitalen Rekorder aufzuzeichnen. Lineares Fernsehen entlang den Sendeplänen der TV-Programmgestalter ist bei uns längst Ausnahme.

          Digitale Welt



          Die große Stärke Verfügbarkeit

          Und genau hier liegt die große Stärke vernetzter Fernsehgeräte: Sie machen Videoinhalte aller Arten – unabhängig von den starren Vorgaben der Sender – jederzeit verfügbar. Etwa in den umfangreichen Mediatheken, die sowohl die öffentlich-rechtlichen als auch die privaten TV-Sender inzwischen im Internet betreiben.

          Viele Sendungen könnten wir dort schon heute nachträglich ansehen – wenn wir uns an den Computer setzen. Denn nur dort war es bisher möglich, das umfangreiche Angebot komfortabel zu nutzen. Das aber ändert sich jetzt, wie unser Selbsttest belegt: Die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Kanäle sind auf fast allen Web-Fernsehern als TV-App eingebunden. Und auch die oft kostenlosen Streams der Privaten lassen sich auf vielen Smart-TVs abrufen. Ob Tagesschau oder Dr. House – die Fernseh-Konserve im Internet ist dann nur noch ein paar Tastendrücke auf der Fernbedienung entfernt.

          Und mit dem Angebot kann ich sogar meine bessere Hälfte für die vernetzte Fernsehwelt begeistern. Aus Twittern beim Tatort allerdings wird wohl auch im Zeitalter des Smart-TV nichts mehr.

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