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Urheberrecht Die Fronten im Streit ums digitale Kopieren

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Die Neuerer

Diese Tweets haben die Welt bewegt
„Achtung: In der Realschule Winnenden gab es heute einen Amoklauf, Täter angeblich flüchtig - besser nicht in die Stadt kommen!!!! “ Diese Nachricht der Twitter-Nutzerin Natali Haug war eine der ersten, wenn nicht die erste Meldung, über den Amoklauf in Winnenden. Quelle: Screenshot
In Teheran verblutet eine Iranerin namens Neda nach einem Schuss in die Brust auf der Straße. Versuche, sie am Leben zu erhalten, scheitern. Blut tritt aus Mund und Nase und fließt über ihr gesamtes Gesicht. Ein Mann filmt den Tod der jungen Frau per Handy-Kamera. Der 40 Sekunden lange Handy-Film geht per Youtube und Twitter um die Welt. Obwohl Neda eine Unbeteiligte war, wird sie zum Symbol des Widerstands gegen die Unterdrückung im Iran. Die Machthaber können den Umlauf solcher Bilder nicht verhindern - damit gewinnt der Widerstand in der Gesellschaft nicht nur an Bedeutung, es formiert sich auch eine weltweite Solidaritätsbewegung. Quelle: Screenshot
Auch die ersten Hintergrundinformationen und Bilder zu den Anschlägen in Mumbai verbreiten sich über Twitter wie ein Lauffeuer. Aus Indien erreichen via Twitter die ersten Augenzeugenberichte die Außenwelt. Quelle: Screenshot
Eine weitere Sternstunde für Twitter: Die erste Meldung über den Absturz eines Airbus-Flugzeuges im Hudson River läuft über den Kurznachrichtendienst. Der Twitterer Janis Krums schreibt: „Da ist ein Flugzeug im Hudson River. Bin auf der Fähre, die versucht, die Leute aufzusammeln. Verrückt. “ Kurz darauf schickt er das erste Foto - ebenfalls auf Twitter. Quelle: Screenshot
Bei der Bundestagswahl im Jahr 2009 werden schon vor der Schließung der Wahllokale angebliche Prognosen auf Twitter veröffentlicht. Zum Teil unterscheiden sich die Zahlen zum Ausgang der Wahl deutlich. Auch bei den Landtagswahlen kursierten bereits gefälschte Zahlen über Twitter - zum Beispiel der angebliche Twitter-Account der FDP Unna. @fdp_unna schrieb: „Gerade Anruf aus Berlin bekommen, nehmen Prognose wieder runter. Hoffen aber noch.“ Das Account gehört nicht der FDP aus Unna, wie sich im Nachhinein herausstellte. Quelle: Screenshot
Eher zufällig wurde Sohaib Athar zum ersten Berichterstatter über die Tötung von Al-Qaida-Chef Osama bin Laden durch ein US-Kommando. Der Twitter-Nutzer vermeldete über den Kurznachrichtendienst die Hubschrauber über der pakistanischen Stadt Abbottabad. Seine Twitter-Nachricht wurde erst im Nachhinein verstanden. Quelle: Screenshot
Wahl zum Bundespräsidenten im Jahr 2009: Knapp 15 Minuten vor der offiziellen Verkündung des Ergebnisses veröffentlichte die CDU-Bundestagsabgeordnete Julia Klöckner das Resultat bereits auf Twitter. Köhler war mit 613 Stimmen bereits im ersten Wahlgang im Amt bestätigt worden. Klöckners Nachricht: „Leute, Ihr könnt in Ruhe Fußball gucke. Wahlgang hat geklappt!“ Im Nachhinein entschuldigte sich die Politikerin für ihr vorschnelles Handeln. Quelle: Screenshot

Die wohl wichtigste und fundierteste Plattform der Kritiker bisheriger Urheberrechtsmodelle ist die Aktion iRights. Seit Jahren argumentieren die Autoren, allen voran Mathias Spielkamp, für ein Umdenken und für eine Suche nach neuen Lösungen, um die Interessen von Urhebern, Rechteverwertern und Nutzern gleichermaßen zu berücksichtigen. Dabei versucht die Plattform vor allem, möglichst viele Meinungen zu sammeln und zu diskutieren, und hat beispielsweise mehr als 40 Politiker, Experten und Urheber gefragt, wie das Urheberrecht reformiert werden sollte.

Neben iRights ist das Blog Netzpolitik eine wesentliche Stimme. Dort wird ebenfalls seit Jahren über das Thema berichtet – meistens sachlich, gern aber auch ironisch und immer aus Sicht der Aktivisten, die eine Veränderung fordern. Beispielsweise in Form einer sogenannten Kulturflatrate. Gründer Markus Beckedahl ist gleichzeitig der deutsche Sprecher der Initiative Creative Commons, damit also Vertreter eines neuen Modells, wie Urheberrechte gehandhabt werden können.

Und so werden dann beispielsweise die Probleme aufgrund der bisherigen Struktur von Schutzfristen beschrieben: "Es zeigt sich, wie die Länge der urheberrechtlichen Schutzfristen Digitalisierung und Zugang zu Büchern und damit dem kulturellen Erbe behindern, weil eine große Mehrzahl der Werke zwar auch nach Jahrzehnten noch urheberrechtlich geschützt sind, eine Verwertung sich aber bereits nach wenigen Jahren nicht mehr lohnt."

Seit längerer Zeit ist auch der Chaos Computer Club Akteur in der Debatte. Er versucht, wie Netzpolitik und iRights, Utopien zu entwerfen und Lösungen zu präsentieren. So stammt der Vorschlag einer Kulturwertmark vom CCC. Die Idee: "Jeder Teilnehmer zahlt einen festen monatlichen Betrag ins System ein, den er dann in Form von Kulturwertmark an Künstler seiner Wahl vergeben kann. Als Ausgleich stehen die Werke nach einigen Jahren oder nach Erreichen einer bestimmten Kulturwertmark-Auszahlsumme jedem zur nicht-kommerziellen Nutzung zur Verfügung."

Der Hackerverein, der viele Programmierer und Autoren – also Urheber – unter seinen Mitgliedern hat, hält das für einen besseren Ansatz als die Kulturflatrate, da es dazu keine zentrale Verwertungsorganisation brauche.

Einige politische Parteien haben sich des Themas ebenfalls angenommen. So diskutierten die Grünen auf ihrem Bundesparteitag einen Leitantrag, um die Schutzfristen für Werke von derzeit 70 auf 5 Jahre zu verkürzen. Das führte intern zu heftigen Debatten. Im letztendlich verabschideten Text steht nichts mehr von Schutzfristen, doch setzen sich die Grünen dafür ein, Modelle wie Creative Commons zu fördern, nichtkommerzielle Kopien auszudehnen und staatlich finanzierte Forschungsdaten freizugeben.

Auch die Piratenpartei kümmert sich um das Thema. Sie ist aber keineswegs der wichtigste Vertreter auf dieser Seite der Debatte. Lange hatte sie nicht einmal eine offizielle Haltung zum Urheberrecht, Aussagen zu dem Thema waren lediglich die einzelner Mitglieder, nicht die Parteiposition. Mitte April jedoch veröffentlichte die Piratenpartei ein offizielles Statement. Darin plädiert sie unter anderem ebenfalls für die "Freigabe von nichtkommerziellen Vervielfältigungen", fordert aber keineswegs eine Abschaffung des Urheberrechts, wie es ihr gern unterstellt wird. Allerdings will sie, dass öffentlich finanzierte Werke wie beispielsweise Forschungsergebnisse allen frei zur Verfügung stehen.

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