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Urheberrecht Die Fronten im Streit ums digitale Kopieren

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Die Bewahrer

Zensur im Netz
Muy interesante Quelle: Screenshot
Emma mit nackten Brüsten Quelle: Screenshot
Prüde Fotoregeln Quelle: Screenshot
Anstößiger StinkefingerDer Stinkefinger von Stefan Effenberg ist mittlerweile legendär, doch wenn ein Nutzer ein Bild von sich mit einem ausgestreckten Mittelfinger bei Google + hochlädt, protestiert die US-Suchmaschine. MG Siegler ist das so passiert. Sein Profilbild wurde von Google gelöschte, allerdings ohne eine Begründuhg. Darauf hin hat der Blogger das Foto erneut hochgeladen, auf seiner eigenen Webseite berichtet der Amerikaner von der Reaktion des US-Konzerns. In einer E-Mail habe ein Google-Mitarbeiter erklärt, dass es sich dabei um einen Inhalt mit "anstößigem Inhalt" handele. Nun ziert das Profil von MG Siegler das selbe Foto, das er jedoch mit einem Google+-Logo so verändert hat, dass der Mittelfinger nur noch zur Hälfte sichtbar ist. Quelle: Screenshot
Papiertüte über dem Kopf Quelle: Screenshot
Süßigkeiten statt Drogen Quelle: Screenshot
Me so holy Quelle: Screenshot

Zu denen, die bei der Ausübung und Verwertung von Urheberrechten an den bisherigen Modellen festhalten wollen, gehören naturgemäß viele Urheber und ihre Vertreter, also Musik-, Buch- und Zeitungsverlage. Die oben genannten Beispiele Sven Regener und die "Tatort"-Autoren sind also dieser Fraktion zuzurechnen.

Ein aktiver Vertreter, der in der Debatte stets präsent ist, ist Christoph Keese. Er war früher selbst Journalist und damit Urheber, inzwischen ist er vor allem Cheflobbyist des Springerverlages. Auf öffentlichen Veranstaltungen und in seinem Blog setzt er sich ausführlich mit verschiedenen Positionen der Neuerer auseinander. So auch mit der Erklärung der Piraten. Seine Kernthese lautet einerseits, ungenehmigte Kopien seien das größte Problem für die Medien- und Unterhaltungsindustrie und müssten dementsprechend hart verfolgt werden. Andererseits argumentiert er, dass bisherige Vorschläge zwar Nutzer und vielleicht Urheber besser stellen, dafür aber Rechteverwerter – also Verlage – benachteiligen. Ein Zustand, den er nicht hinnehmen will.

Ein starker Verfechter der bisherigen Modelle ist auch der Bundesverband Musikindustrie mit seinem Vorsitzenden Dieter Gorny. Der Musikmanager tritt  oft öffentlich auf und argumentiert hauptsächlich, es gebe Gesetze, die durch eine technische Entwicklung nicht aufgehoben würden und somit durchgesetzt werden müssten. Zitat des Verbandes: "Wer ohne die ausdrückliche Zustimmung nur eines dieser Rechteinhaber CDs kopiert, handelt rechtswidrig und macht sich sogar strafbar."

Auf der gleichen Seite kämpft die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten, die beispielsweise begrüßt, dass Schutzfristen in Europa gerade von 50 auf 70 Jahre verlängert wurden.

Unter dem Stichwort Leistungsschutzrecht haben außerdem einige Zeitungsverlage eine eigene Debatte mit dem Ziel angestoßen, ihre bisherigen Verwertungsmodelle zu schützen. So wollen sie Verluste kompensieren, die ihnen durch die technische Entwicklung entstehen. Die Debatte überlappt sich mit der um das Urheberrecht und hat ähnliche Hintergründe.

Das Handelsblatt beispielsweise startete die Aktion "Mein Kopf gehört mir", die wohl eher auf Provokation ausgelegt war, denn auf einen Fortschritt der Debatte. Sind darin doch Aussagen enthalten, die anderen Fraktionen die Berechtigung mitzudiskutieren absprechen. Zitat: "Das digitale Medium ist – bei allen Vorteilen – eine gigantische Kopier- und Abschreibemaschine. (...) Es ist kein Zufall, dass viele Blogs und Foren vor allem reproduzieren. Alle schmarotzen aus der reellen Welt."

Im Streit zwischen Neuerern und Bewahrern ist das Problem, dass es auf beiden Seiten Menschen gibt, die sich hinter vorgeschobenen Argumenten verstecken. Einige Neuerer wollen tatsächlich vor allem kostenlos Inhalte nutzen und sehen nicht ein, warum sie diesen durch die Technik entstandenen Vorteil aufgeben sollen. Und einige Bewahrer wollen nicht über neue Wege und Geschäftsmodelle nachdenken, sondern allein das Bestehende verteidigen und ignorieren dabei die technischen Bedingungen.

Und so ist inzwischen eine dritte Front entstanden.

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