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Urheberrecht Die Fronten im Streit ums digitale Kopieren

Befürworter und Gegner streiten erbittert über das Urheberrecht. Die wichtigsten Parteien und Argumente der verschiedenen Lager im Überblick.

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Computermonitor Quelle: dpa

Fünf Minuten redete der Musiker Sven Regener im März über das Urheberrecht. Offensichtlich aufgebracht sprach er davon, das Urheberrecht sei inzwischen leider "uncool", und äußerte seine Wut angesichts einer Debatte, mit der Künstlern "ins Gesicht gepinkelt" werde. Für ihn sei es eine Frage von "Respekt und Anstand", Inhalte nicht zu kopieren, sagte Regener im Interview mit dem Zündfunk von Bayern 2 und nannte es eine Unverschämtheit, dass Google viel Geld verdiene, aber nicht bereit sei, für auf YouTube abgespielte Videos den Künstlern Geld zu zahlen.

Der Mitschnitt des Interviews erhielt viel Zustimmung und Kritik. Schließlich sehen sich alle kreativen Branchen angesichts der technischen Entwicklungen vor einer großen Herausforderung. Da es so einfach ist, digitale Inhalte zu kopieren, haben die Rechteverwerter die Verbreitung von Werken nicht mehr unter Kontrolle, auch viele Urheber fürchten um ihre Einnahmen. Regener ist einer davon. Kernpunkt dieser Debatte ist das Urheberrecht – und die Suche nach neuen Geschäftsmodellen.

Acht Tage nach Regeners Interview veröffentlichten 51 Autoren der Fernsehreihe "Tatort" auf der Website des Verbandes deutscher Drehbuchautoren einen offenen Brief. Gerichtet ist er an die Grünen, die Linkspartei, die Piratenpartei und an die entsprechenden Fachausschüsse des Bundestages. Die Autoren fordern darin, die Beteiligten der Debatte müssten sich "von ein paar Lebenslügen" verabschieden.

Die umsatzstärksten Filme aller Zeiten
Platz zehn: The Dark Knight RisesDer dritte Teil der Batman-Trilogie spielte rund 1,084 Milliarden US-Dollar ein. Quelle: StatistaStand: 18.7.2014 Quelle: dpa
Platz neun: James Bond SkyfallDer neuste Bond mit Daniel Craig in der Hauptrolle brillierte nicht nur durch den Soundtrack von Adele. Auch die Einspielergebnisse können sich sehen lassen. Insgesamt wurden 1,108 Milliarden US-Dollar eingespielt. Quelle: dpa
Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs Quelle: dpa
Transformers 3 Quelle: dpa
Platz sechs: Iron Man 3Der dritte Streifen über Tony Stark und sein Heldenleben spielte insgesamt 1,215 Milliarden US-Dollar ein. Der Erfolgreichste Film 2013 wurde er so aber nicht... Quelle: AP
Platz fünf: Die Eiskönigin Völlig unverfrorenDer neuste Erfolg aus den Pixar-Studios wurde der erfolgreichste Film 2013. Er spielte insgesamt 1,259 Milliarden US-Dollar ein. Quelle: AP
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 2 Quelle: dpa

Sie schrieben, in der Debatte werde die Banalität von Rechtsverstößen kaschiert oder gar zum Freiheitsakt hochgejazzt. Gleichzeitig würden die Grundrechte der Urheber "marginalisiert: zum Beispiel das Grundrecht auf geistiges Eigentum". Die Kernaussage lautete: "Vor allen Dingen sollten die Netzpolitiker aller Parteien die Finger von den Schutzfristen lassen, und bitte nicht jede Missbrauchskontrolle bei Providern und Usern gleich als den definitiven Untergang des Abendlandes anprangern."

Beides waren Einzelaussagen. Beide waren auch nicht der Beginn, sondern nur ein Punkt in einer langen Debatte. Eine Debatte, in der es klare Fronten gibt. Im Folgenden daher eine Zusammenstellung der wichtigsten Thesen und Protagonisten, geordnet nach Fraktionen.

Die Neuerer

Diese Tweets haben die Welt bewegt
„Achtung: In der Realschule Winnenden gab es heute einen Amoklauf, Täter angeblich flüchtig - besser nicht in die Stadt kommen!!!! “ Diese Nachricht der Twitter-Nutzerin Natali Haug war eine der ersten, wenn nicht die erste Meldung, über den Amoklauf in Winnenden. Quelle: Screenshot
In Teheran verblutet eine Iranerin namens Neda nach einem Schuss in die Brust auf der Straße. Versuche, sie am Leben zu erhalten, scheitern. Blut tritt aus Mund und Nase und fließt über ihr gesamtes Gesicht. Ein Mann filmt den Tod der jungen Frau per Handy-Kamera. Der 40 Sekunden lange Handy-Film geht per Youtube und Twitter um die Welt. Obwohl Neda eine Unbeteiligte war, wird sie zum Symbol des Widerstands gegen die Unterdrückung im Iran. Die Machthaber können den Umlauf solcher Bilder nicht verhindern - damit gewinnt der Widerstand in der Gesellschaft nicht nur an Bedeutung, es formiert sich auch eine weltweite Solidaritätsbewegung. Quelle: Screenshot
Auch die ersten Hintergrundinformationen und Bilder zu den Anschlägen in Mumbai verbreiten sich über Twitter wie ein Lauffeuer. Aus Indien erreichen via Twitter die ersten Augenzeugenberichte die Außenwelt. Quelle: Screenshot
Eine weitere Sternstunde für Twitter: Die erste Meldung über den Absturz eines Airbus-Flugzeuges im Hudson River läuft über den Kurznachrichtendienst. Der Twitterer Janis Krums schreibt: „Da ist ein Flugzeug im Hudson River. Bin auf der Fähre, die versucht, die Leute aufzusammeln. Verrückt. “ Kurz darauf schickt er das erste Foto - ebenfalls auf Twitter. Quelle: Screenshot
Bei der Bundestagswahl im Jahr 2009 werden schon vor der Schließung der Wahllokale angebliche Prognosen auf Twitter veröffentlicht. Zum Teil unterscheiden sich die Zahlen zum Ausgang der Wahl deutlich. Auch bei den Landtagswahlen kursierten bereits gefälschte Zahlen über Twitter - zum Beispiel der angebliche Twitter-Account der FDP Unna. @fdp_unna schrieb: „Gerade Anruf aus Berlin bekommen, nehmen Prognose wieder runter. Hoffen aber noch.“ Das Account gehört nicht der FDP aus Unna, wie sich im Nachhinein herausstellte. Quelle: Screenshot
Eher zufällig wurde Sohaib Athar zum ersten Berichterstatter über die Tötung von Al-Qaida-Chef Osama bin Laden durch ein US-Kommando. Der Twitter-Nutzer vermeldete über den Kurznachrichtendienst die Hubschrauber über der pakistanischen Stadt Abbottabad. Seine Twitter-Nachricht wurde erst im Nachhinein verstanden. Quelle: Screenshot
Wahl zum Bundespräsidenten im Jahr 2009: Knapp 15 Minuten vor der offiziellen Verkündung des Ergebnisses veröffentlichte die CDU-Bundestagsabgeordnete Julia Klöckner das Resultat bereits auf Twitter. Köhler war mit 613 Stimmen bereits im ersten Wahlgang im Amt bestätigt worden. Klöckners Nachricht: „Leute, Ihr könnt in Ruhe Fußball gucke. Wahlgang hat geklappt!“ Im Nachhinein entschuldigte sich die Politikerin für ihr vorschnelles Handeln. Quelle: Screenshot

Die wohl wichtigste und fundierteste Plattform der Kritiker bisheriger Urheberrechtsmodelle ist die Aktion iRights. Seit Jahren argumentieren die Autoren, allen voran Mathias Spielkamp, für ein Umdenken und für eine Suche nach neuen Lösungen, um die Interessen von Urhebern, Rechteverwertern und Nutzern gleichermaßen zu berücksichtigen. Dabei versucht die Plattform vor allem, möglichst viele Meinungen zu sammeln und zu diskutieren, und hat beispielsweise mehr als 40 Politiker, Experten und Urheber gefragt, wie das Urheberrecht reformiert werden sollte.

Neben iRights ist das Blog Netzpolitik eine wesentliche Stimme. Dort wird ebenfalls seit Jahren über das Thema berichtet – meistens sachlich, gern aber auch ironisch und immer aus Sicht der Aktivisten, die eine Veränderung fordern. Beispielsweise in Form einer sogenannten Kulturflatrate. Gründer Markus Beckedahl ist gleichzeitig der deutsche Sprecher der Initiative Creative Commons, damit also Vertreter eines neuen Modells, wie Urheberrechte gehandhabt werden können.

Und so werden dann beispielsweise die Probleme aufgrund der bisherigen Struktur von Schutzfristen beschrieben: "Es zeigt sich, wie die Länge der urheberrechtlichen Schutzfristen Digitalisierung und Zugang zu Büchern und damit dem kulturellen Erbe behindern, weil eine große Mehrzahl der Werke zwar auch nach Jahrzehnten noch urheberrechtlich geschützt sind, eine Verwertung sich aber bereits nach wenigen Jahren nicht mehr lohnt."

Seit längerer Zeit ist auch der Chaos Computer Club Akteur in der Debatte. Er versucht, wie Netzpolitik und iRights, Utopien zu entwerfen und Lösungen zu präsentieren. So stammt der Vorschlag einer Kulturwertmark vom CCC. Die Idee: "Jeder Teilnehmer zahlt einen festen monatlichen Betrag ins System ein, den er dann in Form von Kulturwertmark an Künstler seiner Wahl vergeben kann. Als Ausgleich stehen die Werke nach einigen Jahren oder nach Erreichen einer bestimmten Kulturwertmark-Auszahlsumme jedem zur nicht-kommerziellen Nutzung zur Verfügung."

Der Hackerverein, der viele Programmierer und Autoren – also Urheber – unter seinen Mitgliedern hat, hält das für einen besseren Ansatz als die Kulturflatrate, da es dazu keine zentrale Verwertungsorganisation brauche.

Einige politische Parteien haben sich des Themas ebenfalls angenommen. So diskutierten die Grünen auf ihrem Bundesparteitag einen Leitantrag, um die Schutzfristen für Werke von derzeit 70 auf 5 Jahre zu verkürzen. Das führte intern zu heftigen Debatten. Im letztendlich verabschideten Text steht nichts mehr von Schutzfristen, doch setzen sich die Grünen dafür ein, Modelle wie Creative Commons zu fördern, nichtkommerzielle Kopien auszudehnen und staatlich finanzierte Forschungsdaten freizugeben.

Auch die Piratenpartei kümmert sich um das Thema. Sie ist aber keineswegs der wichtigste Vertreter auf dieser Seite der Debatte. Lange hatte sie nicht einmal eine offizielle Haltung zum Urheberrecht, Aussagen zu dem Thema waren lediglich die einzelner Mitglieder, nicht die Parteiposition. Mitte April jedoch veröffentlichte die Piratenpartei ein offizielles Statement. Darin plädiert sie unter anderem ebenfalls für die "Freigabe von nichtkommerziellen Vervielfältigungen", fordert aber keineswegs eine Abschaffung des Urheberrechts, wie es ihr gern unterstellt wird. Allerdings will sie, dass öffentlich finanzierte Werke wie beispielsweise Forschungsergebnisse allen frei zur Verfügung stehen.

Die Bewahrer

Zensur im Netz
Muy interesante Quelle: Screenshot
Emma mit nackten Brüsten Quelle: Screenshot
Prüde Fotoregeln Quelle: Screenshot
Anstößiger StinkefingerDer Stinkefinger von Stefan Effenberg ist mittlerweile legendär, doch wenn ein Nutzer ein Bild von sich mit einem ausgestreckten Mittelfinger bei Google + hochlädt, protestiert die US-Suchmaschine. MG Siegler ist das so passiert. Sein Profilbild wurde von Google gelöschte, allerdings ohne eine Begründuhg. Darauf hin hat der Blogger das Foto erneut hochgeladen, auf seiner eigenen Webseite berichtet der Amerikaner von der Reaktion des US-Konzerns. In einer E-Mail habe ein Google-Mitarbeiter erklärt, dass es sich dabei um einen Inhalt mit "anstößigem Inhalt" handele. Nun ziert das Profil von MG Siegler das selbe Foto, das er jedoch mit einem Google+-Logo so verändert hat, dass der Mittelfinger nur noch zur Hälfte sichtbar ist. Quelle: Screenshot
Papiertüte über dem Kopf Quelle: Screenshot
Süßigkeiten statt Drogen Quelle: Screenshot
Me so holy Quelle: Screenshot

Zu denen, die bei der Ausübung und Verwertung von Urheberrechten an den bisherigen Modellen festhalten wollen, gehören naturgemäß viele Urheber und ihre Vertreter, also Musik-, Buch- und Zeitungsverlage. Die oben genannten Beispiele Sven Regener und die "Tatort"-Autoren sind also dieser Fraktion zuzurechnen.

Ein aktiver Vertreter, der in der Debatte stets präsent ist, ist Christoph Keese. Er war früher selbst Journalist und damit Urheber, inzwischen ist er vor allem Cheflobbyist des Springerverlages. Auf öffentlichen Veranstaltungen und in seinem Blog setzt er sich ausführlich mit verschiedenen Positionen der Neuerer auseinander. So auch mit der Erklärung der Piraten. Seine Kernthese lautet einerseits, ungenehmigte Kopien seien das größte Problem für die Medien- und Unterhaltungsindustrie und müssten dementsprechend hart verfolgt werden. Andererseits argumentiert er, dass bisherige Vorschläge zwar Nutzer und vielleicht Urheber besser stellen, dafür aber Rechteverwerter – also Verlage – benachteiligen. Ein Zustand, den er nicht hinnehmen will.

Ein starker Verfechter der bisherigen Modelle ist auch der Bundesverband Musikindustrie mit seinem Vorsitzenden Dieter Gorny. Der Musikmanager tritt  oft öffentlich auf und argumentiert hauptsächlich, es gebe Gesetze, die durch eine technische Entwicklung nicht aufgehoben würden und somit durchgesetzt werden müssten. Zitat des Verbandes: "Wer ohne die ausdrückliche Zustimmung nur eines dieser Rechteinhaber CDs kopiert, handelt rechtswidrig und macht sich sogar strafbar."

Auf der gleichen Seite kämpft die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten, die beispielsweise begrüßt, dass Schutzfristen in Europa gerade von 50 auf 70 Jahre verlängert wurden.

Unter dem Stichwort Leistungsschutzrecht haben außerdem einige Zeitungsverlage eine eigene Debatte mit dem Ziel angestoßen, ihre bisherigen Verwertungsmodelle zu schützen. So wollen sie Verluste kompensieren, die ihnen durch die technische Entwicklung entstehen. Die Debatte überlappt sich mit der um das Urheberrecht und hat ähnliche Hintergründe.

Das Handelsblatt beispielsweise startete die Aktion "Mein Kopf gehört mir", die wohl eher auf Provokation ausgelegt war, denn auf einen Fortschritt der Debatte. Sind darin doch Aussagen enthalten, die anderen Fraktionen die Berechtigung mitzudiskutieren absprechen. Zitat: "Das digitale Medium ist – bei allen Vorteilen – eine gigantische Kopier- und Abschreibemaschine. (...) Es ist kein Zufall, dass viele Blogs und Foren vor allem reproduzieren. Alle schmarotzen aus der reellen Welt."

Im Streit zwischen Neuerern und Bewahrern ist das Problem, dass es auf beiden Seiten Menschen gibt, die sich hinter vorgeschobenen Argumenten verstecken. Einige Neuerer wollen tatsächlich vor allem kostenlos Inhalte nutzen und sehen nicht ein, warum sie diesen durch die Technik entstandenen Vorteil aufgeben sollen. Und einige Bewahrer wollen nicht über neue Wege und Geschäftsmodelle nachdenken, sondern allein das Bestehende verteidigen und ignorieren dabei die technischen Bedingungen.

Und so ist inzwischen eine dritte Front entstanden.

Die Moderatoren

Wo Unternehmen zu Datenkraken werden
Apple iPhone 4 Quelle: rtr
Unzulässige Blankoschecks beim DatenschutzAuch Google hat nicht umsonst den Ruf ein „Datenkrake“ zu sein. Die von der „Chip“ beauftragten Rechtsexperten fanden bei Google folgenden Passus: „Wir stellen solche Informationen [personenbezogene Daten] unseren Tochtergesellschaften, Partnerunternehmen oder anderen vertrauenswürdigen Unternehmen oder Personen zur Verfügung, die personenbezogene Daten in unserem Auftrag verarbeiten.“ Derart weit gefasste Datenschutzbestimmungen sind mit dem deutschen Datenschutzrecht nicht einmal ansatzweise vereinbar, so die Rechtsexperten. Quelle: dapd
Google nutzt seine zahlreichen Dienste, um die Interessen der Nutzer zu speichern und so personalisierte Werbung ausliefern zu können. Der wichtigste Indikator für Google, um festzustellen, welche Werbung den Nutzer interessieren könnte, ist bei der Websuche natürlich der eingegebene Suchbegriff - das funktioniert auch ganz ohne Personalisierung. Daneben wird aber beispielsweise auch Werbung in anderen Dienst wie Google Mail personalisiert angezeigt, je nachdem, welche Stichworte ein automatisierter Algorithmus in den E-Mails entdeckt. Insgesamt sammelt Google Daten über alle angebotenen Dienste hinweg - sei es Youtube, Google Mail, Picasa oder die Websuche. Für die personalisierte Werbung werden alle die auf verschiedenen Plattformen gesammelten Daten verknüpft. Welche Informationen Google über Sie gesammelt hat, können Sie als eingeloggter Benutzer unter http://google.de/ads/preferences einsehen - und dort die Cookies auch löschen lassen. Quelle: dapd
Ebenso vernichtend ist das Urteil der Experten zu den Datenschutzbestimmungen von Facebook: „Komplett wirkungslos“, urteilt der Datenschutz-Anwalt Martin Bachmann von der Kanzlei Hild & Kollegen laut „Chip“. Allein schon die Länge der Bestimmungen widerspreche dem im deutschen Datenschutzrecht vorgeschriebenen Transparenzprinzip. Quelle: dapd
Facebook sammelt auch auf externen SeitenFacebook ist dabei auch besonders wissbegierig. So sammelt Facebook nicht nur auf der eigenen Website Daten, sondern auch auf allen, die den „Gefällt mir“-Knopf eingebaut haben. Welche Daten das soziale Netzwerk damit mit auf externen Webseiten sammelt, kommt darauf an, ob der Nutzer Mitglied bei Facebook ist oder nicht. Von Nicht-Mitgliedern wird die IP-Adresse an das Unternehmen übertragen. Diese eindeutige Zahlenkombination bekommt ein Internetnutzer zugewiesen, wenn er sich ins Internet einwählt - sie funktioniert wie das Nummernschild am Auto. Bei deutschen Nutzern werden die letzten Stellen der Ziffernfolge allerdings gestrichen, sodass die Daten anonym sind. Von Mitgliedern wird mehr übertragen: Unter anderem die Seite, auf welcher der Facebook-Knopf geladen wurde, die Uhrzeit und der Browsertyp, den der Surfer nutzt. Ob jemand Mitglied ist, erkennt Facebook an einem Cookie, einer kleinen Textdatei, die beim Einloggen auf seinem Computer gespeichert wird. Abhilfe: Selbst wenn Sie Facebook-Mitglied sind, können Sie sich ausloggen und die Cookies löschen. Dann werden Sie von Facebook wie ein Nicht-Mitglied behandelt und bleiben anonym. Quelle: dpa
Was passiert mit den Daten, die im Internet über mich gesammelt werden?Oft werden die Informationen für Werbung verwendet, die genau auf den jeweiligen Nutzer zugeschnitten ist. Arbeitgeber nutzen das Internet auf der Suche nach Informationen über Bewerber. Die leichtsinnige Preisgabe persönlicher Daten kann aber auch finanzielle Folgen haben. So nutzen Kriminelle immer wieder Kreditkarten-und Bankverbindungsdaten, um illegal Geld abzubuchen. Quelle: dapd
Apps als DatenfalleAuch die Nutzungsbedingungen der beliebten Apps für Smartphones waren in der Vergangenheit Gegenstand heftiger Kritik. So sendet sowohl die iPhone- als auch die Android-Version der beliebten Musik-App Pandora persönliche Angaben wie Alter und Geschlecht des Nutzers sowie Gerätedaten an Online-Werbepartner, wie das " Wall Street Journal" (WSJ) in einem groß angelegten Test bereits im Dezember 2010 herausfand. Beliebte Gratis-Apps wie das iPhone-Spiel Paper Toss sendeten persönliche Informationen von Nutzern an mindestens fünf Werbeunternehmen, berichtete die Zeitung damals. Insgesamt stellten sich von den 101 untersuchten beliebten Mini-Programmen für iPhone und Android-Smartphones 56 als Spione heraus, weil sie die Geräte-ID an Dritte sendeten, ohne dafür die Erlaubnis des Nutzers einzuholen. 74 Apps sendeten den Standort des Geräts. Fünf Softwarehersteller waren besonders wissbegierig und ließen sich gleich noch Informationen zu Alter oder Geschlecht schicken.  Quelle: dpa

Der Musiker und Blogger Johnny Häusler gehört zu dieser dritten Front. Mehrfach schrieb er Texte, in denen er sich um Sachlichkeit und Darstellung beider Seiten und ihrer Sorgen bemühte. Zuletzt beklagte er sich auf seinem Blog Spreeblick über den Tonfall der Diskussion: "Es ist offenbar nicht mehr möglich, PRO Urheberrecht zu sein (was ich bin), ohne sich mit Artikeln gemein zu machen, die entweder pure Propaganda oder Panikmache vor einer Partei sind. Oder beides."

Ähnlicher Meinung ist auch Dirk von Gehlen. Der Autor der Süddeutschen Zeitung hat mit Mashup ein Buch zum Thema Kopien geschrieben und dürfte eher als ein Kritiker des bestehenden Urheberrechts gelten. Wie Häusler kritisiert er derzeit vor allem die Art der Debatte. Zitat: "In Wahrheit kommt hier nichts voran, hier kommen vor allem Vorurteile heraus."

Gehlen argumentiert im Übrigen ebenfalls für eine Kulturflatrate, denn sie sei ein erprobtes Modell, das lediglich den neuen Gegebenheiten angepasst werden müsse.

Digitale Welt



Eher ein Bewahrer, aber ebenfalls sachlich und beiden Seiten verpflichtet ist Tim Renner. Er betreibt ein Musiklabel und hat einst Sven Regener unter Vertrag genommen. Zitat aus einem aktuellen Text Renners: "Bezahlt wird für Service und Inhalte im Netz immer. Entweder im Rahmen von Flatrates für aktuelle Musik oder Filme oder eben mit Zeit oder persönlichen Daten. Denn auch dort, wo der Konsument mit Pop-Ups und anderer Werbung beballert wird oder sich durch Fragen in Suchmaschinen oder in sozialen Netzwerken offenbart, entsteht ein Mehrwert. Die wenigsten Plattformen werden von Altruisten betrieben, die meisten haben sehr wohl ein Geschäftsmodell." Es gehe also, glaubt Renner, gar nicht um einen Streit zwischen kostenlos und kostenpflichtig. Es gehe vielmehr darum, längst funktionierende Geschäftsmodelle so zu tarieren, dass alle etwas davon haben und so zu schützen, dass Kriminelle sie nicht unterwanderten.

Und noch ein abschließendes Zitat Renners: "Um Sven Regeners Wut gerecht zu werden, müssen wir also nicht nach schärferen Gesetzen rufen, sondern Blockaden wie zwischen Gema und YouTube aufheben helfen, damit die adäquaten Angebote entstehen. Diese Angebote und Künstler wie Sven gilt es dann dadurch zu schützen, dass man, wie im Fall Schmitz und kino.to zu Recht geschehen, die Menschen bestraft, die an ihren Geschäftsmodellen Kreative nicht angemessen beteiligen."

Korrektur: Im ursprünglichen Text stand, die Grünen hätten sich auf eine Verkürzung der Schutzfrist auf 20 Jahre geeinigt. Das wurde diskutiert, stand aber nicht im letztlich verabschiedeten Dokument. Die Passage wurde geändert. / Kai Biermann

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